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Verkehrsministerium: Strecke Hamm-Hannover künftig in nur 54 Minuten / Ausbau der Bestandsstrecke reicht nicht

Bahn-Ausbau: Die Weichen stehen auf Neubau

LANDKREIS. Ist unter den Bedingungen des Deutschland-Takts ein rein trassennaher Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Minden noch möglich? Aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums offensichtlich nicht. Auf eine erneute Nachfrage der Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers (SPD) zum trassennahen Ausbau hat das Ministerium mit Nein geantwortet.

veröffentlicht am 22.02.2019 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 22.02.2019 um 19:00 Uhr

Schon jetzt fahren auf der Strecke von Minden nach Hannover zahlreiche Züge. Der vierspurige Ausbau soll noch mehr bringen. Foto: jp

Autor:

Jakob Gokl und Johannes Pietsch
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Auf „unter eine Stunde“ solle die Fahrzeit zwischen Hannover und Hamm zukünftig durch die neue Bahn-Infrastruktur sinken, hatte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, am 18. Januar geschrieben (wir berichteten). Was das genau in Minuten bedeute, wollte die heimische Abgeordnete im Rahmen einer Fragestunde des Bundestags wissen.

Für die Strecke Hamm-Hannover sei im Entwurf zum Zielfahrplan eine Reisezeit von 54 Minuten unterstellt worden, so Ferlemann. Das wäre gegenüber der jetzigen Situation eine Verringerung um satte 23 Minuten. Die dafür erforderlichen konkreten Infrastrukturmaßnahmen könnten jedoch erst nach Einarbeitung des Schienengüterverkehrs und Abgleich mit dem Personenverkehr abgeleitet werden. Deutlicher wird der Staatssekretär beim Sinn und Zweck dieses Vorhabens: „Die Maßnahme zum Ausbau der Bahntrasse Hannover-Bielefeld dient überwiegend Reisezeitersparnissen.“ Und dann erfolgt die entscheidende Aussage: „Diese können allerdings nicht nur durch einen Ausbau der Bestandsstrecke generiert werden.“

„Das ist ausgesprochen problematisch“, sagt Landkreis-Sprecher Klaus Heimann in einer ersten Stellungnahme. „Gerade mit Blick auf die lange Vorgeschichte, die der Fall schon hat.“

Er sei jedenfalls gespannt, wie der Bund oder die Bahn eine Neubautrasse durch einen Landkreis ziehen wollten, der geschlossen seit Jahren dagegen einstehe. „Aber ich habe auch keine Ahnung, wo die Trasse denn verlaufen soll.“ Damit spricht Heimann das Hauptproblem an, das die Trassengegner in Schaumburg seit Jahren quält. Ständig werden neue mögliche Varianten ins Spiel gebracht. „Aber die Bahn legt sich einfach nicht fest“, so Heimann.

CDU-Bundestagsabgeordneter Maik Beermann hat sich in der Vergangenheit einem trassenfernen Ausbau etwas genähert. Er favorisiere zwar weiterhin den trassennahen Ausbau, müsse sich aber der Realität stellen, so Beermann. „Jetzt geht es darum, eine andere, für die Region gute Lösung zu finden.“ Das heiße aber nicht, dass er sich mit einer Neubaustrecke abfinde. „Es ist kein Abfinden, weil ich ja weiß, es wird ein Dialogverfahren geben“, beruhigt Beermann. Und: „Es ist nicht so, dass ich als Abgeordneter nur Mails bekomme von Menschen, die sich für einen trassennahen Ausbau einsetzen. Sondern auch von Leuten, die sich wundern, wieso man nicht auch über den trassenfernen einmal nachdenken könne.“ Infrastrukturausbau, wie etwa eine neue Bahnlinie, sei nun mal nur am Land und nicht in der Stadt möglich.




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