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Zweiter Entwurf zu Deutschlandtakt veröffentlicht: A 2-Variante nicht enthalten / ICE soll durch Stadthagen fahren

Fährt der ICE künftig unterm Ida-Turm?

Überraschung beim zweiten Gutachterentwurf zum Deutschlandtakt: Obwohl Staatssekretär Enak Ferlemann explizit einen Trassenausbau entlang der A2 als „Vorzugsvariante“ bezeichnet hat, sieht der Entwurf weiterhin eine Trassenführung durch Stadthagen vor. Das würde einen Tunnel durch das Wesergebirge und durch den Harrl notwendig machen.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 16:27 Uhr
aktualisiert am 09.05.2019 um 17:00 Uhr

Trotz A2-Bekenntnis von Staatssekretär Enak Ferlemann: Der zweite Gutachterentwurf sieht keine Trasse abseits der A2, sondern eine mit einem Tunnel durch den Harrl vor. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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LANDKREIS. Wo genau sollen in Zukunft Fernzüge mit 300 Stundenkilometer durch Schaumburg fahren? Seit dem ersten Gutachter-Entwurf des Zielfahrplans 2030plus für den Deutschland-Takt aus dem Oktober 2018 wird darüber heftig spekuliert (wir berichteten). Die seinerzeit veröffentlichte Netzgrafik ließ schnell die Vermutung eines Verlaufs nahe oder entlang der Autobahn A 2 aufkommen. Solchen Spekulationen gab das Bundesverkehrsministerium selbst Auftrieb, als der für den Bahnausbau zuständige Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann Anfang März von einer „Vorzugsvariante“ an der A 2 sprach. Doch die Veröffentlichung des zweiten Gutachter-Entwurfs im Rahmen des „Schienengipfels“ am Dienstag dieser Woche im Bundesverkehrsministerium birgt ein Detail, welches Rückschlüsse auf eine völlig andere Planung zulässt.

Dabei ist dieses Detail noch nicht einmal neu: Bereits im ersten Entwurf vom Oktober fiel auf, dass die neuen Fernverkehrslinien FV10 und FV47 zwischen Vlotho und Rinteln nach Norden führen und dabei den Bahnhof Stadthagen passieren. Eine Bahnstrecke an der A 2 durch das Auetal wäre somit unmöglich, vielmehr würde dies auf eine Route nördlich des Bückebergs in Richtung der Bestandsstrecke hinauslaufen.

Das sei vermutlich ein Flüchtigkeitsfehler, urteilte Rainer Engel, Pressesprecher der Initiative Deutschland-Takt und stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn NRW, im Gespräch mit unserer Zeitung vor kurzem. Er machte das unter anderem daran fest, dass auf einer solchen Route die für den Deutschland-Takt erforderliche Fahrzeitersparnis gar nicht zu erreichen sei. Der Lapsus sei den Gutachtern der beauftragten Schweizer Firma SMA & Partner in der Hektik kurz vor dem Abgabetermin im Oktober unterlaufen und werde sicher im zweiten Entwurf des Zielfahrplans 2030plus korrigiert.

Wurde er jedoch nicht. Jetzt, nachdem die Spezialisten fünf Monate Zeit gehabt hätten, ihren Fahrplan an dieser Stelle anzupassen, haben sie genau dieses nicht getan. Auch in dem seit dieser Woche vorliegenden zweiten Gutachter-Entwurf für den Deutschland-Takt führen die beiden Fernverkehrslinien FV10 und FV47 über den Bahnhof Stadthagen. Hinzugekommen ist eine dritte Linie „FR 92“. Die Abkürzung „FR“ steht für „Fernverkehr oder schneller Regionalverkehr“, und sie führt entlang der beiden bereits bekannten Linien ebenfalls über Stadthagen.

Die neue Netzgrafik dürfte die Spekulationen über die tatsächlichen Absichten des Bundesverkehrsministeriums völlig auf den Kopf stellen. Denn eine Route, die von Bielefeld kommend zwischen Vlotho und Rinteln Richtung Norden mit einem möglichst geradlinigen Verlauf nach Stadthagen führt, würde unweigerlich einen Tunnel durch das Wesergebirge bei Kleinenbremen und anschließend durch den Harrl erforderlich machen.

Überrascht und irritiert zeigte sich Rainer Engel von dem Fahrplan-Detail und den daraus folgenden weitreichenden Rückschlüssen. Auch er geht – ganz entgegen ursprünglicher Annahme – nun von einem Verlauf der Neubautrasse durch den Harrl und dann „hart an Bückeburg vorbei“ nach Stadthagen aus. Mit einer solchen Vorfestlegung werde ein Bürgerdialogverfahren „zur Farce“, kritisierte der erklärte Neubau-Befürworter.jp




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