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160 Zugreisende hängen nach Sturm 16 Stunden in Haster Bahnhof fest / Kreisweiter Einsatzzug rückt aus

DRK verteilt Suppe und Decken

LANDKREIS/HASTE. 16 Stunden lang haben 160 Zuggäste im Bahnhof Haste ausharren müssen. Wegen Oberleitungsschäden aufgrund des Sturmes ging in Richtung Hannover nichts mehr.

veröffentlicht am 06.10.2017 um 17:46 Uhr

Im Zug und auf dem Bahnsteig halten sich die gestrandeten Zuggäste auf. Foto: wil

Autor:

Verena Insinger
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Um 13 Uhr strandete der IC 153 aus Amsterdam in Haste. Nichts ging mehr. Als klar wurde, dass es mit der Weiterfahrt an diesem Tage nichts mehr wird, wurde die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK alarmiert. Immerhin galt es, 160 Personen zu versorgen.

Um 20.30 Uhr ging der Pieper bei DRK-Präsident Bernd Koller und seinen Kollegen. Der Feierabend war für die kommenden Stunden abgeschrieben. Das Küchenteam machte sich in Steinbergen daran, Hühnersuppe zu kochen. Zeitgleich riefen die Helfer beim Zentrallager der Edeka in Lauenau an, und fragten nach Getränken, Bananen, Fladenbrot und Hygieneartikel. „Wir hatten Glück. Der Chef selbst ist ans Handy gegangen“, berichtet Koller. Kurze Zeit später fuhren die DRK-Wagen am Edeka-Tor vor und beluden die Fahrzeuge. Die ehrenamtlichen Helfer packten auch etwa 80 Rollen Toilettenpapier ein. Denn das war mittlerweile im Zug aufgebraucht.

Gegen 22 Uhr traf das Küchenteam mit insgesamt 20 Litern Suppe in Haste ein. „Über die warme Speise haben sich die Passagiere am meisten gefreut“, erinnert sich der DRK-Chef. Vom Zelt auf dem Vorplatz aus wurden Decken verteilt. Immerhin fiel die Temperatur unter 10 Grad Celsius. Trotz des langen Wartens und des nasskalten Wetters sei die Stimmung in Ordnung gewesen, berichtet der Wendthäger. „Im Zug saßen einige Holländer. Die haben aus der Misere das Beste gemacht und waren richtig gut drauf.“

Die Passagiere können sich mit Hühnersuppe stärken. Foto: wil
  • Die Passagiere können sich mit Hühnersuppe stärken. Foto: wil
Auf dem Bahnsteig haben die Helfer ein Buffet aufgebaut. Foto: wil
  • Auf dem Bahnsteig haben die Helfer ein Buffet aufgebaut. Foto: wil
Aus dem Edeka-Lager in Lauenau haben die Helfer Getränke, Essen und Klopapier besorgt. Foto: wil
  • Aus dem Edeka-Lager in Lauenau haben die Helfer Getränke, Essen und Klopapier besorgt. Foto: wil
Salam und Hadil haben sich in Haste aufgewärmt, bevor sie ein hilfsbereiter Haster noch in der Nacht nach Lehrte gefahren hat. Foto: Geist
  • Salam und Hadil haben sich in Haste aufgewärmt, bevor sie ein hilfsbereiter Haster noch in der Nacht nach Lehrte gefahren hat. Foto: Geist
Die Passagiere können sich mit Hühnersuppe stärken. Foto: wil
Auf dem Bahnsteig haben die Helfer ein Buffet aufgebaut. Foto: wil
Aus dem Edeka-Lager in Lauenau haben die Helfer Getränke, Essen und Klopapier besorgt. Foto: wil
Salam und Hadil haben sich in Haste aufgewärmt, bevor sie ein hilfsbereiter Haster noch in der Nacht nach Lehrte gefahren hat. Foto: Geist

Als die Reisenden versorgt waren und im Zug schliefen, gegen 2 Uhr nachts, rückte die Hälfte der DRK-Helfer ab. Auch die Freiwillige Feuerwehr Haste, die die Zeit über den Vorplatz abgesperrt hatte und bei der Versorgung unterstützend half, rückte ab. „Netterweise haben uns die Kollegen den Schlüssel zu ihrem Gerätehaus da gelassen. So konnten unsere Leute deren Sanitäranlagen nutzen“, sagt Koller. „Man sieht, der Zusammenhalt zwischen den Einheiten passt.“

Gegen 5 Uhr morgens wurden die Gestrandeten von Bahn-Mitarbeitern geweckt. Das DRK hatte für sie zuvor massenhaft Brote geschmiert und verteilte diese nun auf dem Bahnsteig. Es ging für die Passagiere mit einer neuen S-Bahn weiter in Richtung Hannover. Doch auch dort wird es für die Reisenden erst mal nicht weitergegangen sein. Das Netz war zusammengebrochen. Doch in Hannover verlieren sich die Spuren der Zuggäste des IC 153.

Für die DRK-Helfer war der Einsatz um 6.40 Uhr beendet. Am Abend hieß es dann: nachbereiten. Das Zelt musste gereinigt und getrocknet, die Vorräte mussten aufgefüllt werden. Das DRK war mit insgesamt 32 Mitgliedern vor Ort. Hinzu kommen die Feuerwehrleute. Außerdem vor Ort war das Presseteam der Kreisfeuerwehr. „Der Einsatz hat sehr gut funktioniert. Die Zusammenarbeit hat wunderbar geklappt“, resümiert der DRK-Präsident. Die Reste des Essens wurden mittlerweile an die Tafeln verteilt.

Information

Hilfsbereiter Haster rettet neuen Job

Geschichten wie die von Salam und Hadil, die sich am Rande von Ausnahmesituationen abspielen, zeugen von Hilfsbereitschaft und zwischenmenschlichem Miteinander in der – gefühlt – doch immer mehr verrohenden Gesellschaft. Das Paar aus Köln war am Donnerstag mehrfach auf dem Weg nach Lehrte gestrandet. Ein hilfsbereiter Haster fuhr die beiden, die nur gebrochen Deutsch sprechen, dann nachts noch zum Zielort. In Lehrte musste Salam nämlich am frühen Morgen seinen Arbeitsvertrag unterschreiben. Kennengelernt hatten sich die drei nach Angaben von Kreisfeuerwehrsprecher Sven Geist, im Zug von Bielefeld nach Minden. Da in Minden kein Weiterkommen war, orderte der Haster ein Taxi und lud das Paar kurzerhand ein, mitzufahren. In Haste wärmten sich die beiden erst einmal im Zug auf und aßen etwas. Doch da es auch von Haste aus nicht voranging, fasste sich der junge Mann ein Herz. Um kurz vor Mitternacht fuhr er Salam und Hadil kurzerhand mit seinem Auto nach Lehrte, damit die Kölner pünktlich zum Termin kommen konnten. vin

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