weather-image
23°

Uwe Schlegel ist ehrenamtlicher Patientenfürsprecher im Klinikum Vehlen

Ein offenes Ohr

LANDKREIS. „Einmal Krankenhaus, immer Krankenhaus“, sagt Uwe Schlegel. Mit dieser Aussage dürfte der 71-Jährige bei den meisten Menschen für Erstaunen sorgen. Doch nach 40 Berufsjahren in der Krankenhausverwaltung kann Schlegel auch im Ruhestand nicht ohne. Seit 2015 ist er als ehrenamtlicher Patientenfürsprecher im Agaplesion Klinikum Schaumburg tätig – erst in Bückeburg, seit der Eröffnung in Vehlen.

veröffentlicht am 12.06.2019 um 14:17 Uhr

Foto: rg

Autor:

mira colic
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Seit 2016 ist jedes Krankenhaus in Niedersachsen verpflichtet, einen ehrenamtlich arbeitenden Patientenfürsprecher und Stellvertreter zu bestimmen. Er nimmt Wünsche, Kritik oder Lob von Patienten entgegen und versucht, bei den zuständigen Stellen des Krankenhauses zu vermitteln. Schlegel ist wie seine „Kollegen“ weisungsunabhängig und kein Mitarbeiter des Krankenhauses. Er unterliegt der Schweigepflicht und darf anvertraute Informationen nur mit Einverständnis der Patienten weitergeben.

Eigentlich war Schlegel mit der Idee an das Klinikum herangetreten, einen Lotsen-Dienst einzuführen, wie er ihn aus Hannover kannte. Dabei werden Patienten von Ehrenamtlichen auf dem Weg durch die Einrichtung geführt. „Aufgrund der guten Betriebsorganisation im neuen Agaplesion Klinikum Schaumburg wurde das jedoch als nicht erforderlich erachtet“, erklärt Schlegel.

Empathie
ist entscheidend

Uwe Schlegel ist seit 2015 ehrenamtlicher Patientenfürsprecher in den Agaplesion Krankenhäusern, seit der Eröffnung Ende 2017 am Standort in Vehlen. Foto: col

Dann habe ihn der damalige Geschäftsführer Achim Rogge jedoch angerufen und ihm einen anderen Vorschlag gemacht: „Können Sie sich vorstellen, Patientenfürsprecher zu werden?“ Er habe nicht lange gezögert. „Entscheidend ist, dass man eine gewisse Empathie mitbringt, ein offenes Ohr hat und über mediatorische Fähigkeiten verfügt.“ Das Allerwichtigste sei jedoch, dass man „den Patienten ernst nimmt“.

Seit 1973 hat Schlegel als Wirtschaftsleiter im Anna-Stift gearbeitet hat. Neben der Verantwortung dafür, dass der Betrieb versorgt ist, hat Schlegel auch mit daran gearbeitet, dass die Kommunikation zwischen den städtischen und den Umlandkrankenhäusern entsteht. Kommunikation hat somit schon immer einen großen Stellenwert bei ihm gespielt. Und tut es nun auch nach seinem Ruhestand im Jahr 2011 noch. „Aus meiner Erfahrung heraus Patienten nun so helfen zu können, freut mich sehr“, sagt Schlegel und fügt lachend hinzu: „Solange ich noch jung und dynamisch bin.“

Zweimal wöchentlich ist der 71-Jährige für seine Sprechstunde im Klinikum, vorwiegend nähmen Patienten oder Angehörige Kontakt per E-Mail oder Telefon auf. Im vergangenen Jahr habe er 14 Fälle“ bearbeitet. Dies scheine nicht viel, aber man dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Patienten auch die Möglichkeiten haben, einen Meinungsbogen auszufüllen.

Er werde beispielsweise aufgesucht, wenn der Patient den Eindruck habe, „nicht so gut behandelt worden zu sein“. Oder nicht das Ergebnis vorliegt, das er erwartet hat. Grundsätzlich gingen solche Beschwerden an den zuständigen Chefarzt mit der Frage „Was ist da gewesen?“. Der Patientenfürsprecher betont: „Ich beurteile die Fälle nicht, ich bin nur der Vermittler und versuche, mit den Ärzten eine Erklärung zu finden.“ Letztlich sei es wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen.

Bei der Frage, was er denn dann in seiner restlichen Zeit mache, wenn er „nur“ so wenige Fälle zu bearbeiten habe, lacht Schlegel. Langweilig werde ihm nie. Er laufe immer mit offenen Augen durch das Krankenhaus und schaue, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. So werde in Kürze eine seiner Anregungen den Parkplatz betreffend umgesetzt. Die Parkbuchten erhalten Ziffern, damit die Fahrer ihre Autos schneller wiederfinden. Dies sei nach der Reduzierung der Parkgebühren der nächste Schritt zu mehr Besucherfreundlichkeit.

Ein weiteres Projekt hat Schlegel auch schon angeschoben. Während eines Angehörigenbesuchs im Klinikum Braunschweig vor einigen Monaten sei er auf eine Kommunikationsstelle aufmerksam geworden. Dabei geht es um die Fragen: Wer füttert meine Katze, wer kümmert sich um den Kanarienvogel oder gießt die Blumen während ich im Krankenhaus bin? „Wir wollen Dienstleister bündeln, die solche Aufgaben für alleinstehende Patienten übernehmen, damit die sich keine Sorgen machen brauchen“, erklärt Schlegel seine Idee, die bei der Geschäftsleitung positiv angenommen worden sei. Gerade bei der älter-werdenden Gesellschaftsstruktur und vielen alleinlebenden Senioren sei solch ein Angebot hilfreich.

Seit 2013 lebt Schlegel in Bad Eilsen, wo er bereits seit 1997 immer mal wieder Urlaube verbracht hat. „Mir gefällt die Landschaft hier einfach sehr gut“, erklärt der 71-Jährige seinen Umzug aus Hannover. Die Nähe zum Klinikum in Vehlen sei jetzt natürlich hilfreich.

Nächste Woche fährt Schlegel zu einem Treffen für Patientenfürsprecher in Hannover, das unter dem Motto „Krankenhäuser zwischen Patientenwohl und Kostendruck“ steht. „Solche Fortbildungsinhalte sind für uns Fürsprecher auch wichtig.“ Schließlich müsse man ein Gespür dafür haben, wo die Grenzen des Machbaren eines Krankenhauses liegen. Einmal jährlich gebe es seitens des Bundesgesundheitsministeriums zudem ein Treffen in Berlin. Rinteln

Uwe Schlegel ist montags von 15 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr persönlich oder telefonisch unter (0 57 24) 95 80 10 92 in seinem Büro im Klinikum erreichbar. Außerhalb der Sprechzeiten ist die Kontaktaufnahme per E-Mail an patientenfuersprecher@ksl.agaplesion.de möglich.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare