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Riesenschlange ist dreieinhalb Meter lang, 30 Kilo schwer – und gefährlich / Spezialist fängt Exoten an der Weser

Angler entdeckt Tigerphyton

KIRCHOHSEN. Sie ist dreieinhalb Meter lang, wiegt 30 Kilo – und ist ein gefährlicher Würger. Diese exotische Schlange dürfte die größte sein, die jemals im Landkreis Hameln-Pyrmont gesichtet und eingefangen wurde. Der Tigerphyton war am Sonntagmorgen gegen 6.30 Uhr am Weserufer unterhalb der Kläranlage von Emmerthal von einem Sportfischer entdeckt worden.

veröffentlicht am 17.06.2018 um 19:47 Uhr

Der Tigerpython war am Sonntagmorgen am Weserufer unterhalb der Kläranlage in Kirchohsen entdeckt worden. Linus Kampe, Direktor des Tierparks Bad Pyrmont, fing sie mithilfe von zwei Anglern ein. Die Schlange ist zunächst im Tierpark untergebracht. Fo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Linus Kampe, Direktor des Tierparks Bad Pyrmont, fing die Riesenschlange gemeinsam mit zwei Anglern ein. „Dieser Phyton ist so dick wie ein Oberschenkel und hat enorme Kraft. Das sind dreieinhalb Meter purer Muskel. Pro Meter Schlange benötigt man einen Mann, um sie halten zu können“, erklärt der Experte.

Ein Glück, dass es am Morgen noch nicht so warm war. Deshalb dürfte die wechselwarme Würgeschlange noch recht träge gewesen sein, als Florian Hanke sie entdeckte. Der Sportfischer informierte sofort seinen Arbeitskollegen Frank Brümmer. „Guck mal, da liegt eine Schlange.“ Der Angler traute seinen Augen kaum. „So ein Riesenvieh habe noch niemals zuvor gesehen“, erzählt der 56-Jährige. Der Kopf der Schlange habe im Wasser gelegen. „Deshalb dachte ich, die ist tot“, erzählt Brümmer. Mit der Stiefelspitze habe er die Schlange angestupst. „Da kam plötzlich Leben rein.“ Langsam sei die Riesenschlange die Böschung hinaufgekrochen. „Man gut, dass sie nicht rein ins Wasser ist. Die hätten wir nicht halten können.“ Die Sportfischer riefen die Polizei. Die Beamten verständigten sofort den Tierpark-Chef. Linus Kampe hatten in den vergangenen Tagen schon eine Mexikanische Rotknie-Vogelspinne in Holzhausen und eine Kalifornische Kettennatter in Bad Pyrmont einfangen müssen.

Gut, dass die Angler den Phyton nicht angefasst haben, denn: Wenn sich so eine Schlange bedroht fühlt, greift sie auch einen Menschen an. Sie beiße erst zu und würge dann ihr Opfer, sagt Kampe. Insbesondere Kinder hätten keine Chance. „Aber auch für Erwachsene kann eine Bekanntschaft mit einem dermaßen großen Phyton ganz böse enden. Die Würgeschlange wickelt sich um ihre Beute und erstickt das Lebewesen ganz langsam. Wenn man kein Messer zur Hand hat, hat man keine Chance gegen das Tier.“ Würde sich der Tigerphyton um den Arm eines Menschen wickeln und zudrücken, breche rasch der Knochen. „Drückt die Schlange indes den Brustkorb zu, kann man nicht einmal mehr Hilfe rufen. Das ist schon ein gefährliches Wildtier“, betont der Tierpark-Chef. In ihrer asiatischen Heimat sollen diese Großschlangen schon mal halbwüchsige Schweinshirsche und sogar erwachsene Leoparden töten. Unbekannt ist, ob der Phyton aus einem Terrarium ausgebüxt oder aus einem Zirkus entwichen ist. „Eine solche Schlange benötigt schon ein eigenes Zimmer – es sollte neun bis zwölf Quadratmeter groß sein“, erzählt Kampe. „Wenn jemand die Schlange ausgesetzt hat, dann ist das nicht nur extrem unfair dem Tier gegenüber – der Halter hat damit auch die Allgemeinheit gefährdet.“

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Der Spezialist fixierte zunächst den Kopf der Riesenschlange mit einem Stiel, dann packte er zu. Mithilfe der beiden Angler gelang es Kampe, das Tier in einen Bettbezug zu legen. „Ich habe den Stoffsack mit einem Kabelbinder verschlossen.“ Wie schon die anderen Exoten hat auch der Phyton Asyl im Tierpark erhalten.

Kontakt: Wer etwas zur Herkunft der Schlange sagen kann, wird dringend gebeten, die Polizei unter der Telefonnummer 05151/933-222 anzurufen.

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