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Neue Eigentümer sanieren historische Pulvermühle bei Schmarrie

Das Wasser liefert wieder Kraft

SCHMARRIE. Wie seit eh und je lehnen zentnerschwere Mühlsteine an Wand und Mauern. Im großen Betriebsgebäude sind nur scheinbar wahllos Gestänge und Antriebswellen miteinander verbunden. Mahlwerke warten offenbar nur darauf, wieder in Gang gebracht zu werden. Auf Schritt und Tritt atmet das alte Anwesen abseits der Verkehrsstraßen fühlbar und sichtbar Geschichte – die alte Pulvermühle bei Schmarrie.
Doch seit rund zwei Jahren ist wieder Bewegung und Leben zu spüren, nachdem Martin Nossek und Marion Oblasser Grundstück und Gebäude als Nachfolger der letzten Eigentümerin Lina Jacobsen übernommen haben, deren Vorfahren auf diesem Hof bis in das Jahr 1720 zurückgehen.

veröffentlicht am 02.03.2019 um 00:00 Uhr

Die Pulvermühle bei Schmarrie geht bis auf das Jahr 1720 zurück. Foto: nah

Autor:

BERND ALTHAMMER
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SCHMARRIE. Warum sie ihren bisherigen Wohnsitz in Wismar zugunsten dieser ländlichen Abgeschiedenheit am Süntel verlassen haben, hat etwas mit hiesigen familiären Bindungen zu tun. Allerdings zögerten sie anfangs: „Wir wollten doch niemals einen ollen Hof haben“, verrät Nossek. Doch die Aussicht auf viel Platz für Tiere beflügelte die Entscheidung des Kraftfahrzeugmeisters und der Natur- und Umweltexpertin im öffentlichen Dienst. „Die Historie des Anwesens war nur eine Zugabe“, bemerkt die Hausherrin. Aber inzwischen haben sie größten Gefallen daran gefunden, auch diesen Aspekt mit viel Eifer zu bewahren.

Doch zunächst richtete sich die Familie ausgesprochen liebevoll und mit viel Sinn für Details das Wohnhaus ein. Dabei kam ihnen so manches alte Möbelstück gelegen, das sie von der letzten Eigentümerin übernommen hatte. Das Sofa aus dem Wohnzimmer zum Beispiel ist seither behagliche Kulisse beim morgendlichen Frühstück. Bald darauf richtete sich der Fahrzeugexperte in der alten Scheune die unbedingt notwendige Werkstatt ein. Und immer öfter schweifte der Blick durch das Mühlengebäude mit seinen technischen Einrichtungen, die nur wieder gangbar gemacht werden müssten. „Nur“, unterstreicht Nossek mit hörbarem Unterton. Bis einmal alles so weit sein wird, dürfte noch sehr viel Wasser den Lärchenbach vom Süntel hinab zur Rodenberger Aue fließen.

Aber die aus dem Jahr 1940 stammende Turbine hat er schon wieder in Gang gebracht, die noch bis 1976 den gesamten Hof mit Strom versorgte. Und liebend gern würde er wieder den Antrieb über Transmissionsriemen zu den weiteren betrieblichen Einrichtungen leiten, die die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder der Mühle dokumentieren. Nur an Schießpulver, das ursprünglich produziert worden ist, denkt Nossek absolut nicht.

Seit zwei Jahren engagierte Mühlenbesitzer: Marion Oblasser und Martin Nossek. Foto: nah

Der größte Feind des Paares aber ist winziger Natur. Hölzernes Inventar im Mühlengebäude fällt regelrecht auseinander, weil es über Jahrzehnte dem Holzwurm ausgesetzt war. Und noch so ein massiver Gegner wuchert im Mühlenteich. Eine Woche lang hat Nossek bis zum Bauch im Wasser gestanden, um den Schachtelhalm abzumähen, der aus dem einst makellosen Gewässer eine Sumpf- und Schlammlandschaft gemacht hat.

„Wir werden wohl nie fertig werden“, sehen die beiden Hofbesitzer ihre Zukunft durchaus realistisch. Immerhin leben sie zwischen 250 Jahre alten Gemäuern. So setzen sie sich lieber „kleine Ziele“, um nach Wohn- und Schlafzimmer sowie den beiden Räumen für die Töchter nun Schritt für Schritt weitere Annehmlichkeiten zu erzielen. Die beiden Pferde, sechs Schafe und eine kleine Hühnerschar sind darin inbegriffen. Auch diese fühlen sich inzwischen sichtlich wohl.




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