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Stadthäger legt Kabel in seine Hose und lässt sich Stromstöße verpassen / Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Elektrosex mit ahnungslosen Kindern

STADTHAGEN/BÜCKEBURG. Elektrosex heißt eine sexuelle Spielart, bei der Menschen es erregend finden, ihre Geschlechtsteile mit Stromstößen zu stimulieren. Strafbar ist das nicht. In Stadthagen hat ein erwachsener Mann jedoch minderjährige Jungen dazu gebracht, Tasten eines Reizstromgerätes zu drücken, dessen Kabel in seine Hose führte.

veröffentlicht am 13.02.2019 um 12:08 Uhr

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Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen hat das Landgericht in Bückeburg den 39-Jährigen gestern zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt nannte die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern ein hohes Schutzgut.

Zur Auflage machte die 1. Große Jugendkammer dem nicht vorbestraften Angeklagten, Vorgespräche mit einem Arzt zu führen, ob in seinem Fall eine Therapie nötig ist. Außerdem muss er 60 Stunden gemeinnützig arbeiten. Der 39-Jährige lebt zwischenzeitlich in einer weit entfernten Stadt.

Für den Prozess hatte Richter Norbert Kütemeyer vier Sitzungstage anberaumt und sieben Zeugen geladen, darunter die Kinder. Weil der Angeklagte ein Geständnis ablegte, war die Verhandlung bereits mittags beendet, Zeugen wurden nicht mehr gebraucht.

Zugunsten des früheren Stadthägers werteten die Richter, dass den Kindern, zur Tatzeit zehn bis zwölf Jahre alt, eine Aussage erspart blieb. Vermutlich wäre ihnen erst durch die Vernehmung bewusst geworden, was damals passiert ist. Sie hätten „keinerlei Wahrnehmung gehabt, dass es sich um eine Sexualtat handelte“, so Verteidiger Ralf Jordan.

Opfer war jeweils ein anderer Junge. In seine Stadthäger Wohnung hatte der Mann die Nachbarskinder mit dem Versprechen gelockt, an der Playstation spielen zu dürfen. Während die Jungen dies taten, soll der Hausherr sie sinngemäß ermuntert haben, auch auf die Taste am daneben liegenden Reizstromgerät zu drücken. Dann fing er an zu stöhnen. „Es gab keinen Körperkontakt“, erklärte Richter Kütemeyer.

Zur ersten Tat soll es im Sommer 2015 gekommen sein, die zweite wird auf April 2016 datiert. Nach Erkenntnissen des Gerichts sind keine weiteren Übergriffe dazugekommen. Im Fall des Angeklagten geht das Gericht zudem von einer positiven Sozialprognose aus, die Voraussetzung für Bewährung ist. Der 39-Jährige hat einen Halbtagsjob und pflegt in der restlichen Zeit seine kranke Mutter.

Elektrosex, so Verteidiger Jordan, sei „eine ungewöhnliche Sexualpraktik, die aber in der Praxis sehr häufig angewendet wird“. Etliche Menschen mögen dies erotisch finden, es gibt aber auch warnende Stimmen. Als größtes Risiko wird im Internet ein elektrischer Schock genannt. ly




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