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„Nervlich bis heute nicht erholt“ / Auto ein Totalschaden

Buttersäure-Anschlag in Pohle: Jörg Sellmann kämpft noch immer mit den Folgen

POHLE. Der mutmaßliche Buttersäure-Anschlag auf zwei Autos in Pohle Ende Dezember hat weit über die Grenzen der kleinen Gemeinde hinaus für Aufsehen gesorgt. Nicht nur, weil die Attacke einen Großeinsatz der Feuerwehr nach sich zog, zu dem 90 Einsatzkräfte aus den umliegenden Orten alarmiert wurden (wir berichteten), sondern auch, weil die Betroffenen noch immer mit den Folgen zu kämpfen haben.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 17:20 Uhr

Der Wagen von Jörg Sellmann wirkt nach dem Anschlag äußerlich unverändert. Faktisch ist der gerade einmal drei Jahre alte BMW jedoch ein Totalschaden. foto: pr.

Autor:

Lennart Hecht

„Nervlich habe ich mich bis heute nicht erholt. Das Wohlgefühl, hier zu leben, hat gelitten“, berichtet Jörg Sellmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Auto des 51-Jährigen, in das die Chemikalie offenbar durch die Belüftungsanlage eingeleitet wurde, hat einen Totalschaden erlitten.

Schwerer wiegen aber die gesundheitlichen Folgen, die Sellmann infolge der Attacke auf seinen Wagen davontrug. Kurz nach dem Vorfall erlitt der Pohler einen Hörsturz und war für eine Woche arbeitsunfähig. „Natürlich gehen die Dämpfe auch in den Körper“, erklärt Sellmann. Er habe die Gefahr allerdings unterschätzt und sei auch eine Woche nach dem Anschlag noch mit seinem kontaminierten Wagen gefahren. Der Großeinsatz der Feuerwehr hatte sich ausschließlich auf das Auto seines Nachbarn beschränkt, das nach bisherigen Erkenntnissen ebenfalls mit Butansäure verunreinigt wurde. Sellmann selbst will sein Auto erst einen Tag nach dem Anschlag genutzt haben.

Erst an diesem Tag sei er auch auf den Geruch nach Erbrochenem aufmerksam geworden, der von der umgangssprachlich Buttersäure genannten Butansäure ausgeht. „Der Geruch war intensiv, ich habe das dennoch verschludert“, berichtet Sellmann. Als er seinen Wagen eine Woche darauf von dem Gestank befreien wollte, war es dafür bereits zu spät.

Die Säure war in der Zwischenzeit nämlich so tief in die Stoffe im Innenraum seines Autos eingedrungen, dass diese sich nicht mehr herauswaschen oder neutralisieren ließ. Der gerade einmal drei Jahre alte BMW taugte plötzlich nur noch als Ersatzteillager.

Mitte Januar wurde der Wagen mithilfe eines inzwischen engagierten Gutachters verkauft. Den Großteil des Schadens übernahm sowohl bei Sellmann als auch bei dessen Nachbarn die Versicherung – aber auch die Betroffenen blieben auf rund 2000 Euro Kosten als Selbstbeteiligung sitzen und müssen außerdem eine Rückstufung bei ihrer Vollkasko-Versicherung hinnehmen.

Bei Sellmann, der Ende 2017 nach Pohle zog, bleibt Unbehagen. „Wir kennen weder den Täter noch sein Motiv.“ Der 51-Jährige hofft darauf, dass Polizei und Staatsanwaltschaft den Fall noch aufklären können – und dass in seinem Leben dann endlich wieder Normalität einkehrt.




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