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Dietmar Wischmeyer und Susanne Niemeyer lesen „Nachspeisen zum Jüngsten Gericht“

Als Gott Niedersachsen erschuf

POLLHAGEN. Die Bibel lässt sich auch in 15 Minuten erzählen und die Schöpfung hätte sich glatt in fünf Tagen erledigen lassen, hätte Gott damals schon Verdi-Chef Frank Bsirske erfunden. Diese und weitere Erkenntnisse konnten die Besucher des Leseabends in der Pollhäger Kulturkirche mit nach Hause nehmen.

veröffentlicht am 06.10.2017 um 18:55 Uhr

Eingerahmt vom Posaunenchor: Dietmar Wischmeyer liest zusammen mit Susanne Niemeyer aus seinem neuen Buch vor. Foto: Kil

Autor:

Kirsten Elschner
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Anlässlich des Luther-Jahres trugen Autorin Susanne Niemeyer und Satiriker Dieter Wischmeyer aus dessen Buch „Nachspeisen zum Jüngsten Gericht“ vor. So viel wie an diesem Abend wurde in der Kirche wohl selten gelacht. Begleitet vom Posaunenchor sorgten die beiden Sprachkünstler für einen kurzweiligen Abend, bei dem Religion und Schützenfest, Ostfriesen und Rhabarberschorle trinkende Frauen ihr Fett wegbekamen.

„Vordergründig hat diese Lesung wohl wenig mit Luther zu tun“, sagte Wischmeyer zu Beginn. Eine Beziehung gebe es dennoch: Beide kennzeichnen geschichtliche Bruchstellen. Im Falle von Wischmeyer sei das die sogenannte Digitalisierung. „Ich will nicht, dass mein Kühlschrank mit meiner Krankenkasse spricht. Lässt sich die Gegenwart nicht verlängern?“, fragte Wischmeyer und passend dazu spielte der Posaunenchor ein nostalgisches „Yesterday“.

Die Bibel jedenfalls lasse sich via Smartphone in maximal 15 Minuten erzählen. Am Anfang stehen natürlich Adam und Eva – „hätte es damals schon das Mieterschutzgesetz gegeben, hätte Gott die beiden wohl nicht so leicht aus dem Paradies schmeißen können“. Aus dem Neuen Testament trug Niemeyer vor. „Eine echt dünne Geschichte“, die für den Hauptdarsteller verdammt schlecht ausgeht. „Warum man diese auch noch in vier Versionen aufschreiben musste, sei ihr schleierhaft.

Die Schöpfung verlängert Wischmeyer in seinem Buch „Nachspeisen zum Jüngsten Gericht“. Denn am achten Tag stellt Gott fest: „Ich habe Niedersachsen vergessen.“ Und so musste Gott nochmal vom Sofa aufstehen und nachbessern. Reichlich Modder hier, noch mehr Modder dort, ein paar Ostfriesen an die Küste, Grünkohl – damit die Leute was zu fressen haben – ein paar Tropfen Bier und Schützenfest. Fehlt nur noch eine Hauptstadt: Also schuf Gott Braunschweig – „nee doch nicht“.

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