weather-image
12°

Ab 1. Februar wird wieder Gülle auf die Felder gebracht

Düngen: Landwirte in Schaumburg wehren sich gegen Kritik

LANDKREIS. Ab dem 1. Februar wird wieder Gülle auf die Felder gebracht. Auch Schaumburger Landwirte ernten dafür von Verbrauchern starke Kritik, wehren sich aber dagegen.

veröffentlicht am 01.02.2019 um 10:17 Uhr

Landwirte wehren sich gegen Kritik von Verbrauchern. Foto: Archiv.

Autor:

Tina Bonfert
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

LANDKREIS. Mit dem Ende der Sperrfrist zum Ausbringen von Düngemitteln am 1. Februar beginnt es vielerorts auch wieder zu stinken. Ab heute dürfen die Landwirte Gülle auf die Felder aufbringen. Damit stehen viele Bauern in der Kritik.

Das Düngen haben die Böden jetzt aber nötig, sagt Christian Schweer, Landwirt aus Probsthagen: „Die Ausbringung von Gülle und Gärsubstrat ist im Februar optimal, weil die Nährstoffe dann zu Vegetationsbeginn sofort zu Verfügung stehen.“

Dieter Wilharm-Lohmann wehrt sich gegen den Vorwurf, Landwirte müssten überschüssige Gülle loswerden: „Wir entsorgen keine Gülle, sondern sehen es als nachhaltig an, eine Kreislaufwirtschaft zu betreiben, unsere Pflanzen mit dem Dung der Tiere zu versorgen und so auch den Mineraldüngereinsatz zu minimieren.“ Zudem hat das frühe, bodennahe Güllen bei kühler Witterung Schweer zufolge den entscheidenden Vorteil, dass Ammoniakverluste minimiert werden“. Dadurch sei die Nährstoffausnutzung am höchsten. Durch den sinnvollen Einsatz von Gülle und Gärsubstrat könne der Mineraldüngerbedarf halbiert werden.

Um Kritik zu begegnen, hatten Landwirte – wie berichtet – im Rahmen der diesjährigen Grünen Woche das Gespräch mit Verbrauchern gesucht. Unter anderem haben sich Sven Fitzner, Jan Hävemeyer, Achim Pohl, Dirk-Friedrich Güsewelle und Hinrich Strüve auf dem Stadthäger Marktplatz der Diskussion gestellt. Unter dem Motto „Wir machen Euch satt!“ wollten sie daran erinnern, woher die Lebensmittel in den Supermarktregalen kommen. Schaumburgs Landvolk-Vorsitzender Achim Pohl erklärt: „Die Möglichkeit, die wir als Konsumenten in Deutschland haben, qualitativ beste Nahrungsmittel zu teilweise unverschämt günstigen Preisen kaufen zu können, ist im weltweiten Vergleich ein absolutes Luxusgut.“

Dabei ist der natürliche Kreislauf in Schaumburg noch intakt, sagt Kreislandwirt Wilharm-Lohmann: „Den Insekten und Vögeln ist in den bebauten Regionen – Städten, Dörfern, Industriegebieten – mehr Lebensraum abhandengekommen als in den landwirtschaftlich genutzten Bereichen. Wenn ich jedenfalls bei mir aus dem Fenster schaue oder auch in der Region unterwegs bin, dann sehe ich Natur und keine industrialisierte Landwirtschaft.“

Was den Dialog betrifft, bricht Pohl eine Lanze für wissenschaftliche Fakten: „Unserer Ansicht nach sollten nicht ideologische Motivationen, sondern viel mehr wissenschaftliche Erkenntnisse eine Rolle spielen. Sei es beim Thema der Gülleausbringung oder beim Glyphosat.“ Auch Landwirt Schweer wirbt für den Dialog: „Wenn sich jemand über die moderne Landwirtschaft informieren möchte, sollte er sich direkt an Landwirte wenden. Wir stehen für Gespräche und Informationen jederzeit zur Verfügung. Es ist besser, miteinander als übereinander reden.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare