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23 Jahre alter Lindhorster muss sich vor dem Landgericht Bückeburg verantworten

Baby tot geschüttelt – Vater streitet Tat ab

BÜCKEBURG/LINDHORST. Weil ein Mann sein drei Monate altes Baby zu Tode geschüttelt haben soll, muss er sich von Mittwoch an vor dem Landgericht Bückeburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-Jährigen aus Lindhorst Totschlag vor. Er soll seinen kleinen Sohn im November 2017 so stark geschüttelt haben, dass der Säugling Hirnblutungen erlitt und trotz einer Notoperation zwei Tage später starb.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:16 Uhr

1 Der Angeklagte (l) sitzt mit seinem Anwalt Andreas Fedler im Gerichtssaal im Landgericht. Das Gericht wirft dem 23 Jahre alten Angeklagten Totschlag vor. Er soll seinen drei Monate alten Sohn im November 2017 in Lindhorst so stark geschüttelt haben

Der Vater bestreitet die Tat. Bei seiner Aussage hat er den Vorwurf zurückgewiesen, seinen kleinen Sohn zu Tode geschüttelt zu haben. Dem drei Monate alten Baby sei es nach einer Impfung zunehmend schlechter gegangen, sagte der 23-Jährige vor Gericht.

Die 21-jährige Mutter war am mutmaßlichen Tattag für zwei Stunden nicht in der Wohnung. Sie berichtete als Zeugin, dass das Kind im November blass gewesen sei und sich ständig übergeben habe. Im Krankenhaus sei jedoch nichts festgestellt worden und auch der Hausarzt habe nur einen Virus vermutet. Nach einem vorläufigen Gutachten muss das Kind schon zuvor geschüttelt worden sein. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht hat 18 Zeugen und einen Sachverständigen geladen.

Jährlich werden Schätzungen zufolge bundesweit zwischen 100 und 200 Babys und Kleinkinder mit Schütteltraumata in Kliniken gebracht. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Meist schütteln Eltern die Säuglinge, weil sie deren anhaltendes Schreien hilflos oder wütend macht. Täter sind laut Studien überwiegend Väter.

Fast jeder vierte Deutsche unterschätzt die Gefahr des Schüttelns für Babys, wie aus einer repräsentativen Umfrage von 2017 hervorgeht. Wegen ihrer schwachen Nackenmuskulatur können Säuglinge den Kopf nicht alleine halten. Durch das gewaltsame Schütteln wird das Gehirn im Schädel hin- und hergeworfen - Blutgefäße und Nervenbahnen können reißen. 10 bis 30 Prozent der in Kliniken behandelten geschüttelten Babys sterben, rund zwei Drittel erleiden bleibende Schäden wie wiederkehrende Krampfanfälle oder schwerste körperliche und geistige Behinderungen.

Seit dem vergangenen Jahr klärt ein „Bündnis gegen Schütteltrauma“ im Auftrag des Bundesfamilienministeriums auf, wie gefährlich das Schütteln für Babys ist, und weist verzweifelte Eltern auf Hilfsangebote hin. Man geht heute davon aus, dass das teils mehrstündige grundlose Schreien von Babys mit Reifungsprozessen zusammenhängt. Schreit ein Säugling über einen längeren Zeitraum jeden Tag über mehrere Stunden hinweg, könnte es sich um eine frühkindliche Störung halten. Mütter und Väter können dann Hilfe in der Sprechstunde einer sogenannten Schreiambulanz einer Kinderklinik suchen. dpa




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