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Frühjahr bisher zu trocken: Forst- und Landwirte befürchten Folgen für Bäume und Felder

Banger Blick aufs Wetter

LANDKREIS. Wegen der Trockenheit blicken Forst- und Landwirtschaft mit Sorge auf die zweite Jahreshälfte. Unter anderem besteht das Borkenkäferproblem weiter, die Revierförsterei Rinteln muss befallene Fichten aus dem Wald herausholen, damit der Borkenkäfer sich nicht ausbreitet. Für das Fürstliche Forstamt in Bückeburg wäre ein sehr trockener Sommer mit Blick auf die neue Bepflanzung ein Albtraum. Zudem besteht im Landkreis Waldbrandgefahr.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 19:10 Uhr

Die Bäume in der Stadthäger Innenstadt müssen nach den geringen Niederschlägen bereits im April gegossen werden. Foto: rg

Autor:

Jan-Christoph Prüfer und Jennifer Minke-Beil
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LANDKREIS. Als hätte es den Winter gar nicht gegeben, ist das Thema zurück: Trockenheit. In Teilen Ostdeutschlands gilt bereits jetzt höchste Alarmstufe für Waldbrände. Auch in Schaumburg blicken Forst- und Landwirtschaft mit Sorge auf die zweite Jahreshälfte.

Problem in diesem Jahr ist der Ausgangspunkt. Das regenarme Frühjahr dockt übergangslos an ein staubtrockenes 2018 an. Die Böden haben nicht ausreichend Feuchtigkeit gespeichert, keine Vorräte angelegt für den womöglich wieder sehr heißen Sommer 2019. In Schaumburgs Wäldern bedeutet das unter anderem massiven Borkenkäferbefall. Die Insekten machen sich über von Stürmen angeknackste Bäume her, denen wiederum aufgrund der ausgelaugten Erde die Kraft fehlt, sich zu wehren.

„Wir laufen da nur noch hinterher“, sagt Holger Puls von der Revierförsterei Rinteln. Seit Ostern mache man im Süden des Landkreises, unter anderem im Bereich der Paschenburg, genau da weiter, wo man im vergangenen Jahr aufgehört hat: befallene Fichten rausholen aus dem Wald, damit der Borkenkäfer sich nicht ausbreitet.

Daran schließt allerdings gleich das nächste Problem an. Was nachgepflanzt wird, steht mit teils frei liegenden, verwundbaren Wurzeln da. Diese erreichen nur in die oberste Schicht der Erde – die als erstes austrocknet. Bäume werden also gepflanzt und sind im schlimmsten Fall gleich wieder kaputt: auch ein Kostenfaktor.

Die Sorgen teilt Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel. Aus diesem Grund hat er sich in dieser Woche mit seinem Team dazu entschlossen, die Frühjahrsaufforstung zu stoppen. „Die Oberböden sind schon wieder sehr trocken“, so Seidel. „Ohne Regen verdörren die neuen Bäume schnell.“ Deshalb sei es auch aus finanzieller Sicht ein Risiko, einfach weiter zu pflanzen.

Für das Fürstliche Forstamt in Bückeburg wäre ein sehr trockener Sommer mit Blick auf die neue Bepflanzung ein Albtraum. Hofkammerdirektor Christian Weber berichtet, dass auf 80 Hektar etwa 300 000 neue Pflanzen gesetzt wurden. Rund 450 000 Euro mussten dafür investiert werden. Es handele sich vor allem um Laubbäume, berichtet Weber. Man müsse stets bedenken, welcher Baum für die Zukunft geeignet sei. Er setze darauf, sie „mosaikartig“ zu verteilen, also eine Eiche hier, eine Buche da und dann so weiter.

Was Freibad-Fans schaudern lässt, davon träumt derzeit die lokale Forstwirtschaft. „Ein richtig nasser, kalter Mai“, sagt Rintelns Revierförster Puls. „Das würde uns einen Vorsprung geben.“

Ein bisschen entspannter sieht man es noch im Obernkirchener Stiftswald. Der ist Wassergewinnungswald mit entsprechendem Grundwasserstand. Immun sind die Gehölze deshalb aber nicht. In Folge von Sturm- und Käferschäden mussten im vergangenen Jahr 200 Bäume gefällt werden. Auch aktuell ist der zuständige Förster Mark Grützkow vor allem mit dem Beheben von Borkenkäferschäden beschäftigt. Wiederholen sich Temperaturen und Regenarmut des Vorjahres, wird es wohl auch dabei bleiben. „Wir beobachten den Witterungsverlauf sehr genau“, sagt Grützkow.

Der Borkenkäfer bereitet auch Kreisförster Seidel Kopfzerbrechen. 2018 sei keine einzige gesunde Fichte im Schaumburger Wald gefällt worden. Entweder waren die Bäume durch Trockenheit sowie Sturm oder eben den Borkenkäfer geschädigt gewesen. Das Fällen sei ein wichtiger Schutz für die gesunden Bäume, erläutert Seidel.

Infektionskette muss
unterbrochen werden

Schließlich müsse die Infektionskette unterbrochen werden. Als weiteres Mittel, um die Borkenkäfer zu reduzieren, werden derzeit Fallen aufgestellt. Hier müsse sich noch zeigen, wie wirksam diese sind.

An die Auswirkungen eines ähnlichen Dürresommers wie 2018 – der Wetterdienst hält das für möglich – möchte Seidel noch nicht denken – denn das hätte Konsequenzen für das gesamte Ökosystem. Seidel: „Es würde den Wald und seine Wasserreserven tief im Boden wirklich treffen.“ Vor allem aber könnten die neu angebauten Kulturen eine solche Trockenheit kaum verkraften. Für die Zukunft setzen die Forstwirtschaften auf besagtes Mosaik, ein Vorsorgeprinzip: Die Wälder müssen in Form von Mischwäldern kontinuierlich flexibel gestaltet werden.

Die Trockenheit bringt noch eine andere Gefahr mit: Waldbrand. Anders als in der Lüneburger Heide oder Gebieten im Osten sei die Alarmbereitschaft in Schaumburg noch nicht auf der höchsten Stufe. Grundsätzlich hält Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote die Schaumburger Feuerwehren für gut ausgerüstet, um Waldbrände zu bekämpfen. Die großen Löschfahrzeuge seien auf jeden Fall für das Gelände geeignet. Auch die Schulungen der Feuerwehrleute beinhalteten das Löschen von Wald- und auf Feldbränden.

Grote hält die alltägliche Prävention für entscheidend. Er appelliert an Bürger, kein offenes Feuer im und am Wald zu entfachen und in Waldnähe nicht zu rauchen. Auch Hofkammer-Chef Weber hat beobachtet, dass viele Waldbesucher gedankenlos Zigaretten wegwerfen.

Grote macht noch darauf aufmerksam, dass Autofahrer ihren Wagen nicht auf Wiesen abstellen sollten. „Die heißen Katalysatoren können das trockene Gras in Brand setzen“, warnt er.

Information

Aus bäuerlicher Sicht ist derzeit noch alles im Rahmen, sagt Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann. Aber: Die Niederschlagsmenge der nächsten vier Wochen entscheidet darüber, ob Landwirte wie im vergangenen Jahr mit teils deutlich geringeren Erträgen rechnen müssen. „80 Liter Regen sollten es schon sein“, sagt Wilharm-Lohmann. Das entspricht etwa einem Regentag pro Woche. Aktuell zumindest sei das Wachstum, wie er es bei Getreide und Gras sehe, völlig in Ordnung. Im Sommer 2018 hätten sich zum Beispiel beim Mais schon früh Verzögerungen gezeigt. Im Juni wisse man mehr.




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