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Rechtsmediziner ist sicher: Kevin R. hat Fadi S. mit Hammer erschlagen / Experte stellt Spritzer-Gutachten vor

Blutige Beweise

STADTHAGEN/HILLE/BIELEFELD. Im Prozess um die Dreifachmorde in Hille wird es langsam eng für den Zeitsoldaten Kevin R., der bislang immer beteuert hat, an den drei Morden von Hille nur passiv beteiligt gewesen zu sein. So behauptete er vor einer Gutachterin, lediglich beim Beseitigen der Leichen geholfen zu haben. Die Taten habe sein Ziehvater Jörg W. begangen, er selbst habe aus Angst vor dem 51-Jährigen geschwiegen.

veröffentlicht am 22.02.2019 um 11:22 Uhr

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Eine aktuelle Untersuchung von Dr. Bernd Karger sagt etwas anderes – zumindest in Bezug auf den Mord am Stadthäger Familienvater Fadi S. Der Rechtsmediziner hatte die Blutspuren untersucht, die die Ermittler auf der gelben Jacke von Kevin R. entdeckt hatten. Er ist sich sicher: Der 24-Jährige schlug auch aktiv mit einem Hammer auf das wehrlose Opfer ein.

Als der Oberarzt sein Gutachten im Bielefelder Landgericht vorstellt, ist es totenstill im Saal. Die Zuhörer scheinen den Atem anzuhalten. Viele interessierte Beobachter hatten bislang geglaubt, dass allein Jörg W. für den Tod von Fadi S. verantwortlich sei – in einer seiner ersten Vernehmungen hatte der 51-Jährige diesen Mord bereits gestanden, später seine Aussage aber widerrufen.

Auch der Zeitsoldat Kevin R. hatte die Hauptschuld bisher auf seinen Ziehvater geschoben: Wie das Blut des Stadthäger Opfers auf seine Jacke kam, sei für ihn schwer erklärbar – wahrscheinlich, weil er nur wenige Zentimeter entfernt stand, als Jörg W. von hinten auf den Kopf des Libanesen einschlug. Das sagte Kevin R. kürzlich noch gegenüber der Gutachterin Nahlah Saimeh bei einem Gespräch in der JVA Detmold (wir berichteten). Er selbst habe bei allen drei Tötungen nur das gemacht, was Jörg W. ihm befohlen habe – zum Beispiel das Auto von Fadi S. rückwärts in die Scheune im Hiller Ortsteil Neuenbaum zu fahren.

Karger entlarvte diese Aussagen gestern als falsch. Ob Kevin R. mehrfach auf das Opfer einschlug und ob einer dieser Schläge tödlich war, sei aber nicht zweifelsfrei geklärt. Der Rechtsmediziner erläuterte im Gerichtssaal, wie sich die Blutspritzer nach dem Schlag auf der Jacke des 24-Jährigen verteilten. Dabei erklärte der Experte den Unterschied zwischen Spritzspuren und Tropfspuren und zeigte anhand von Fotos, wie sich die Blutstriche nach dem Schlag wie bei einem Fächer in der Umgebung verteilen. „Würde man Linien ziehen von diesen Spuren, würden sich diese knapp vor dem Handgelenk treffen. Also da, wo das Tatwerkzeug in der Hand lag“, sagte Karger. Das dichte Muster von Blutspritzern – insbesondere am rechten Ärmel – spreche dafür, dass der Träger der Jacke beim Schlag sehr nah am Kopf des Opfers stand.

Richter und Anwälte nahmen den blutigen Hammer, den die Polizei sichergestellt hatte, in Augenschein. Ein zweiter Hammer, der keine offensichtlichen Blutspuren aufweist, an dem aber ebenfalls DNA von Fadi S. gefunden wurde, könnte laut Karger für den ersten Schlag verwendet worden sein, bei dem noch kein Blut floss.

Auf der Camouflage-Hose des zweiten Angeklagten, Jörg W., hatten die Ermittler ebenfalls Blutspuren des Stadthäger Familienvaters gefunden. Auch diese analysierte der Rechtsmediziner genauer. Das Blut befand sich hier – allerdings nur vereinzelt – an der Vorderseite im Bereich der Unterschenkel. „Das belegt, dass der Träger der Hose sich bei der Tatausführung in der Nähe aufhielt, aber nicht unmittelbar beim getroffenen Kopf“, sagte der Rechtsmediziner.

Der nächste Prozesstag ist für Montag, 25. Februar, angesetzt. Dann soll das psychologische Gutachten von Dr. Sabina Nowara zu Jörg W. in das Verfahren eingeführt werden. Mit einem Urteil ist nicht vor Mitte April zu rechnen. mt




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