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Für umstrittenen Lern- und Dokumentationsort

Bückeberg-Kompromiss steht: „Weder Sieger noch Verlierer“

EMMERTHAL/HAMELN. Zwei Seiten listen eng beschrieben die Änderungen auf, die den Kompromiss zu den Bückeberg-Plänen dokumentieren. Für den umstrittenen Lern- und Dokumentationsort am Gelände der früheren NS-Propagandaveranstaltung „Reichserntedankfeste“ wollen die Verhandlungsteilnehmer nun werben.

veröffentlicht am 05.12.2018 um 08:00 Uhr

Mit verschiedenen Änderungen sollen die Pläne für den Dokumentations- und Lernort am Bückeberg umgesetzt werden. Foto: dpa
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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EMMERTHAL/HAMELN. Zwei Seiten listen eng beschrieben die Änderungen auf, die den Kompromiss zu den Bückeberg-Plänen dokumentieren. Kurz zuvor unterzeichnet, stellten die Beteiligten aus Landkreis und Gemeinde Emmerthal am Freitag die Details vor, die nun nicht nur eine politische Mehrheit finden, sondern nach ihrem Wunsch auch in der Bevölkerung möglichst eine breite Basis für das Projekt schaffen sollen.

Für den umstrittenen Lern- und Dokumentationsort am Gelände der früheren NS-Propagandaveranstaltung „Reichserntedankfeste“ wollen die Verhandlungsteilnehmer werben – unter ihnen die bisherigen Kritiker Ernst Nitschke (FWE) und Rudolf Welzhofer (CDU), Ratspolitiker aus Emmerthal. „Hier ist keiner als Sieger oder Verlierer vom Tisch gegangen“, sagte Welzhofer, der viele Vorteile für die Einwohner sieht. Landrat Tjark Bartels (SPD) hob dessen und Nitschkes Bemühungen hervor, in einer „guten Gesprächsatmosphäre“ zu einer tragfähigen Lösung zu gelangen.

Dabei geht es besonders darum, die Anwohner nahe dem Bückeberg weniger zu belasten. Deshalb soll das Areal von oben her erschlossen werden. Autos und Busse von Besuchern sollen von Latferde aus zu dem Gelände gelangen statt über die steile Bückebergstraße mit Kopfsteinpflaster und angrenzender Wohngebäude. Projekte wie „Grünes Klassenzimmer“, „Grundrechtepfad“ oder Sanitäranlagen entstehen oben im Bereich der ehemaligen „Ehrentribünen“, nachdem sie zunächst am Fuß des Dokumentations- und Lernortes vorgesehen waren. Weiteres – und bedeutendes – Zugeständnis an die Emmerthaler, wodurch die Kosten um schätzungsweise 400 000 auf rund zwei Millionen Euro steigen: Das Museum in Börry wird in das Gesamtkonzept einbezogen. Ein Gebäudeteil des Ensembles, etwa das Pastorenhaus, soll umgebaut und saniert werden, um einem weiteren Teil der Ausstellung zu den Hintergründen der „Reichserntedankfeste“ Platz zu bieten. Zu der Vereinbarung gehört auch, dass an der Einwohnerbefragung, die allerdings keine bindende Wirkung hat, festgehalten wird.

Rudolf Welzhofer (CDU) (v. l.), Landrat Tjark Bartels (SPD) und Ernst Nitschke (FWE) zollen sich gegenseitig Respekt für den Kompromiss. Foto: Dana
  • Rudolf Welzhofer (CDU) (v. l.), Landrat Tjark Bartels (SPD) und Ernst Nitschke (FWE) zollen sich gegenseitig Respekt für den Kompromiss. Foto: Dana

Nach Gesprächen mit Landtagsabgeordneten seien die folgenden Beratungen mit den Kreis-Fraktionschefs von SPD und CDU sowie den Emmerthaler Politikern zielführend gewesen, sagte Bartels. Zwar hätte das frühere Konzept auf Grundlage eines Kreistagsbeschlusses umgesetzt werden können, aber, so fügte er hinzu: „Die Situation von Streit und Spaltung hätte sich in den nächsten Jahren fortgesetzt.“ Umso wichtiger sei nun der Kompromiss, der noch im Dezember im Kreistag und Gemeinderat zur Abstimmung stehe. „Wir haben innerhalb von ein paar Wochen viel bewegt“, sagte der Landrat.

Hans-Ulrich Siegmund als CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag sprach von einem Vorschlag, der dazu beitrage, die in der Debatte aufgerissenen tiefen Gräben wieder zuzuschütten. Ebenso wie Siegmund hofft auch Ulrich Watermann für die Kreis-SPD und als Landtagsabgeordneter, dass die Emmerthaler sehen könnten, wie viel sich zu ihrem Vorteil geändert habe. Erleichtert über die jüngste Entwicklung zeigte sich Bürgermeister Andreas Grossmann. Bernhard Gelderblom, federführend bei den Bückeberg-Plänen, räumte zwar ein, erhebliche Zugeständnisse gemacht haben zu müssen. Doch der Kompromiss sei wichtig, sagte der Historiker, der noch einmal betonte, keine Besucherströme zu erwarten.

Dass besonders durch die Forderungen aus Emmerthal die Kosten erneut steigen, lässt sich nach Ansicht von dem CDU-Ratsherrn Welzhofer wegen der damit verbundenen Vorteile „gegenüber den Bürgern vertreten“. Er wisse, dass CDU und FWE in der Öffentlichkeit nun „unter Druck stehen“. Doch es sei klar und deshalb den Einwohnern zu verdeutlichen: Entweder gebe es den Kompromiss oder wegen der bundesweiten Bedeutung des Bückeberges die Umsetzung der früheren Pläne. Ernst Nitschke von der Wählergemeinschaft, der einst Unterschriften gegen die Pläne gesammelt hatte, sieht einen „tragfähigen Kompromiss“, der für „alle eine Win-win-Situation“ bedeute.




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