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Bei der Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage gehen die Meinungen auseinander

Der Realität anpassen

LANDKREIS. Wie viele verkaufsoffene Sonntage sind für eine Stadt sinnvoll? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit der niedersächsische Landtag in Hannover. Die geplante Reform stößt insbesondere bei der Gewerkschaft Verdi auf Kritik, denn tendenziell soll es möglich sein, an mehreren Sonntagen als bisher die Läden zu öffnen. Verdi dagegen pocht auf Ruhezeiten am Sonntag. Aber auch die Kirchen befürchten eine weitere Aushöhlung des Sonntagsschutzes. Das Thema beschäftigt natürlich auch die Städte in Schaumburg.

veröffentlicht am 25.01.2019 um 16:37 Uhr

In Stadthagen ist bei großen Veranstaltungen und verkaufsoffenem Sonntag viel los. Foto: rg

Autor:

jennifer minke-beil
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LANDKREIS. Günter Raabe plädiert dafür, die vier möglichen verkaufsoffenen Sonntage weiterhin zu nutzen. Der Vorsitzende des Stadtmarketing Stadthagen kann sich auch durchaus vorstellen, dass sich auch ein oder zwei zusätzliche Termine tragen würden. Wie in anderen Städten ist der verkaufsoffene Sonntag immer mit großen Veranstaltungen wie Stadtfesten oder Krammarkt gekoppelt.

Da das Ladenöffnungsgesetz Ländersache ist, sieht Raabe einen deutlichen Wettbewerbsnachteil zum Nachbarn Nordrhein-Westfalen. „In Niedersachsen ist es nicht erlaubt, die Läden an einem Adventssonntag zu öffnen. In NRW dagegen schon.“ Auch die Kriterien, dass anerkannte Ausflugsorte wie Bückeburg, die Möglichkeit für acht verkaufsoffene Sonntag haben, findet Raabe fragwürdig. Die Reaktion von Verdi könne er zwar nachvollziehen, allerdings sei Wochenendarbeit in anderen Berufen auch üblich. „Außerdem hat sich das Arbeits- und Geschäftsleben hat in den vergangenen Jahren einfach verändert“, betont der Vorsitzende des Stadtmarketings. Die Konkurrenz durch das Online-Geschäft sei erdrückend und der stationäre Handel sei gefordert zu reagieren. „Wir müssen uns der Realität anpassen.“ In diesem Zusammenhang sei mehr Flexibilität bei den verkaufsoffenen Sonntagen durchaus angebracht.

Giovanni di Noto vom Bückeburger Stadtmarketing (BSM) sieht sieht das Thema zwiespältig. Auf der einen Seite müsse man mit den anderen größeren Städten mithalten. Auf der anderen Seite hält er die Ruhephasen am Sonntag, gemeinsam mit der Familie, für enorm wichtig. Man müsse entscheiden, ob der Zufriedenheitsfaktor über dem Ertrag stehe. Bei di Noto bleiben die Ladentüren am Sonntag seit einiger Zeit geschlossen. Er habe das lange selbst mitgemacht, doch im Laufe der Zeit gemerkt, dass die Familienzeit wichtiger ist. Generell gebe es an den verkaufsoffenen Sonntagen keine Verpflichtung für die Inhaber, ihre Geschäfte zu öffnen. Di Noto könne beide Seiten nachvollziehen. Man müsse immer viele Faktoren bei einer solchen Entscheidung berücksichtigen.

Für den Kurort Bad Nenndorf gelten dagegen Sonderregelungen und dementsprechend mehr Möglichkeiten. Die nutzt der Rewe vor Ort – er hat bis auf wenige Ausnahmen jeden Sonntag geöffnet. Stadtdirektor Mike Schmidt hat festgestellt, dass dort während der Öffnungszeiten „richtig was los ist“. Viele erledigten am Sonntag mittlerweile ihren Wocheneinkauf am Sonntag. Da auch einige Kunden aus umliegenden Städten und Gemeinden anreisen, werde der Einkauf auch beispielsweise mit einem Besuch des Kurparks oder der Therme verbunden. Andere gehen noch einen Kaffee trinken. Eine Belebung sei also schon zu spüren. An den vier verkaufsoffenen Sonntagen, wie etwa beim Parkfestival werde auch festgehalten. Tendenziell sei der Plan, die Sonntagsaktivitäten eher zu steigern als zu senken.




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