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Tankstellen schlossen für kurze Zeit

Der Sprit wird auch in Schaumburg knapp

OBERNKIRCHEN/LANDKREIS. Am vergangenen Wochenende konnten zwei Tankstellen im Schaumburger Land mehrere Stunden lang weder Super noch Diesel herausgeben. Der Grund: Ihre Tanks waren leer. Denn bei Sprit gibt es Lieferengpässe. Die Gründe dafür führen bis nach Süddeutschland.

veröffentlicht am 14.11.2018 um 13:15 Uhr
aktualisiert am 14.11.2018 um 19:50 Uhr

Zwei Tankstellen im Kreis Schaumburg hatten am vergangenen Wochenende für mehrere Stunden weder Super noch Diesel. Es müsste mehr regnen, um diese Versorgungslücke zu schließen. Foto: bft
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN/LANDKREIS. Am Sonntag hatte Michael Scherf, Pächter einer Tankstelle in Obernkirchen, früher Feierabend: Es gab weder Diesel noch Super an seiner Tankstelle. Der Diesel-Vorrat war am Samstagnachmittag erschöpft, der Tank mit dem Superbenzin war einen Tag später leer. Zwar schickte Scherf ein Fax an den Lieferanten, „aber am Wochenende tut sich wenig“, sagt Scherf, der daher am Sonntag kurzerhand schloss. Am Montagmorgen waren die Tanks dann wieder aufgefüllt.

Wie auf Facebook zu lesen war, war Scherf am Wochenende nicht allein mit leeren Tanklagern im Landkreis, auch in Stadthagen war eine Tankstelle betroffen. Es ist ein für Pächter, Inhaber und Autofahrer ärgerliches Phänomen: An deutschen Tankstellen wird der Sprit knapp.

Bei der Ursachenforschung zitiert die Süddeutsche Zeitung einen Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral. Grund für die Lieferengpässe sei vor allem der niedrige Rheinpegel: „In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können.“

Stephan Zieger, Geschäftsführer vom Bundesverband Freier Tankstellen (BFT), erklärt das Problem so: Der Rheinpegel steht niedrig, zu wenig Wasser, Schiffe kommen nicht zu den Raffinerien oder zurück – damit kommt der Sprit nicht weg, es muss also umgelagert werden.

Doch Tankwagen sind für längere Strecken eher nicht geeignet, nicht zuletzt, weil an Feiertagen wie dem Reformationstag oder Allerheiligen Fahrverbote für Lastwagen gelten würden. Also müsse man auf die deutsche Bahn ausweichen, sagt Zieger, dort seien auch alle verfügbaren Kesselwagen im Einsatz. Der Geschäftsführer nennt eine Zahl: Mit der Eisenbahn könnten 2000 Tonnen auf einmal transportiert werden. Würde man diese Menge auf Lastwagen verteilen, seien 80 bis 100 notwendig. Zieger spricht hier von einem „Nachfragedruck“, aber auch von Logistikproblemen.

Ein weiterer Grund für die Versorgungslücken ist die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg Anfang September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagt Zieger, und dies treibe die Nachfrage „weiter nordwärts“.

Das veränderte Kaufverhalten spielt ebenfalls eine Rolle, erklärt der BFT-Geschäftsführer. Aus Sorge vor einem leeren Tank steuern die Autofahrer früher als üblich die Tankstelle an. Vor Jahren, so Zieger, sei kein Autofahrer jemals auf die Idee gekommen, dass aus den Zapfhähnen kein Benzin mehr kommen könnte: „Die Leute fuhren hin, tankten und maulten über die Preise.“ Dies sei heute anders, und es liege an den Berichten in den Medien: Wenn Tankstellen trocken fallen würden, dann spräche sich dies rum – und zwar schnell. Der Geschäftsfrüher spricht von einem „Dominoeffekt“. Autofahrer würden heute aus Furcht vorm leeren Tank früher die Zapfsäule ansteuern, „und wer an der ersten Tankstelle kein Benzin bekommt, fährt kurzerhand zur nächsten weiter. Und die kann dann auch leerlaufen.“ Immerhin, so Zieger: „Es wird noch nicht gebunkert.“

Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung der Tankstellen mit Benzin und Diesel werde es nur bei steigenden Wasserständen geben, sagt Zieger: „Wir brauchen Regen, 150 Liter auf den Quadratmeter. Aber nicht auf einmal, sondern als schöner Landregen.“

Erschwerend kommt wohl eine Tendenz hinzu: Die Zahl der Tankstellen sinkt. 1999 gab es noch 16 617, wie der Bundesverband errechnet hat. 2017 konnten Autofahrer nur noch 14 510 Tankstellen bundesweit ansteuern.




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