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Naturschützer: Auenlandschaft ist von „internationaler Bedeutung“ / Spenden sollen Kauf finanzieren

Eggersmann will Kiesteiche an Nabu verkaufen

Hohenrode (pk). In Hohenrode soll im derzeitigen Abbaugebiet von AHE Schaumburger Weserkies eine Auenlandschaft von „internationaler Bedeutung“ entstehen, sagt Nick Büscher, der Vorsitzende des Rintelner Naturschutzbunds (Nabu). Laut Büscher handelt es sich bei den Hohenroder Kiesteichen um die „größte zusammenhängende Auenlandschaft an der Weser“, in der bestimmte geschützte Tierarten, wie etwa die seltene Flussseeschwalbe, heimisch seien. Bereits im April soll das 115 Hektar große Gelände den Eigentümer wechseln. Dann wollen der derzeitige Inhaber, AHE Schaumburger Weserkies, und die Nabu-Stiftung Nationales Erbe den Kaufvertrag unterzeichnen – vorausgesetzt dem Nabu gelingt es, bis dahin ausreichend Spenden zusammenzubekommen.

veröffentlicht am 19.03.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:41 Uhr

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In einem Flyer rufen die Naturschützer zu Spenden auf. Die Auenlandschaft, die Eisvogel, Flussseeschwalbe, Fischadler und Fischotter Unterschlupf böte, sei durch „finanzstarke Angelsportvereine“ bedroht: „Sie wollen die Teiche für die Fischerei nutzen – mit fatalen Folgen für den Naturschutz. Denn ausgebaute Straßen bedeuten das Aus für Flussseeschwalbe, Fischotter, Biber, Fischadler und Co., das Aus für eine einzigartig schöne Landschaft“, heißt es in dem Flyer. Das müsse verhindert werden.

Allerdings: Einen Beweis dafür, dass der Fischotter in Hohenrode bereits heimisch ist, gebe es bislang noch nicht, räumt Büscher auf Anfrage unserer Zeitung ein. Er sei aber schon gesichtet worden.

Um die Auenlandschaft zu bewahren, müsse sie jedenfalls „in vertrauensvolle Hände“ gelegt werden – „in die Hände des Nabu“, wie der Nabu selbst schreibt.

Einmal gekauft werde der Nabu nicht viel tun müssen, um die Renaturierung einzuleiten. „Dieter Eggersmann hat die Renaturierung der bisherigen Auenlandschaft zu unserer positiven Überraschung bereits vorbildlich vorangetrieben“, schildert Büscher. „Das ist sehr lobenswert.“

Der Nabu wolle sich als künftiger Eigentümer vor allem als „Gebietsbetreuer“ begreifen, der sich hauptsächlich dem Schutz der Auenlandschaft verpflichtet fühle. Allein durch einzelne Eingriffe soll der Naturschutz konkret von außen gefördert werden. So sollen etwa Kunsthorste für den Fischadler und Brutflöße für die Flussseeschwalbe angelegt werden.

Mit Hecken und Zäunen sollen darüber hinaus „Tabuzonen“ eingerichtet werden, die nicht betreten werden dürfen, um die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt nicht zu stören. Indes: Die Badestrandzone des Freizeitvereins Hohenrode in einem Umfang von 40 000 Quadratmetern werde davon nicht betroffen sein. Das sei dem Verein bereits versichert worden.

Rund 350 000 Euro, einschließlich Grunderwerbssteuer und Notarkosten, will sich die Nabu-Stiftung den Kauf kosten lassen. Eine Summe, die durch Spenden erst noch zusammengetragen werden müsse. Geplant ist dann ein stückweiser Kauf. „In einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren soll das Gelände im Ein-Jahres-Rhythmus aufgekauft werden“, schildert Büscher. In der Zwischenzeit wird AHE Schaumburger Weserkies in Hohenrode weiter Kies abbauen.

Zunächst soll für 78 000 Euro ein erster Teilabschnitt in einer Größenordnung von 300 000 Quadratmetern des 115 Hekar umfassenden Geländes gekauft werden. Das entspricht 26 Cent pro Quadratmeter.

Der Nabu spricht von einem „attraktiven“ Angebot von Eigentümer Dieter Eggersmann. Dem wiederum scheint der Verkauf des Abbaugebiets an den Nabu eine echte Herzensangelegenheit zu sein. „Kiesabbau ist ein Eingriff in die Natur“, bekennt Geschäftsführer Sascha Wagener, „aber deshalb ist uns nach dem Abschluss des Abbaus auch daran gelegen, der Natur etwas zurückzugeben.“ Die gewünschte Renaturierung des Abbaugebiets sehe man daher bei einer Übertragung des Geländes an den Nabu „bestmöglich sichergestellt“, so Wagener.

Langfristig will der Nabu in der Auenlandschaft auch naturnahen Tourismus zulassen. Geplant sind ein kleiner Radweg als Alternativroute zum bestehenden Weserradweg, ein Stichweg und Aussichtstürme, ähnlich wie am Steinhuder Meer.




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