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Weiterer großer Fund in Westfalen

„Einzigartige Spuren" - Archäologen finden Siedlung und Grabanlage in Porta Westfalica

PORTA WESTFALICA. Überraschung bei der Erschließung des neuen Logistikzentrums der Firma Grohe in Porta Westfalica: Bei den Arbeiten im Ortsteil Lerbeck haben Archäologen unter Fachaufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowohl eine Siedlung der Völkerwanderungszeit (knapp 375 bis 568) als auch auf eine etwa 3.000 Jahre alte Grabanlage entdeckt. Es seien „besonders schöne Funde, darunter bronzene Broschen und Grabbeigaben wie Keramik und Feuersteingeräte", wie aus einer LWL-Pressemitteilung hervorgeht.

veröffentlicht am 28.01.2021 um 11:58 Uhr

Für die Archäologen sei mit dem ersten Blick in die historischen Quellen zum Gelände rund um das Gewerbegebiet am Kirchwegklar gewesen, dass dort weitere Bodendenkmäler zu vermuten sind. „Dort, wo die Weser durch das Wiehen- und Wesergebirge bricht, liegt ein echter archäologischer Hotspot", erklärt Dr. Sven Spiong. Der Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen erläutert, dass das Wesertal bei Minden bereits seit mehr als 7.000 Jahren besiedelt sei. Bei Porta Westfalica würde es auf fruchtbare Böden stoßen, die ebenfalls bereits in den Jahrhunderten vor Christi Geburt beackert worden waren.

  

Für die Archäologie ist es ein weiterer großer Fund in Westfalen. Doch was passiert nun mit den Plänen der Firma Grohe und generell mit dem neuen Gewerbegebiet in Lerbeck? Das Unternehmen will sich bekanntlich in Zusammenarbeit mit der Firma Fiege deutlich vergrößern und mit einem neuen Logistikzentrum alle Warenströme in Lerbeck zentralisieren. In mehreren Abschnitten soll ein Hallenkomplex auf rund 44.000 Quadratmetern entstehen. Für dieses Vorhaben gab es einiges an Kritik. Ein Sprecher erklärte, dass der Erhalt und die Dokumentation der Funde an erster Stelle stehen würden. Die Firma habe sich mit den LWL-Archäologinnen und Archäologen abgestimmt, dass die Fundstellen überdeckt und so erhalten bleiben können.

Für die Arbeit des LWL sei das sehr wichtig, stellt Spiong klar. „Diese einzigartigen Spuren der Vergangenheit durften auf keinen Fall verloren gehen", erklärt er. Um herauszufinden, in welcher Fülle sie vorkommen, haben es LWL-Mitarbeiter zur Auflage gemacht, das knapp 80.000 Quadratmeter große Areal zunächst in langen Suchschnitten zu untersuchen. Auf diese Weise gewinnen die Planer ein wenig Zeit und haben die Möglichkeit, erste Bauarbeiten durchzuführen, während auf einigen Teilflächen weiterhin Archäologen ihrer Arbeit nachgehen.

Grabungsleiterin Jasmin Rüdiger ist nach wie vor angetan von dem Fund: „Zum einen haben wir in der Region an der Porta Westfalica zum ersten Mal eine Siedlung des sechsten Jahrhunderts entdeckt, zum anderen stießen wir erstmals in Porta Westfalica auf eine bronzezeitliche Grabanlage mit einem sogenannten Langbett, einem langrechteckigen Grabhügel." Dank der reichhaltigen Befundlage hat das Grabungsteam die Möglichkeit, das Verhalten der Siedlergemeinschaft in der Völkerwanderungszeit genauer zu studieren.

Bisher bekannt ist: Im sechsten Jahrhundert hat auf dem Gelände eine Gemeinschaft aus mindestens drei Familien für etwa ein bis zwei Generationen gelebt. Rüdiger erklärt: „Länger hielten die Holzhäuser mit den Holzpfosten im Boden damals nicht. Wahrscheinlich blieben die nachfolgenden Generationen in der Region und errichteten im weiteren Umfeld neue Höfe." Besonders schöne Funde stellen zwei bronzene Broschen dar, eine kleine vogelförmige Fibel und eine weitere mit zwei im Stil der Zeit dargestellten Tierfiguren.

„Das mehr als 3.000 Jahre alte Grab weist auf einen Menschen hin, dessen Familie in der Region damals eine gehobene Stellung innehatte", so der LWL. Allein der Aufwand für die Herstellung des Grabhügels, der von einem kleinen Graben eingefasst war, aber auch Beigaben wie Keramik, Feuersteingeräte und Ocker zum Färben der Haut oder Kleidung betonten den Status der hier bestatteten Person. mt/lo, r




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