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Zum 60. Geburtstag

Alexander zu Schaumburg-Lippe: „Ich bin ein politischer Mensch“

BÜCKEBURG. Alexander zu Schaumburg-Lippe feiert am ersten Weihnachtstag seinen 60. Geburtstag: ein Gespräch über die Rolle des Adels, den Reiz sozialer Medien und eine möglicherweise dritte Hochzeit.

veröffentlicht am 24.12.2018 um 11:31 Uhr

Alexander zu Schaumburg-Lippe feiert am ersten Weihnachtstag seinen 60. Geburtstag. Foto: Grabowski

Autor:

Marc Fügmann und Verena Gehring
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Herr zu Schaumburg-Lippe, eines gleich mal vorweg: Die Privilegien des Adels wurden vor hundert Jahren abgeschafft – Sie nennen sich trotzdem Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. Klären Sie uns auf!

Das besagt nur eines: dass ich nach der Tradition Chef unseres Hauses bin. Die Bezeichnung Fürst haben schon mein Vater und Großvater geführt. Die Behauptung, der Begriff habe etwas mit Monarchie zu tun, zeugt davon, dass sich viele Menschen nicht mit Geschichte befasst haben. Fürst ist eine Sammelbezeichnung für alle möglichen Mitglieder des höheren Adels. Im engeren Sinne ist er Chef eines fürstlichen Hauses, wovon es in Deutschland noch mehr als 60 gibt. Erst ganz zum Schluss kann er auch Monarch sein – dann heißt es Regierender Fürst. Ab 1918 war das freilich vorbei.

Was steht im Personalausweis?

Läuten bald die Hochzeitsglocken? „Geplant ist nichts, ausgeschlossen aber auch nichts.“ Foto: Grabowski
  • Läuten bald die Hochzeitsglocken? „Geplant ist nichts, ausgeschlossen aber auch nichts.“ Foto: Grabowski
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in seiner Bibliothek mit den Redakteuren Verena Gehring und Marc Fügmann. Foto: Grabowski
  • Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in seiner Bibliothek mit den Redakteuren Verena Gehring und Marc Fügmann. Foto: Grabowski

Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe.

Korrekt Ernst-August Alexander Christian Viktor Hubert Prinz zu Schaumburg-Lippe, oder?

Ja, die Vornamen beziehen sich auf meine Paten. Der Rangfolge entsprechend wurde Ernst-August – der Vater des jetzigen Chefs des Hauses Hannover – vorangestellt.

Sie gehen regelmäßig gegen Menschen vor, die nach Ihrer Auffassung den Namen Schaumburg-Lippe zu Unrecht tragen. Warum?

Es gehört zu meinen Aufgaben, die Interessen unserer Familie zu wahren und sie vor Leuten zu schützen, die aufgrund einer Adoption mit unserem Namen herumlaufen, ohne ihn legitimerweise führen zu dürfen. Da kollidiert ein juristischer Vorgang mit unseren Traditionen, die vom deutschen Recht leider nicht geschützt werden.

Ursprünglich wäre Ihrem älteren Bruder die Rolle des Familienoberhaupts zugefallen. Bei dessen Unfalltod waren Sie 24. Wie sind Sie mit der plötzlichen Verantwortung umgegangen?

Das war eine Zäsur. Ich war plötzlich nicht mehr frei in meiner Ausbildungs- und Berufswahl, musste mich auf die neue Aufgabe vorbereiten.

Damit war der Traum, Journalist zu werden, geplatzt . . .

Richtig. Meine ersten zaghaften Gehversuche habe ich als Zehnjähriger mit einer Hauszeitung für Gäste meiner Eltern in Steyrling gemacht (Anm. d. Red.: In der österreichischen Gemeinde besitzt die Familie zu Schaumburg-Lippe einen 7000 Quadratmeter großen Forstbetrieb rund um die sogenannte Fürstenvilla). Mit 14 stieg ich bei der Schülerzeitung ein. Damals stand für mich fest: Das ist es, was ich beruflich machen will. Ein wenig juckt es mich heute noch. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich so viel in Facebook veröffentliche – dahinter steckt die alte Leidenschaft.

Dort kommentieren Sie derart viel, dass man vermuten könnte, dass Sie Helfer haben . . .

(lacht) Den Verdacht habe ich schon öfter gehört. Nein, alles stammt aus meiner Feder. Ich bin ein politischer Mensch, dem es Spaß macht, sich in Debatten einzumischen. Gerade weil mir unser Gemeinwesen am Herzen liegt. Und weil mir viele Menschen auf Facebook folgen, kann ich hoffentlich auch etwas damit bewirken.

Wie viele Facebook-Freunde haben Sie?

4998. Ich weiß es deshalb so genau, weil Facebook die Zahl auf 5000 begrenzt. Das reicht mir auch, weil ich die Kontrolle behalten und wissen will, mit wem ich es zu tun habe. So beschränke ich die Kontakte auf „Freunde von Freunden“.

Sie schrecken vor Provokationen nicht zurück . . .

Wäre ich Politiker, müsste ich mich natürlich vorsichtiger ausdrücken.

Auch so werden Sie oft sehr deutlich. Hat Ihnen das jemals geschadet?

(lacht wieder) Das hat schon Anwälte beschäftigt, ging aber meistens aus wie das Hornberger Schießen. Tatsächlich habe ich mir die Frage gestellt: Soll ich mich staatsmännischer ausdrücken, oder kann ich mich auf das schlüpfrige Gleis der Polemik begeben, gepaart mit Humor? Ich habe mich für Letzteres entschieden – auch, weil ich den Eindruck habe, dass das gern gelesen wird.

Was ist mit anderen Social-Media-Kanälen?

Viele sagen, man muss heute unbedingt bei Instagram sein. Ich tue das aber nicht, um cool zu sein. Außerdem müsste ich dann mehr Fotos einstellen, was zwangsläufig Einblicke in mein Privatleben zuließe. Und das will ich partout nicht.

Sie machen keinen Hehl aus Ihrer Nähe zur FDP. Wie kommt das an?

Wenn man sich für eine umstrittene Partei wie die FDP stark macht, ist es nicht immer von Vorteil. Für mich gilt auch hier: Die Teilnahme am politischen Diskurs hat mit Gestaltungswillen zu tun. Den braucht es in einem demokratischen Staat. Was wir nicht brauchen, sind brave Bürger, die die Klappe halten und nur alle vier Jahre ein Kreuzchen machen.

Zurück zu den Aufgaben als Familienoberhaupt. Ihr Sohn Donatus ist jetzt 24 – genau so alt wie Sie, als klar wurde, dass Sie einmal Verantwortung übernehmen müssen. Wie bereiten Sie ihn auf diese Rolle vor?

Indem ich ihm ermögliche, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen, beruflich etwas zu leisten und sich zu beweisen, dass er etwas kann. Es wäre schön, wenn er irgendwann in Bückeburg die Leitung übernimmt. Ich würde aber genauso akzeptieren, wenn er woanders leben möchte. Dann setzen wir eben kommissarisch einen Verwalter ein.

Sie halten es für denkbar, dass er anders als Vater und Großvater nicht hier im Schloss seinen Lebensmittelpunkt haben wird?

Das bleibt ihm überlassen. Ich freue mich immer sehr, wenn er hier ist, sage ihm aber auch: Leb dein Leben!

Hat es bei Ihnen Momente gegeben, in denen Ihnen das hier alles zu viel geworden ist? In denen Sie am liebsten alles verkauft und in ein hübsches Einfamilienhaus wo auch immer gezogen wären?

Die Vorstellung, das hier aufzugeben, ist mir absolut fremd. Ich möchte auch nicht in der Situation des Erbprinzen von Hannover sein, der sich von seinem Stammsitz trennen muss, weil es finanziell nicht mehr geht. Ich hoffe, wir bekommen das hier noch eine Weile weiter so hin.

Die Frage zielte in eine andere Richtung: Viele kaufen sich bei Ikea eine neue Lampe oder ein Sofa, wenn sie Lust auf einen Tapentenwechsel haben. In einem Schloss kaum denkbar. Sie leben ein wenig wie im Museum . . .

Stimmt. Mache ich aber gern. Ich hatte nie das Bedürfnis nach einer Designervilla auf Ibiza. Die Wohnung, in der ich hier lebe, habe ich selbst gestaltet. Und das darf gern nach Schloss aussehen. Zum Glück ist das ja weitgehend mit Bordmitteln möglich.

Ihre Besitztümer verschlingen riesige Summen. Da reden wir nicht nur von diesem 250-Zimmer-Schloss, sondern auch von anderen kulturhistorischen Immobilien, forst- und landwirtschaftlichen Flächen . . .

Ja. Im Moment macht uns vor allem der Forstbetrieb Sorgen: Da habe ich mit zwei Naturkatastrophen zu kämpfen: Das eine sind die immer heftigeren Stürme, die große Schäden in den Wäldern anrichten. Das andere sind aus meiner Sicht falsche neue Verwaltungsvorschriften, die die Bewirtschaftung erschweren und zu erheblichen Einbußen führen. Die Erträge werden aber zum Erhalt der Baudenkmäler benötigt. Dass es Leute gibt, die in diesem Zusammenhang davon reden, der Wald sei nicht dazu da, meine Taschen zu füllen, macht mich wütend und ratlos.

Dafür verdienen Sie mit Landpartie, Weihnachtszauber und dergleichen ordentlich Geld . . .

Anders wäre es auch sehr schwer, das Schloss überhaupt noch zu erhalten, wenn nicht unmöglich. Die jährlichen Kosten entsprechen dem Wert eines Einfamilienhauses. Und dieses Geld muss erst mal verdient werden. Heißt: Wir müssen Ideen entwickeln, wie das Haus aus sich selbst heraus existieren kann.

In den Zeiten Ihres Vaters ging es noch ohne Veranstaltungen.

Er wollte keine kommerzielle Nutzung, hat aber auch geahnt, dass es auf Dauer anders nicht mehr funktioniert. Ich hätte sonst vermutlich schon längst den öffentlich zugänglichen Schlosspark dicht machen müssen, weil wir uns das Erfüllen der Verkehrssicherungspflicht nicht mehr hätten leisten können. Dann wäre ich binnen einer Woche der meistgehasste Mann in Bückeburg. Daran erkennen Sie das Dilemma. Mich ärgert besonders, dass sich der Mythos vom märchenhaft reichen Haus Schaumburg-Lippe noch immer hält. Sicher, hätten wir unseren einstigen Besitz noch, wären wir heute 16 Milliarden Euro schwer. Aber das ist seit über 80 Jahren Geschichte.

Früher gab es viele rauschende Bälle im Schloss, sogar der damalige König Hussein von Jordanien war hier. Ist das heute weniger angesagt?

Für ganz große Bälle fehlte in den vergangenen Jahren der Anlass. Gefeiert wird noch immer, nur weniger öffentlich. Ich bin vorsichtiger geworden im Umgang mit Medien – auch mit Rücksicht auf meine Gäste.

Die Bückeburger erinnern sich noch gern an die Hochzeit mit Lilly, die hier bis heute große Sympathie genießt. Wie schwer hat es das den Frauen gemacht, die danach an Ihrer Seite waren?

Es ist immer schlecht, sich zu vergleichen oder verglichen zu werden. Jeder sollte authentisch bleiben. Ich habe auch nie versucht, meinen hier sehr beliebten Vater zu kopieren.

Zwei zerbrochene Ehen, die gescheiterte Beziehung zu Modedesignerin Jette Joop – ist das der Preis des Promi-Daseins?

Die Beziehung mit Jette war sehr öffentlich, weil sie selbst eine öffentliche Person war. Die Verbindung ist deshalb aus sich selbst heraus zum Erliegen gekommen. Äußere Einflüsse spielten da keine Rolle.

Lilly hingegen spielt in Ihrem Leben nach wie vor eine wichtige Rolle. War sie bei Ihrer Hochzeit einfach noch zu jung?

Ganz eindeutig. Sie hatte als Erste die Idee, dass wir heiraten. Da habe ich trotz Bedenken zugestimmt, weil ich sie sonst ja verloren hätte. Und später hätte ich sie vielleicht nicht wiederbekommen.

An der Seite Ihrer jetzigen Freundin Mahkameh Navabi wirken Sie mit sich und der Welt ausgesprochen zufrieden.

Das liegt vielleicht auch daran, dass ich jetzt nicht mehr wie ein Nomade herumziehe. Das war mit meiner letzten Frau Nadja, die ihren Lebensmittelpunkt in München hat, anders. Durch die Pendelei kam Bückeburg zu kurz. Mahkameh und ich sind hier angekommen, was sich auch daran zeigt, dass wir unserem Nestbaureflex hemmungslos nachgehen. Jeden Tag fällt uns Neues ein, was wir hier gemeinsam umgestalten können.

Läuten bald ein drittes Mal die Hochzeitsglocken?

Geplant ist nichts, ausgeschlossen aber auch nichts.

Hand aufs Herz: Wie oft schauen Sie in Klatschblätter?

Manchmal nehme ich im Laden eine Zeitschrift in die Hand, um zu sehen, ob mein Name drin steht. Wenn nicht, lege ich sie zurück. Als ich mit Lilly verheiratet war, wurde ständig über uns geschrieben. Heute kommt das seltener vor.

Haben Sie ein bisschen Bammel vor dem 60. Geburtstag?

Mein gefühltes Alter liegt eindeutig darunter. Ich muss jetzt allerdings zusehen, dass ich den Alterungsprozess in Schach halte, mehr Sport treibe und auf die Ernährung achte. Faulheit kann ich mir nicht länger leisten.

Geboren am ersten Weihnachtstag. Haben Sie sich früher – wie andere Kinder mit diesem Schicksal – benachteiligt gefühlt, weil der Geburtstag immer ein bisschen unterging?

Ich hatte nie das Gefühl, deshalb weniger Geschenke bekommen zu haben. Unsere Eltern waren so klug, meine Geburtstagsfeier mit der meines Bruders im Juli zusammenzulegen. Was mich bis heute stört: Andere können auch mal reinfeiern, das geht bei mir nicht. Heiligabend bleibt jede Familie lieber unter sich. Ich habe diesmal für den zweiten Feiertag zu einer legeren Party eingeladen: gute Freunde, Würdenträger der Stadt und einige meiner Lieblingsmusiker. Darauf freue ich mich.

Was wünscht sich jemand, der schon ein Schloss hat?

Es gibt einige karitative Organisationen, in denen ich mich engagiere. Wenn meine Gäste dafür eine kleine Spende zurücklassen, reicht mir das.

Interview: Marc Fügmann und Verena Gehring




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