weather-image
17°

SPD-Abgeordneter sieht unter Wölfen „einige Problemtiere“ / Angriffe in Nachbarlandkreisen

Becker: Akzeptanz nicht verspielen

LANDKREIS. Die Kreisverwaltung steht mit der Jägerschaft intensiv im Austausch darüber, was das Auftauchen des Wolfes in Nachbarregionen für das heimische Wild und insbesondere für das hiesige Muffelwild-Vorkommen bedeutet. Zwar sind Wölfe bislang in Schaumburg noch nicht aufgetaucht, nach Angaben von Landrat Jörg Farr sind aber bereits „markante Risse“ im benachbarten Landkreis Nienburg und in der Region Hannover festgestellt worden.

veröffentlicht am 23.04.2019 um 18:57 Uhr

Protestschild in Verden: Jägerschaft und Kreisverwaltung beraten, was Wolfsrisse in der Nähe für Schaumburg bedeuten. Foto: dpa
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Farr äußerte sich auch der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker auf der Jahresversammlung der Kreisjägerschaft zu dem Thema. Die Wölfe in Niedersachsen würden mehr, führte Becker aus. Allein im vergangenen Jahr seien 98 Angriffe von Wölfen auf Weidetiere gezählt worden, wobei insgesamt 240 Nutztiere getötet worden seien. Nicht alle Wolfsrudel sind laut Becker in dieser Weise auffällig. Es gebe aber „einige Problemtiere“, die man gezielt „entnehmen“ müsse, bevor diese Wölfe das Erbeuten von Nutztieren an ihren Wolfsnachwuchs weitergeben können.

Becker betonte, es sei wichtig, diesbezüglich „präventiv handlungsfähig“ zu werden, „um die Akzeptanz nicht zu verspielen“, die es innerhalb der Gesellschaft für den Wolf gebe.

Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers wies auf die bestehenden Fördermöglichkeiten hinsichtlich der Anschaffung von wolfssicheren Zäunen und der Anschaffung von Herdenschutzhunden hin.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr kreisweit 468 Wildunfälle aufgenommen, berichtete Andreas Tschirner, der Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg. Häufig würden sich derartige Kollisionen in den Monaten April/Mai und Oktober/November ereignen. Um das Risiko von Wildunfällen zu senken, empfahl er, die Geschwindigkeit in Waldgebieten auf maximal 80 Stundenkilometer zu begrenzen. Farr hatte zuvor sogar von insgesamt mehr als 800 Wildunfällen gesprochen, die sich nach seinen Informationen 2018 auf Schaumburger Straßen ereignet haben. Dass sich die Jägerschaft regelmäßig um die Beseitigung der jeweiligen Tierkadaver kümmert, bezeichnete der Landrat als eine „große Leistung“.

Jürgen Ziegler, Vizepräsident der Landesjägerschaft Schaumburg, richtete den Blick auf das Schwarzwild und die damit verbundene Sorge vor der – bislang noch nicht nach Deutschland eingeschleppten – Afrikanischen Schweinepest. Bei allen Wildschweinen, die irgendwo verendet aufgefunden werden (einschließlich im Straßenverkehr getöteter Exemplare), sollten die Jäger nach Überzeugung von Ziegler Blutproben entnehmen und diese an das jeweilige Veterinäramt einsenden. Denn: „Es geht darum, flächendeckend nachzuweisen, dass die Afrikanische Schweinepest nicht da ist.“ Ziel sei es aber auch, möglichst früh einen Nachweis zu finden, wenn diese Tierseuche hierzulande ankommen sollte.

Die Afrikanische Schweinepest komme nicht auf vier Beinen, sondern auf Autoreifen, erklärte Clemens Hons, Justiziar der Landesjägerschaft Niedersachsen, in Anspielung auf den Lkw-Transitverkehr aus osteuropäischen Ländern. Insofern würde sich diese Tierseuche nicht nur mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Tag ausbreiten, sondern mit 80 Stundenkilometern.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare