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Der „Russian Circus on Ice“ kommt in der Rattenfänger-Halle ganz ohne gefrorenes Wasser aus

Eistanz ohne Eis am Samstag, 2. Februar, um 19 Uhr in der Rattenfänger-Halle

HAMELN. Die Rattenfänger-Halle wird zum Eispalast – so ließe sich mit Blick auf das kommende Wochenende schreiben. Allein: Es stimmt nicht so ganz. Sicher, am Samstag macht der „Russian Circus On Ice“ in Hamelns größter Halle Station.

veröffentlicht am 28.01.2019 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 28.01.2019 um 17:51 Uhr

„Ein Wintermärchen“ wird am Samstag in Hameln erzählt. Foto: agenda production International
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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HAMELN. Eine Eisrevue, deren Veranstalter, „Artistik, Glamour und höchste technische Perfektion auf Kufen“ verspricht. Kufen schon, Eis aber nicht. Denn für die Show wird überhaupt kein Wasser auf dem Hallenboden zum Gefrieren gebracht. Die Eisläufer tanzen auf Kunststoffplatten.

Physikalisch betrachtet ist deren Herstellung kein so einfaches Unterfangen: Beim Schlittschuhlaufen auf echtem Eis gleiten die Kufen auf einem dünnen Wasserfilm. Dieser bildet sich vor allem durch die Reibungswärme von Metall und Eisoberfläche. Wer eine Eislaufbahn synthetisch herstellen will, hat somit ein Problem: kein echtes Eis, kein Wasserfilm. Der Hersteller „Like-Ice“ bietet deshalb „selbstschmierende Eis“ an. Er versieht den Kunststoff Polyethylen mit Naturölen, Paraffinen, Emulgatoren und weiteren Zusätzen. Die Kufen der Eistänzer drücken so eine hauchdünne Schicht Gleitmittel aus dem Plastik. So erreiche man 80 Prozent der Gleitfähigkeit von frisch aufbereitetem echten Eis, heißt es.

Doch noch eine physikalische Herausforderung bietet das Schlittschuhlaufen: Beim Bremsen stellen Schlittschuhläufer die Kufen quer und lassen Eiskristalle fliegen. Ohne ein bisschen Abrieb ist echtes Eislaufen also nicht zu haben – auch nicht auf Plastikeis. „Rund 1,7 Kilogramm“ Kunststoff-Teilchen kratzen Eisläufer nach Angabe des Regensburgers Herstellers in einem Monat vom Kunsteis.

So aufwendig Entwicklung und Herstellung der Platten, so einfach dann der Aufbau: Die PE-Platten werden als große Puzzleteile auf den Hallenboden gelegt. Bis zu 20 Jahre sollen sie halten, rechnet „Like-Ice“. Die Firma macht seit einigen Jahren übrigens gute Geschäfte in Fernost, war im vergangenen Jahr in der „Frankfurter Allgemeinen“ zu lesen: Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking investiert China eifrig in Trainingsstätten.

Doch zurück zur Show: Seit 50 Jahren reißt der Eiszirkus „Russian Circus on Ice“, beheimatet in Berlin, durch die Welt: Akrobaten, Jongleure, Hochseilkünstler, Clowns und natürlich Eiskunstläufer. Nun steht also Hameln auf dem Tourplan. Erzählt wird „Ein Wintermärchen“, so der Titel der Show: In einem fernen Märchenland lebt eine bezaubernde Winterfee. Als ihr Geburtstag naht, lädt sie alle ihre Freunde aus nah und fern zum großen Ball ein: der Nussknacker, Alice aus dem Wunderland, die Schneekönigin, Prinzen und Feen geben sich die Ehre.

In Szene gesetzt wird dieses Märchen – unterstrichen von Lichtdesign und 3D-Projektionen – als Eisshow. Eine Eisshow auf Polyethylen.


Termin: Russian Circus on Ice: Ein Wintermärchen, Samstag, 2. Februar, 19 Uhr, Rattenfänger-Halle, Hameln.




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