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Borsti hat ein neues Zuhause

Ausgesetzte Sau muss nicht länger in der Kälte frieren

HOPE/HAVERBECK. Nahezu ein Jahr lang stromerte eine schwarz-rosa gefleckte Sau durch den Wald bei Hope. Ab und zu ließ sie sich auch auf Feldern blicken. Das Schicksal des Vagabunden rührte im Frühjahr dieses Jahres viele Menschen. Das Schweineleben in freier Wildbahn ist nun vorbei.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 16:12 Uhr
aktualisiert am 28.11.2018 um 19:55 Uhr

Das weibliche Hängebauchschwein Borsti heißt nun Elsa – und beschnuppert seinen neuen Stall in Haverbeck. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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HOPE/HAVERBECK. Nahezu ein Jahr lang ist eine schwarz-rosa gefleckte Sau durch den Wald bei Hope gestromert. Ab und zu ließ sie sich auch auf Feldern blicken. Das Schicksal der Vagabundin rührte im Frühjahr dieses Jahres viele Menschen. Das Schweineleben in freier Wildbahn ist nun vorbei. Borsti – diesen Namen hatten Tierfreunde der Sau verpasst – wurde eingefangen. Das Hängebauchschwein grunzt jetzt in einem Stall in Haverbeck.

Borstis vermeintlich unglückliches Los sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen im kleinen Hamelner Ortsteil, nachdem man das Tier dort entdeckt hatte. Vom Besitzer fehlte jede Spur. Gut möglich, dass Borsti ausgesetzt worden war. Anfragen bei der Stadt und beim Veterinäramt hatten nichts gebracht, niemand zeigte sich für das gut 40 Zentimeter hohe Schwein zuständig. Während einer längeren Frostperiode bangten Tierfreunde um das Leben des Schweines.

Dietlind Liebah und Heidrun Raake zeigten schließlich ein Herz, versorgten das Borstenvieh mit einem speziell gekochten Kartoffel-Möhren-Mix. Ein Versuch, Borsti einzufangen, misslang. Die Sau ging stiften und ließ sich danach kaum noch am angestammten Futterplatz blicken.

Das Fangen war ganz schnell erledigt. Marc Löhle hatte das Schwein auf einer Brachfläche bei Weidehohl entdeckt. Borsti hatte sich mit zusammengetragenen Materialien eine Schlafstätte gebaut – und schlummerte darin. Dem Herkendorfer gelang es am Sonntag, zusammen mit Helfern ein Netz über das Tier zu ziehen. Die Sau war überrascht – und gefangen. „Viel Gegenwehr hat Borsti nicht geleistet“, sagt Löhle.

Katja Tomoscheit hatte sich bereits im Frühjahr in Borsti verguckt. Die Haverbeckerin war bereit, dem Tier ein behagliches Zuhause zu geben – falls das Hängebauchschwein sich einfangen ließe. Sie war auch bei der missglückten Einfangaktion dabei, als die Sau noch einmal Reißaus nehmen konnte. „Damals wirkte das Tier sehr träge und müde. Ich konnte es sogar leicht streicheln, als es an mir vorbeischlich“, erinnert sich die Tierfreundin.

Die Nachricht von Borstis „Festnahme“ erreichte die junge Frau während eines Kurzurlaubs in England. „Ich habe dann mit meinem Vater telefoniert. Der hat alles so weit vorbereitet, dass das Schwein bei uns in einem hergerichteten Schafstall einziehen konnte. Dort hat sie jetzt ihr eigenes Appartement“, erzählt die 33-Jährige. In einer mit Stroh ausgelegten Schaufel eines Radladers wurde Borsti schließlich von Herkendorf ins Nachbardorf gefahren. Misstrauisch steckte das Tier seinen Rüssel aus dem Strohhaufen, bevor es in den Stall schlich und die ungewohnte Behausung ausgiebig beschnupperte. Das Hängebauchschwein soll sich nun erst einmal an das neue Heim eingewöhnen. Zudem soll es nach der langen Zeit in „Freiheit“ von einem Tierarzt untersucht werden.

„Wir versuchen, ihr später Gesellschaft zu beschaffen. Auf Dauer allein zu sein, ist auch nicht so gut“, denkt Tomoscheit bereits darüber nach, ein zweites Schwein anzuschaffen. War es bei Katja Tomoscheit sofort Liebe auf den ersten Blick, muss nun erst einmal abgewartet werden, ob die Zuneigung vom Borstenvieh erwidert wird. Mittlerweile hat das Schwein einen neuen Namen bekommen. Borsti heißt jetzt Elsa. Benannt nach der Eiskönigin aus einem Walt-Disney-Film. Wobei ein erneuter Winter in Eiseskälte Elsa nicht mehr bevorsteht.




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