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Mord in Lauenau: Prozess gegen Uwe K. wird vom Landgericht Hildesheim neu aufgerollt

Aufregung beim Auftakt

LAUENAU/HILDESHEIM. Der Lauenauer Uwe K. steht erneut vor Gericht. Der Tatvorwurf: Mord an seiner Ehefrau. Der Prozess ist vor dem Landgericht Hildesheim neu aufgerollt worden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) ein Totschlag-Urteil gegen ihn aufgehoben hatte.

veröffentlicht am 10.10.2018 um 15:21 Uhr

Im weißen Hemd und flankiert von seinen zwei Anwälten erscheint Uwe K. vor dem Landgericht Hildesheim. Foto: göt
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LAUENAU/HILDESHEIM. Seit Mittwoch steht der Lauenauer Uwe K. erneut vor Gericht. Der Tatvorwurf: Mord an seiner Ehefrau. Der Prozess wird vor dem Landgericht Hildesheim neu aufgerollt, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) ein Totschlag-Urteil gegen ihn aufgehoben hatte (siehe Kasten).

Zum Auftakt des zweiten Prozesses erschien K. flankiert von seinen zwei Anwälten. Obwohl mehrere Kameras und Dutzende Augen auf ihn gerichtet waren, wirkte der Angeklagte gefasst, wobei er später einräumte, aufgeregt zu sein. Im Vergleich zum ersten Prozessauftakt 2016, wo er eine schwarze Kapuzenjacke trug, war K. nun mit einem weißen Hemd bekleidet. Seine damals schulterlangen Haare trägt er jetzt kurz.

K. wird nun erneut Mord zur Last gelegt. Ihm wird vorgeworfen, seiner Frau am Mittag des 27. Mai 2015 mit zwei hölzernen Zaunlatten viermal gegen den Kopf geschlagen zu haben. Und zwar „so stark und wuchtig“, dass die 42-Jährige handlungsunfähig war, aber noch lebte. Daraufhin soll er ihr drei Wertstoffsäcke über den Kopf gezogen haben, diese mit Expanderband und einem Karabinerhaken zugezogen haben, wodurch sie erstickte.

Er tötete sie, „um mit seiner Geliebten ein neues Leben zu gewinnen“, hieß es in der vorgelesenen Anklageschrift. Die Eltern des Mordopfers treten als Nebenkläger auf, nur der Vater erschien mit seinen Anwälten im Gericht.

Wie Anwalt Christoph Hessel im Vorfeld im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, wird die Verteidigung auf Freispruch plädieren. Dies kam beim Prozessauftakt am Mittwoch aber nicht zur Sprache, K. hatte im vergangenen Prozess seine Unschuld beteuert.

Der 47-Jährige schilderte auf Nachfragen von Richter Peter Peschka, Vorsitzender der ersten Strafkammer, seinen Lebenslauf. Bei den Jahreszahlen geriet K. immer wieder ins Stocken. Er bekomme die Zahlen und Daten nicht ganz zusammen, ohne den Lebenslauf vor sich, erklärte er. Und: „Ich bin auch etwas aufgeregt“. Seit September 2015 sitzt der Handwerker in Untersuchungshaft.

„Es ist natürlich alles sehr schrecklich, wenn man plötzlich ins Gefängnis kommt“, sagte K. nun. „Im Grunde kann man sagen, die meisten Sachen, die man sich zusammen aufgebaut hat, sind kaputt gegangen oder verkauft worden“, schilderte der Angeklagte. Auch die Beziehungen „zu den Leuten“ werden immer schwächer.

Antworten auf Fragen des Richters, wie K. seine Geliebte kennengelernt hatte und wie es ihm nach dem Tod seiner Frau ging, wurden von seinen Anwälten unterbunden. Peschka erkundigte sich, ob K. grundsätzlich Angaben zur Sache machen werde. „Zur Zeit ist noch nichts beabsichtigt in dieser Hinsicht“, ließ Hessel offen.

Allein für Oktober und November sind noch zwölf Verhandlungstermine angesetzt, weitere folgen im Dezember. Mitte Dezember soll das Blutspritzer-Gutachten (siehe Kasten) thematisiert werden. Falls K. wegen Mordes verurteilt wird, kann keine höhere Strafe als die in Bückeburg ausgesprochene herauskommen. Seit die Bückeburger Staatsanwaltschaft ihre Revision zurückgezogen hat, gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot. göt

Information

Im Januar 2017 verurteilte das Landgericht Bückeburg den heute 47-jährigen Ofenbauer wegen Totschlags an seiner Ehefrau Ines K. zu elfeinhalb Jahren Haft. Der BGH gab der Revision mit der Begründung statt, dass das Gericht einen Beweisantrag der Verteidigung mit fehlerhafter Begründung abgelehnt hatte. Dabei handelt es sich um eine fehlende Blutspur zwischen dem Fundort der Leiche und einer Feuerschutztür, von der aus K.‘s Geliebte die Tat beobachtet haben will. Die Verteidigung wollte dazu ein Gutachten einholen, was das Gericht in Bückeburg aber ablehnte.göt




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