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Im neuen Jazzclub werden die Künstler auf einem echten Steinway-Flügel spielen können

„Er ist wunderbar“

HAMELN. „Wenn man einmal daran sitzt, möchte man kaum wieder aufstehen“, sagt Hans-Martin Zimmermann, während er auf dem Steinway-Flügel spielt und sich am Klang erfreut. Ein brillanter Klang, im unteren Bereich voll, im oberen glockenähnlich. „Ein Alleskönner, der dem Pianisten das zurückgibt, was er von ihm haben will“, sagt der Klavierbauer. Solange der Flügel noch in seinem Geschäft an der Emmernstraße steht, setzt er sich oft mittags hin und spielt ein wenig – aus reinem Hörgenuss. Doch die Tage sind gezählt. Das wertvolle Instrument wird bald in Hamelns neuem Jazzclub Doubletime stehen, der im Oktober am Ostertorwall eröffnet.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 19:20 Uhr

Ein Pfund, mit dem die Macher wuchern können: Für den Jazzclub Doubletime, der im Oktober eröffnen soll, haben die Macher einen Steinway-Flügel gekauft. fotos: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Der Flügel ist ein Pfund, mit dem die Macher wuchern können: Die Zahl der sogenannten „Steinway-Artists“, also Pianisten, die nur auftreten, wenn ein Modell dieses Herstellers auf der Bühne steht, ist enorm hoch. „A Steinway is a Steinway and there is nothing like it in the world“ (Ein Steinway ist ein Steinway, es gibt nichts Vergleichbares in der Welt) schwärmte Tastenlegende Arthur Rubinstein, der Zeit seines Lebens einen Steinway D aus Hamburg bespielte.

Das dachte sich auch Boris Faehndrich, Motor des neuen Jazzclubs Doubletime. Anfang des Jahres war er auf der Suche nach einem Steinway mit Musiklehrer Rüdiger Meier zu Zimmermann gekommen. Der machte sich auf die Suche und wurde schon drei Wochen später in Leipzig fündig. Vielleicht, weil es ihm eine Herzensangelegenheit war. „Als die beiden in meinem Geschäft standen, waren wir uns nach zwei Minuten einig. Ich wusste, das sind die Richtigen für das Projekt.“ Branchenkenner Zimmermann, der jahrelang die Jazzmusikaktivitäten am Hefehof begleitet hat, findet es toll, was der Verein mit dem neuen Club für Hameln auf die Beine stellen will. Er glaubt nicht, dass die beiden Veranstalter einander im Wege stehen werden, da sie unterschiedliche Ansätze verfolgten. Zum anderen belebe Konkurrenz das Geschäft.

Gefunden hat Hans-Martin Zimmermann den Steinway bei einem Kunden, der einen größeren Flügel brauchte, erzählt Zimmermann. Er habe all seinen Mut zusammengenommen und gefragt, was mit dem alten Instrument passieren soll. Hat abgewartet, verhandelt und letztlich zugeschlagen. Ein guter Kauf, ist der Klavierbauer überzeugt.

Der Salonflügel, genauer: ein Steinway & Sons O 180 Konzertflügel mit Elfenbeintastatur aus der Hamburger Manufaktur, ist von 1956, „einer sehr guten Zeit“. An vielen restaurierten Modellen aus der Vorkriegszeit sei zu viel repariert worden. Am Resonanzboden des Leipziger Flügels sei indes noch nie etwas gemacht worden und die mittlere Größe des Flügels – er ist 1.80 Meter lang und wiegt 500 Kilogramm – sei genau richtig für den Klangraum des Clubs.

Die Herstellung der Steinway-Flügel basiert auf der Grundlage des sogenannten „Steinway Systems“, für das die Manufaktur bis heute über 125 Patente entwickelt hat. Bei den in Handarbeit gebauten Instrumenten besteht allein das gebogene Gehäuse aus bis zu 20 Hartholzschichten – kein Flügel klingt wie der andere.

Besonders geschätzt wird von Kennern die Klangstabilität. „Die Töne tragen lange aufgrund der besonderen Konstruktion des Resonanzbodens“, sagt Hans Martin Zimmermann.

Wie der Leipziger Flügel klingen wird, habe er allerdings vorher nicht gewusst. Er war nicht gestimmt. „Das war schon ein bisschen verrückt, aber ich habe ihn gesehen und mir war klar: Das wird gut.“ Nach der Ankunft des Instruments in Hameln habe er sich an die Arbeit gemacht und ihn bis spätabends gestimmt. „Das war sehr spannend.“

Das Spielen hat sich Hans-Martin Zimmermann allerdings für den nächsten Morgen aufgehoben. Die anschließende E-Mail an Boris Faehndrich lautete: „Er ist wunderbar.“




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