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Unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge: Vorwürfe bekommen neue Dimension

Anonyme Anzeige gegen Landkreis

veröffentlicht am 08.09.2016 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:31 Uhr

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Autor:

von Sebastian Stüben Und Jakob Gokl

LANDKREIS. Eskalation in der Causa Integrierte Regionalleitstelle(IRL): Nachdem bereits mehrere anonyme Schreiben Fehlalarmierungen von Einsatzkräften durch die IRL angeprangert hatten, ist nun eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Verden eingegangen. Die Nienburger Lokalzeitung „Die Harke“ erreichte dazu eine ausführliche – aber weiterhin anonyme – Stellungnahme sowie eine Kopie der Anzeige.

Die Verfasser, die sich selbst als Mitarbeiter der Leitstelle bezeichnen, erheben konkrete, schwere Vorwürfe gegen die Betreiber der Leitstelle – unter anderem unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge. In dem Brief schildern die Verfasser einen Fall aus dem Landkreis Nienburg, in dem ein Krankenwagen aufgrund von Verzögerungen zu spät am Unfallort angekommen sein soll. Die Verfasser geben als Grund für diese Verzögerung an, dass das Rettungsteam zweimal alarmiert werden musste. Der Patient soll gestorben sein.

Außerdem heißt es in dem Schreiben: „Nur im Zuge möglicher Ermittlungen sehen wir die Chance, dass wir neutral vernommen werden, um unsere Angaben mit Hilfe der sehr umfassenden Leitstellendokumentation öffentlich beweisen zu können.“

Der Sprecher der Verdener Staatsanwaltschaft, Lutz Gaebel, bestätigte am Mittwoch, dass die Anzeige eingegangen ist. Sie wurde anonym aufgegeben. Nun will die Staatsanwaltschaft den Hinweisen nachgehen. Bisher trat sie allerdings noch nicht an den Landkreis Schaumburg heran, wie Kreissprecher Klaus Heimann auf telefonische Anfrage bestätigt.

Identität der Briefeschreiber kann nicht überprüft werden

Seit mehreren Monaten kursieren anonyme Briefe angeblicher Leitstellenmitarbeiter, die Missstände anprangern. Teilweise mit konkretem Bezug, was ein internes Wissen nahelegt, teilweise weniger konkret. Gegenüber der Zeitung waren die Briefeschreiber – auch anonym – nicht bereit ihre Identität zu enthüllen. Dies unterscheidet den Fall von den Vorwürfen von Rettungssanitätern aus Schaumburg (wir berichteten). Die äußerten sich in der Zeitung zwar anonym, ihre Identität und Tätigkeit war der Redaktion allerdings bekannt und konnte überprüft worden. In dem aktuellen Fall können die Angaben nicht überprüft werden.

Dennoch nimmt der Landkreis Schaumburg – dem konkretes Fehlverhalten und ein Vertuschen der Zustände vorgeworfen wird – die Anzeige sehr ernst. „Jetzt bekommen die Vorwürfe eine neue Dimension“, betonte Heimann auf Anfrage. „Wir werden sehen, wie die Staatsanwaltschaft darauf reagiert. Dem können und wollen wir nicht vorgreifen. Natürlich müssen wir den Vorwurf ernst nehmen und werden versuchen, den beschriebenen Einzelfall nachzuvollziehen.“

Auch der Landkreis Nienburg nahm zu den Vorwürfen Stellung: „Es bleibt bei unserer Aussagen. Zu den neuen Vorwürfen werden wir uns auch in Hinblick auf mögliche staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nicht äußern. Die Kreisverwaltung Nienburg wird auch weiterhin allen Hinweisen auf mögliche Fehlfunktionen sofort und konsequent nachgehen.“

Beide Kreisverwaltungen hatten übereinstimmend gesagt, dass ihnen keine größeren Probleme bei der Alarmierung der Rettungsdienste in Schaumburg und Nienburg bekannt seien.




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