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Mit heimischen Kräutern auf „sanfte Weise“ heilen: Annette Hinze weiß, worauf es ankommt

Bei Kopfschmerzen kann „Mädesüß“ helfen

Todenmann (pk). Wenn Annette Hinze spazieren geht, dann bleibt kein Pflänzlein unbeachtet. Es könnte ja von Nutzen sein. Zum Beispiel um Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden zu lindern. Oder um einen gleichermaßen schmackhaften wie wohltuenden Tee zuzubereiten. Annette Hinze hat sich nebenberuflich der Pflanzen-, vor allem der Kräuterkunde verschrieben.

veröffentlicht am 07.03.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 23:41 Uhr

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Ihr Interesse für Heilpflanzen wurde zufällig geweckt. Als ihre Hündin immer älter wurde und beim Gassigehen zunehmend nur noch über die Wiesen schlich, wurde Hinzes Aufmerksamkeit durch das gedrosselte Tempo immer mehr auf die Pflanzenwelt gelenkt. Sie sah sich die Pflanzen genauer an und bestimmte sie anschließend zu Hause im botanischen Nachschlagewerk.

Tatsächlich ist ihr Interesse für Pflanzen schon deutlich früher geweckt worden. „Mein Vater war Naturkundelehrer“, erzählt sie. Mit ihm legte sie bereits als Kind Herbarien, also Sammlungen getrockneter Pflanzen an.

Als ihre Hündin schließlich starb, behielt sie die Angewohnheit bei, entwickelte sie zu einem Hobby und legte Karteikarten mit Beschreibungen und Wirkungen der Pflanzen an. „Jeden Tag frage ich mich selbst eine Stunde lang mit den Karteikarten ab“, sagt sie. „Denn wenn ich etwas mache, dann richtig intensiv.“

Irgendwann kam Hinze, die hauptberuflich als Lehrerin für medizinische Fächer an einer Berufsfachschule in Hannover arbeitet, auf die Idee, die wachsenden Kräuterkenntnisse in ihre nebenberufliche Tätigkeit als Heilpraktikerin einzubinden. Während sich andere Heilpraktiker häufig an chinesischer Medizin orientierten, zieht sie Heilverfahren vor, die auf heimischen Kräutern basieren. „Ich finde es angemessen, erst mal auf das zurückzugreifen, was direkt vor der Haustür wächst“, erläutert die Todenmannerin. „Außerdem finde ich es spannend, wie man mit heimischen Pflanzen auf sanfte Weise heilen kann.“

In Hannover, wo sie bis vor einem Jahr noch wohnte, begann sie zudem, Kräuterführungen anzubieten. Dabei lernen die Teilnehmer, wie man die Kräuter am Wegesrand, im Wald oder auf der Wiese erkennt und von giftigem Gewächs unterscheidet, wie sie wirken, wie man sie sammelt, ohne den Pflanzenbestand zu gefährden, und wie man sie verwerten kann: etwa als Heilkraut, Körperpflegemittel, Gewürz oder Speise.

Die Teilnehmer sind meistens Frauen mittleren Alters und älter, sagt Hinze. „Die Frauen sind sehr interessiert“, Viele von ihnen seien auf der Suche nach Alternativen zu chemischen Medikamenten und misstrauisch gegenüber häufiger Anwendung von Antibiotika. „Dabei gibt es auch heimische Pflanzen, die antibiotisch wirken“, sagt Hinze.

Bei Kopfschmerzen etwa helfe Mädesüß, „das Aspirin der Natur“, wie Hinze meint. Bei Mädesüß handele es sich um eine „Vorstufe von Aspirin“, die den Entwicklern des Aspirins als Vorbild gedient habe. Zu sich genommen werden kann Mädesüß in Form von Tee. „Es wirkt, ich habe es selbst probiert“, versichert Hinze. „Und dabei schlägt es nicht auf den Magen, anders als bei Aspirin.“

Goldrute sei dagegen das „klassische Kraut gegen Blasenentzündung, aber auch gegen Rheuma“. Außerdem wirke es „harntreibend, durchspülend, entzündungshemmend und antiseptisch“, schildert die Heilpraktikerin. Beifuß dagegen wirke verdauungsfördernd, den Körper kräftigend – „Beifuß bringt die Körpersäfte zum Fließen“, so Hinze.

Man müsse aber auch um die Nebenwirkungen der unterschiedlichen Gewächse wissen, und manche Pflanzen seien schlichtweg giftig. „Der Fingerhut zum Beispiel“, so Hinze. Wieder andere können berauschend wirken, aber da habe Hinze keine persönliche Erfahrung mit gemacht. „Ich bin doch keine Schamanin!“, sagt sie lachend. In Todenmann sei ihr bislang vor allem aufgefallen, dass die Pflanzen „sehr feuchten, nährstoffreichen Boden“ brauchten und „dass es auf den Wiesen sehr viele Heilpflanzen gibt“.

Ab dem 2. April bietet sie auch in Rinteln Kräuterführungen an: jeden ersten Montag des Monats, 17.30 bis 19.30 Uhr, sowie jeden ersten Samstag des Monats, 11 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Gasthaus „Zur Linde“. Die Teilnahme kostet 8 Euro.

Informationen: Annette Hinze, Telefon (0 57 51) 78 70.




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