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Mädchen nach Biss therapiert

Dank Hundetherapie wieder Mut gefasst

STADTHAGEN. Zwei Jahre ist es her, dass eine damals Siebenjährige von ihrem Nachbarshund in den Kopf gebissen und dabei schwer verletzt wurde. Das Trauma des Mädchens konnte nun ausgerechnet dank einer Hundetherapie bekämpft werden.

veröffentlicht am 14.04.2019 um 17:35 Uhr
aktualisiert am 14.04.2019 um 20:20 Uhr

Die Tochter von Verena Brusdras und der Therapiehund von Ana Hesse haben Vertrauen zueinander gefasst. Foto: Fotografie Deisterklick

Autor:

Isabell Remmers
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STADTHAGEN. Zwei Jahre ist es her, dass eine damals Siebenjährige von ihrem Nachbarshund in den Kopf gebissen und dabei schwer verletzt wurde (wir berichteten). Das Trauma des Mädchens konnte nun ausgerechnet dank einer Hundetherapie bekämpft werden.

„Nach dem Angriff war ein normales Leben kaum noch möglich“, erinnert sich Verena Brusdras, Mutter des angegriffenen Mädchens, zurück. Wie einen Spießrutenlauf beschreibt sie beispielsweise den Gang durch die Stadt in der Zeit nach dem Angriff. Vor jedem Hund sei die Familie zurückgeschreckt. Ein normaler Umgang mit dem beliebten Haustier war damals undenkbar.

Ein Glücksgriff sei daher der Kontakt zu Ana Hesse von der individuellen Hundeschule „Kids and Dogs Schaumburg“. Die Hundetherapeutin hatte nach der Berichterstattung in dieser Zeitung den Kontakt zu Brusdras gesucht. Auch Hesses Sohn wurde im Alter von 1,5 Jahren von einem Hund gebissen. „Uns hat damals keiner geholfen. Es ging erst aufwärts, als wir uns einen eigenen Welpen geholt haben“, erinnert sich Hesse selbst. Seitdem arbeitet die Hundetrainerin mit Kindern und Hunden zusammen.

„Ich war erst sehr skeptisch“, gibt Brusdras zu. Doch bereits das erste Treffen hätte den Grundstein für den richtigen Weg gelegt. „Wir sind auf viel Antipathie gestoßen, aber man muss für sich selber den richtigen Weg finden“, beschreibt die Stadthägerin die damalige Situation. Und die Therapie mit dem Hund sei für die heute Neunjährige genau der richtige Weg gewesen.

Wie Hesse beschreibt, waren vor allem die Aspekte der Impulskontrolle sowie der Verhaltenstechniken von großer Bedeutung. „Das Ganzheitliche zwischen Hund, Kind und Hundehalter spielt eine wichtige Rolle“, erklärt die Inhaberin einer Hundeschule.

Über zwei Jahre lang arbeitete die Familie mit Hesse zusammen. Brusdras Tochter habe gelernt die „negativen Erfahrungen mit einem Hund durch positive zu überlagern“, wie Brusdras die Arbeit beschreibt. Die Angst vor insbesondere großen schwarzen Hunden sei zwar bis heute noch da – zumindest wenn sie frei umherlaufen – die Familie wüsste nun aber immerhin, wie auch sie sich richtig verhält. Keine Angst zeigen, nicht wegrennen, auf die Körperhaltung des Hundes achten – all das helfe dabei, dass ein „normales Leben jetzt wieder möglich ist“, erklärt die Mutter.

„Ich hätte niemals gedacht, dass es so gut wird“, muss auch Hesse zugeben. Auch wenn man nicht wisse, was die Zukunft bringt, ist die Hundetrainerin sehr froh, dass sie der Familie helfen konnte.

Aktuell überlegt die Familie sogar, sich später selbst einen eigenen Therapiehund anzuschaffen – so wie es auch Hesse vor einigen Jahren tat.

Doch neben den zahlreichen positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre hat sich in einem Aspekt noch nichts getan: Der Hund – ein Mix aus Dogge, Labrador und Dalmatiner – lebt noch immer auf dem Nachbargrundstück der Familie. Und noch immer in nicht artgerechten Verhältnissen, wie Brusdras selbst berichtet. Mehrere Versuche, mit der Besitzerin zu sprechen, seien erfolglos geblieben. Mehrfach sei der Hund wieder unangekettet oder ohne Maulkorb auf dem Grundstück unterwegs gewesen.

Die Familie habe daher auch wiederholt das Veterinäramt informiert oder mit Tierschutzorganisationen gesprochen. „Bewegt hat das letztendlich doch nichts“, ärgert sich Brusdras. Laut Veterinäramt darf das Tier bei der Familie bleiben (wir berichteten).

Daher habe sich die Familie nun dazu entschlossen, ihr Haus an der Enzer Straße zu verkaufen. „Das ist uns extrem schwergefallen, aber das Kindeswohl steht über allem. Und ich will mir auch nicht weiter mit angucken, wie der Hund sein Dasein tilgt.“

Brusdras möchte dafür appellieren, dass Hunde artgerecht gehalten werden. Sie habe mehrfach den Kontakt zu Politikern gesucht, da sie die Gesetze in Niedersachsen nicht nachvollziehe. Aber bis auf den Vorschlag einer Online-Petition und einen Kontakt zu einem Anwalt sei nichts dabei herausgekommen.

Nun erfolgt also der drastische Schritt, das Haus zu verkaufen. In letzter Konsequenz betont Brusdras aber immer wieder: „Die Freude über den Erfolg der Therapie ist größer als der Schmerz über den Verlust.“




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