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Friseur-Innung will mit schlechtem Image ihrer Zunft aufräumen / Beschäftigte profitieren von Tarifbindung

Ein Job mit Zukunft

LANDKREIS Von wegen Hungerlohn, Altersarmut und lange Arbeitszeiten: Die Friseur-Innung Schaumburg will mit dem schlechten Image ihres Handwerks aufräumen. Dieses leide in der Öffentlichkeit über die meist einseitige Darstellung des Berufes, erklären Friseur-Obermeisterin Mariella Conrad und Marc Riegel, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Niedersachsen.

veröffentlicht am 06.03.2019 um 00:00 Uhr

Die Vorstands-Mitglieder der Schaumburger Friseur-Innung werben für ihren Beruf. Foto: kcg

Autor:

Katharina Grimpe
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„Unser Beruf steht nicht gut da in der Öffentlichkeit“, betont Conrad. Immer wieder werde das Friseur-Handwerk als Negativ-Beispiel für schlechte Löhne, niedrige Renten und daraus resultierende Altersarmut in Verruf gebracht. Fakt sei jedoch, dass Friseure auf dem Lohnniveau anderer Handwerksberufe bezahlt werden und die wöchentliche Arbeitszeit bei 38 Stunden liegt – nicht erst durch den im vergangenen Jahr neu ausgehandelten Tarifvertrag.

Fritz Pape, der als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft auch die Geschäfte der Schaumburger Friseur-Innung leitet, hat Zahlen parat: Friseure bekommen seit Sommer 2018 in den unterschiedlichen Lohngruppen zehn bis 16,30 Euro pro Stunde. Hohes Gut sei auch die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages. Diese legt rechtlich fest, dass alle Betriebe die tariflichen Gehälter zahlen müssen, egal ob sie Mitglied der aushandelnden Verbände sind, oder nicht. Dazu kommen laut Conrad je nach Betrieb unterschiedliche Bezahlmodelle wie Provisionen, Boni oder Umsatzbeteiligungen, das Trinkgeld nicht zu vergessen.

Als schönsten Beruf der Welt bezeichnet denn auch die Arbeitnehmervertreterin, Altgesellin Ruth Stubel, ihren Job. Seit 50 Jahren stehe sie mit Schere und Föhn im Salon, „und ich würde meinen Beruf jederzeit wieder erlernen“. Sie genieße die kreative Arbeit mit den Kunden und ärgere sich darüber, wenn es in der medialen Berichterstattung „so hingestellt wird, dass Friseure grundsätzlich in Armut leben müssen, wenn sie in Rente gehen“. Selbstverständlich falle die Rente bei Frauen, die wegen der Kindererziehung jahrelang nur in Teilzeit arbeiten, kleiner aus. Das sei aber in nahezu allen Berufszweigen der Fall und in der jeweils individuellen Erwerbsbiografie der Frauen begründet, statt in der vermeintlich ausbeuterischen Beschäftigung als Friseurin.

Innungs-Chef Pape verweist zudem auf die Perspektiven, die das Handwerk Auszubildenden und Gesellen eröffne. Im Landkreis gebe es zahlreiche offene Stellen, viele Salons hätten Nachwuchssorgen. Zudem stehe in den kommenden Jahren ein Generationenwechsel bevor: Nicht wenige Saloninhaber würden bald in Rente gehen und daher Nachfolger für ihre Betriebe suchen.

„Die Möglichkeiten im Friseur-Handwerk sind unglaublich mannigfaltig“, erklärt Ringel und betont: „Eine gute Arbeit, die auch gut bezahlt werden muss.“

Information

Für Landesinnungs-Chef Marc Ringel ist das schlechte Image seines Berufes auch Ergebnis der zahlreichen Kleinunternehmer im Friseur-Handwerk, die mit ihren geringen Umsätzen in den Medien oft als Negativ-Beispiel für die vermeintlich schlechte Bezahlung herangezogen werden.

Friseure müssten vergleichsweise wenig Geld investieren, um sich als Ein-Mann-Betrieb selbstständig zu machen, schildert Ringel. Die Kleinunternehmerregelung würden dabei viele nutzen, weil sie keine Umsatzsteuer abführen müssen. Um die für die Einstufung als Kleinunternehmer einzuhaltende jährliche Umsatzgrenze von 17 500 Euro nicht zu überschreiten, komme es aber immer wieder vor, dass Teile des Umsatzes beiseite geschafft, also nicht dem Finanzamt gemeldet werden. „Das ist nichts anderes als legalisierte Schwarzarbeit“, würde dem Preisgefüge der ganzen Branche schaden und alteingesessen Betrieben das Leben schwer machen, ärgert sich Ringel.kcg




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