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Milder Winter, reichlich Futter

Bislang größtes Gelege: Neun junge Schleiereulen in ÖSSM

WINZLAR. Neun junge Schleiereulen lassen sich in einem Nistkasten in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) in Winzlar von ihren Eltern mit Mäusen füttern. Ein derart großes Gelege hat es dort laut ÖSSM-Angaben noch nie gegeben. So kann man die jungen Eulen am besten bestaunen:

veröffentlicht am 11.06.2019 um 00:00 Uhr

Jeder der Mitarbeiter der ÖSSM darf einmal erfahren, wie sich ein Schleiereulen-Küken anfühlt. Foto: ade
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WINZLAR. Neun junge Schleiereulen lassen sich in einem Nistkasten in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) in Winzlar von ihren Eltern mit Mäusen füttern. Ein derart großes Gelege habe es dort noch nie gegeben, sagt der wissenschaftliche Leiter der Schutzstation, Thomas Brandt.

Unterm First der Scheune steht der Kasten, der Aufstieg über die Leiter ist eine wackelige Angelegenheit. Brandt wagt es trotzdem, schließlich sollen die jungen Eulen beringt werden. „Das stinkt gewaltig!“, ruft er der kleinen, am Fuß der Leiter versammelten Menge zu.

Die Gelegenheit, die Küken von Nahem zu sehen, in die Hand nehmen zu dürfen, das weiche Gefieder zu fühlen und zu spüren, wie leicht die Vögel sind, will sich keiner der Mitarbeiter entgehen lassen.

Thomas Brandt hält das älteste Schleiereulen-Küken in der Hand – neun sind es insgesamt. Foto: ade

Eine gewisse Beziehung zu den Schleiereulen haben sie zwar schon über die Webcam aufgebaut, die das Nest Tag und Nacht beobachtet. Der persönliche Kontakt ist aber etwas ganz anderes.

Brandt kennt sich aus mit Schleiereulen. 1992, erzählt der Biologe, habe er seine Diplom-Arbeit über deren Einzugsgebiete geschrieben. Damals sei er mit Kommilitonen von Hof zu Hof gezogen und habe gefragt, ob sie Nistkästen installieren dürften. Oft bekamen sie die Erlaubnis. So konnte Brandt seine Diplom-Arbeit anhand der Eulen, die sich dort einnisteten und mithilfe der Sender, mit denen sie sie ausstatteten, fertigstellen. Bis zu dreieinhalb Kilometer Radius war das Ergebnis – so weit fliegen Schleiereulen, um Futter für ihre Jungen heranzuschaffen.

Die Eltern der neun kleinen Schleiereulen haben viel zu tun. So viele Küken habe er noch nie in einem Nest gesehen, sagt Brandt. Mäuse gebe es in diesem Jahr reichlich. Der milde Winter und die gute Eichel-Ernte würden dazu beitragen. Das wirkt sich auch auf den Nachwuchs aus.

Das jüngste der Eulen-Geschwister passt mit seinem weichen Flaum noch in eine Hand, während die ältesten bereits ausgewachsen sind und nur noch ein flugfähiges Federkleid bekommen müssen.

Das jüngste der Geschwister hat noch nicht das typisch herzförmige Gesicht, das diese Eulen-Art ausmacht, erinnert vielmehr an einen jungen Geier und kommt in seiner Schönheit dem sprichwörtlichen hässlichen Entlein nahe. Wohlgenährt ist es aber – wegen der vielen Mäuse. Sonst, sagt Brandt, hätte es wohl kaum eine Überlebenschance gehabt.

Ein weiteres Kriterium dafür, dass Eulen genügend Nahrung finden, sei auch ausreichend Grünland in der Umgebung. Jede Biogas-Anlage bedeute ein Schleiereulen-Paar weniger, so der Biologe. Maisfelder seien kein idealer Lebensraum für Mäuse.

Momentan stehen Schleiereulen nicht auf der Liste der bedrohten Arten. Das werde sich aber vermutlich bald ändern, meint Brandt. Umso wichtiger sei es, den Eulen Nistplätze anzubieten. Im Internet gebe es Tipps für den Bau von Eulen-Kästen – und auch die Mitarbeiter der ÖSSM helfen gerne weiter. Wer jedoch Interesse daran hat, die jungen Schleiereulen zu sehen, findet die Aufnahmen der Webcam unter der Internetadresse www.natur-steinhuder-meer.de. Auf Nester von Turmfalken und Fischadlern sind dort ebenfalls Kameras gerichtet.

Näher an die Schleiereulen, wenn auch nicht mit direktem Blick auf sie, kommen Besucher der Ausstellung der ÖSSM dienstags bis freitags, 10 bis 16 Uhr, sowie an Wochenenden von 10 bis 17 Uhr. ade




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