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Mordprozess in einer wichtigen Phase / Verteidiger: Mandant war zur Tatzeit nicht im Raum

Ex-Geliebte belastet Uwe K. erneut

LAUENAU/HILDESHEIM. Im Mordprozess gegen Uwe K. aus Lauenau ist die Vernehmung der früheren Geliebten des 47-Jährigen fortgesetzt worden. Insgesamt sind dafür vier volle Sitzungstage eingeplant. Behandelt werden die Zeiträume vor, während und nach der Tat. Dies zeigt, welche Bedeutung das Hildesheimer Schwurgericht der Aussage beimisst. „Ich finde es insgesamt ausgesprochen angenehm, wie gründlich die Kammer ist“, sagt Christoph Hessel, Verteidiger von Uwe K.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 17:39 Uhr

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LAUENAU/HILDESHEIM. Im ersten Prozess in Bückeburg hatte die Ex-Geliebte den Angeklagten schwer belastet, was am Ende mit zu dessen Verurteilung beitrug. Auch diesmal gab die frühere Zirkusartistin an, in einem Versteck zur Zeugin der Bluttat geworden zu sein. Dies ist jedoch nur ein Teil der zu erwarten Aussage, in der zum jetzigen Zeitpunkt voraussichtlich noch viele Details fehlen.

Am Donnerstag, 6. Dezember, ab 9 Uhr wird die Frau nämlich auch von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zum mutmaßlichen Tatgeschehen befragt. Dann geht es erneut um das, was am Mittag des 27. Mai 2015 im Zwischentrakt des Wohn- und Geschäftshauses passiert sein soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Handwerksmeister vor, seine Frau Ines (42) mit einem Kantholz niedergeschlagen und anschließend mit mehreren Müllsäcken erstickt zu haben, um mit seiner Geliebten ein neues Leben beginnen zu können. Uwe K. bestreitet die Vorwürfe und belastet seinerseits die Ex-Geliebte.

In Bückeburg war die Frau ebenfalls an mehreren Tagen vernommen worden. Sie hatte zunächst behauptet, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein, dann aber die eigene Aussage am nächsten Tag widerrufen. „Er hatte einen Balken in der Hand und schlug ihr auf den Kopf“, machte sie eine Kehrtwende. Danach will die Belastungszeugin gesehen haben, „wie er Tüten holte“.

Die erstinstanzlichen Richter glaubten ihr und zählten darüber hinaus in der Urteilsbegründung eine Reihe von Indizien auf, die aus Sicht der Kammer zusätzlich für die Schuld des Angeklagten sprechen. Das Urteil: elf Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags. Weil das Bückeburger Gericht einem Beweisantrag der beiden Rechtsanwälte nicht nachgegangen war, hob der Bundesgerichtshof die Entscheidung in der Revision auf.

Erklärtes Ziel der Verteidigung ist auch im zweiten Anlauf ein Freispruch. „Es ist noch zu früh, um sagen zu können, wie der Prozess sich weiter entwickeln wird“, so Hessel. „Erst einmal warte ich die endgültige Aussage der früheren Geliebten ab“, erklärt er. „Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass ihre Version des Tathergangs unwahr ist. Und ich gehe nach wie vor davon aus, dass mein Mandant nicht im Raum war, als die Tat begangen wurde.“

In Bückeburg (41 Verhandlungstage) hatte die Verteidigung 57 Beweisanträge gestellt. Nur einem Teil davon war das dortige Schwurgericht nachgegangen. Wiederholt hatten die Anwälte erklärt, dass sie die Ex-Geliebte für die Täterin halten – allein oder mit Komplizen.

Von 30 Sitzungsterminen, die der Vorsitzende Richter Peter Peschka in Hildesheim anberaumt hat, sind 13 gelaufen. Nach dem bisherigen Zeitplan soll das Urteil im Februar verkündet werden. ly




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