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Christine Esse leidet noch heute an den Verletzungen / Polizei sucht nach zwei Jugendlichen

Böller im Stall: 17 Tage auf Intensivstation

MEERBECK. Gut drei Wochen sind vergangen, seit Christine Esse (49) vom eigenen Pferd attackiert wurde. Völlig wiederhergestellt ist sie immer noch nicht. Schuld an dem Zwischenfall ist allerdings keineswegs das Pferd. Statt dessen sucht die Polizei zwei Jugendliche, die den dramatischen Vorfall am Neujahrstag verursacht haben sollen. Ermittelt wird wegen gefährlicher Körperverletzung.

veröffentlicht am 23.01.2019 um 17:45 Uhr

Für Christine Esse und für den Reiterhof hätte die Attacke von Neujahrstag noch viel schlimmer ausgehen können. Foto: RG

Autor:

Arne Boecker und Verena Gehring
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MEERBECK. Den Beginn des Jahres 2019 wird sich die 49-Jährige völlig anders vorgestellt haben. Am frühen Abend war sie zu dem Meerbecker Reiterhof gegangen, auf dem zwei ihrer Pferde stehen. Um 20 Uhr hatte sie gerade Sonjador, ihr Lieblings-Pferd, in die Box geführt, als sie aus den Augenwinkeln zwei Jugendliche bemerkte, die nahe der Box die Stalltür aufstießen. Dann knallte es, Sonjador scheute und trat – um Esse wurde es dunkel.

Als sie das Bewusstsein wieder erlangte, lag sie im Klinikum Minden, der zweite Tag des Jahres 2019 war angebrochen. Die Ärzte diagnostizierten Platzwunden und Hämatome am Kopf und am gesamten Körper, dazu kamen Prellungen und Hautabschürfungen. Weil die Meerbeckerin auf viele Medikamente allergisch reagiert, legten die Ärzte sie auf die Intensivstation.

Nach und nach wurde klar, was passiert war: Die Jugendlichen hatten mehrere China-Kracher in die Stallgasse geworfen, direkt vor die enge Pferdebox (wir berichteten). Daraufhin war die eigentlich recht brave Sonjador wild geworden. „Aus den Verletzungen lässt sich rekonstruieren, dass das Pferd regelrecht auf mir rumgetrampelt sein muss“, sagt Esse.

Gefunden hat sie schließlich ihr Mann, der sich wunderte, warum seine Frau ungewöhnlich lange im Reitstall blieb. Eine halbe Stunde nach der vereinbarten Abendessen-Zeit ging er über die Straße zum Reitstall – und fand seine bewusstlose Frau.

Insgesamt musste die Reiterin 17 Tage im Klinikum bleiben, durchgängig auf verschiedenen Abteilungen der Intensivstation. Bis heute kann sie nur schlecht – und nur mit Hilfe einer Schiene – laufen, weil bei dem Vorfall in der Pferdebox ein Bein massiv gequetscht wurde. „Derzeit kann man noch nicht sagen, ob das Bein wieder komplett funktionsfähig sein wird“, sagt Esse.

Sonjador, die sechsjährige Hannoveraner-Stute, hat den Vorfall dagegen gut verarbeitet. „Erst war sie ziemlich durch den Wind, aber inzwischen geht es wieder“, sagt Esse.

Die passionierte Reiterin will sich besser nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn die China-Kracher ein Feuer entfacht hätten. Insgesamt stehen auf dem Reiterhof 30 Pferde. Auch ihr selbst hätte noch deutlich Schlimmeres zustoßen können.

Trotz mehrerer Zeugenaufrufe in der Zeitung ist die Polizei bei ihren Ermittlungen noch keinen Schritt weiter. Offenbar hat niemand die Jugendlichen gesehen, die die Böller geworfen haben sollen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Zwar haben sie die Verletzungen der Pferdeliebhaberin nicht selber zugefügt. Aber sie haben die sogenannte Kausalkette initiiert, die zu den schweren Verletzungen von Esse geführt hat.

Hinweise zu dem Vorfall am Neujahrstag in der Straße Am Gallhof nimmt die Polizei unter (0 57 21) 4 00 40 entgegen.




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