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Dielenhaus in der Mindener Greisenbruchstraße hatte zweimal gebrannt

Brandruine sollte gerettet werden und stürzte am Ende doch ein

MINDEN. Zwei Brände hatten vor mehr als zehn Jahren dem Dielenhaus an der Greisenbruchstraße 22 derart zugesetzt, dass es nicht mehr bewohnbar war. Danach gammelte die Ruine unter einem Dach aus Plastikfolie vor sich hin, während Münsteraner Denkmalschützer das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert als erhaltenswert betrachteten. Mitte Juli kam aber der Bagger und räumte die Reste zur Seite. Wo das Gebäude stand, soll zunächst eine freie Fläche bleiben.

veröffentlicht am 04.08.2020 um 10:44 Uhr

Es geschah am 15. Oktober 2004. An diesem Freitag brach gegen die Mittagszeit ein Feuer im Dachstuhl des Gebäudes aus und dichte Rauchschwaden zogen durch die Greisenbruchstraße. Als die Feuerwehr mit neun Fahrzeugen ausrückte, schlugen die Flammen bereits aus dem Gebäude. Zwei Männer und eine Frau befanden sich im Erdgeschoss und konnten sich rechtzeitig ins Freie retten. Die Feuerwehrleute gingen mit zwei Drehleitern gegen die Flammen an und nahmen einen Innenangriff unter schwerem Atemschutz vor. Vorsorglich wurden die Nachbarhäuser geräumt. Doch bereits zwei Stunden später war das Feuer unter Kontrolle und die Evakuierten konnten zurückkehren. Die Bewohner des Brandhauses mussten sich dagegen eine andere Bleibe suchen. Die Ursache des Brandes – ein Rätsel.

 

Offenbar schien es Unbekannten nicht genug in dem Gebäude Greisenbruchstraße 22 gebrannt zu haben. In der Nacht zum Samstag, dem 29. Juli 2006, hörten Nachbarn, wie dessen Scheiben klirrten und ein Fahrzeug mit quietschenden Reifen davon fuhr. Dann entwickelte sich im Erdgeschoss neben der Eingangstür des unbewohnten Hauses ein Brand. Die Feuerwehr rückte aus und verhinderte, dass die Flammen auf die Nachbarschaft übergreifen konnten. Dabei nahm sie einen Innenangriff vor. Durch die fortgeschrittene Brandausbreitung hatten sich auch in den Zwischendecken der oberen Geschosse Brandnester gebildet. Die Ermittlungen der Polizei gegen die Brandstifter gingen ins Leere.

Der damalige Eigentümer des Gebäudes erklärte später dem Mindener Tageblatt, dass er es abreißen wollte. Doch aus dem Plan wurde nichts, weil Denkmalschützer Teile der restlichen Bausubstanz erhalten wollten. Das Kerngerüst war nämlich noch stabil, so dass ein Wiederaufbau möglich war. Zudem war das Haus wegen seines auf das Jahr 1610 datierten Alters besonders schützenswert. Die Stadt verlangte von dem Eigentümer, dass er es mit geeigneten Mitteln vor dem Verfall bewahrt. Für den Fall eines Wiederaufbaus wurden ihm Fördergelder in Aussicht gestellt.

Danach fiel die Brandruine in einen jahrelangen Dornröschenschlaf. Mitunter beschwerten sich Nachbarn über Ratten aus dem verfallenden Haus und der Verschandelung des Wohnumfeldes durch sein Äußeres. Der Eigentümer hatte wiederum die Gebäudereste mit einer Plastikfolie abgedeckt und auf die zugenagelten Fenster seine Verkaufsabsicht gepinselt: „Dieses Haus ist zu verkaufen oder zu tauschen gegen Gold oder Schmuck“, war jahrelang auf dem Holz zu lesen.

2017 hatte dann der ersehnte Eigentümerwechsel stattgefunden. Wie die Erwerberin dem MT mitteilt, waren damals auch Vertreter der Oberen Denkmalbehörde aus Münster gekommen und hätten das Haus untersucht. Dabei entschieden sie, dass es weiterhin stehen bleiben soll und sie jedes Jahr ein statisches Gutachten anfertigen muss. Später hatten es sich die Denkmalschützer anders überlegt und einen Abriss befürwortet. Und im Dezember vergangenen Jahres kam dann von der Stadt Minden die Aufforderung, das Haus aus Gründen der Verkehrssicherung schnellstmöglich abzureißen. „Da musste ich erst einmal eine geeignete Baufirma finden, die für solche Arbeiten infrage kommt“, sagt die Eigentümerin. Als sie dann im März für das Denkmalamt die Fassade des Hauses zu Dokumentationszwecken freilegen ließ, brach dieser Gebäudeteil ein und stürzte auf die Straße.

Mitte Juli war es dann um Rest der Ruine geschehen. Die Baufirma brach die noch stehenden Wände ab. Wie die freie Fläche in Zukunft genutzt werden soll, ist offen.

Von Stefan Koch 

 




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