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Betroffene Altenhäger klagen weiterhin über Motorradlärm / Tempolimit bleibt oftmals unbeachtet

„Fahren stundenlang hin und her“ und nerven

Messenkamp/Altenhagen II (nah). Der Ärger von Einwohnern in Altenhagen II über störenden Motorradlärm von der nahen Kreisstraße 61 zwischen Messenkamp und Nienstedt hält unvermindert an. Inzwischen weitet er sich sogar auf hiesige Behörden aus: „Polizei, Verwaltung und Politiker lassen uns im Stich“, glauben Kay Kietzke und Babette Choyna. Sie stehen mit ihrer Kritik nicht allein: Mit einer langen Unterschriftsliste werden aus dem Ort schon seit Jahren Schritte seitens der Verwaltung gefordert.

veröffentlicht am 23.05.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:42 Uhr

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Der Protest richtet sich nicht gegen Motorradausflügler im Allgemeinen. „Die können ruhig fahren“, betont das Paar, das am Ortsrand von Altenhagen vor Jahren ein Haus gebaut hat. Ihre Kritik richtet sich gegen die „Rennsportbegeisterten“, die „bei schönem Wetter stundenlang auf der Straße hin und her fahren“.

Im vergangenen Jahr hatten sie noch gehofft, es würde sich endlich etwas ändern. Doch bis auf eine vor wenigen Wochen erfolgte Tempobegrenzung in den engen Kurven des Kappenbergs auf 50 Kilometer pro Stunde tat sich nichts. „An die Verkehrszeichen hält sich doch niemand“, sind sich die beiden sicher.

Ein Blick ins Internet gibt ihnen recht: Auf „YouTube“ hat sich vor wenigen Wochen ein Biker selbst verewigt, indem er seine rasante Tour bergauf und bergab filmte – mit hohem Tempo an den reglementierenden Verkehrszeichen vorbei. Daneben gibt es etliche weitere Kurzfilme, die den Missbrauch der Landstraße als Rennstrecke belegen.

Was Kietzke und Choyna besonders erbost, ist die Ankündigung der Behörden, den Unterfahrschutz bei Leitplanken zu verbessern. „Damit wird die Strecke für die Rennfahrer noch sicherer gemacht“, schimpfen sie: „Wer schützt uns Anwohner vor dem Lärm?“

Sonnabendnachmittag bei frühsommerlicher Witterung am Kappenberg: Auf dem kleinen Wendeplatz fachsimpeln wenigstens drei Dutzend Motorradfahrer miteinander. Immer wieder setzen sich einige auf ihre Maschine. Laut heulen die Motoren auf der kurvigen Fahrt bis hinunter zu den ehemaligen Müllkippen. Dort wenden sie und fahren mit Vollgas retour.

„Die sind verrückt“, sagt ein Mann, der mit dem Krad seines Sohnes über den Deister gekommen ist und sich das Treiben auf der Straße aus der Distanz ansieht. Seit einem eigenen schweren Unfall am Nienstedter Pass ist er vorsichtig geworden. „Aber einige junge Fahrer sind unberechenbar und leichtsinnig“, hat er beobachtet: „Mit Stahlkappen auf den Kniescheiben legen sie sich in die Kurve.“ Und auch er bestätigt die regelmäßigen Wettfahrten auf Teilabschnitten der Kreisstraße. Unterdessen flüchten die ersten Altenhäger wegen des anhaltenden Lärms von ihrer Terrasse: Zu viel Krach hallt vom Kappenberg herüber.

In der jüngsten Antwort des Landkreises auf die inzwischen mehrfache Korrespondenz räumt die Verwaltung ein, dass sich Anwohner durchaus gestört fühlen könnten. Doch ansonsten blieb es bei ausweichenden Auskünften wie dem Hinweis auf schalltechnische Lärmberechnungen, die keine Grenzwerte ergeben hätten. Allerdings hat der Landkreis beim Nenndorfer Polizeikommissariat verstärkte Tempoüberwachungen angeregt.

„Die machen wir auch“, bestätigt Leiter Michael-Andreas Meier. Er habe „vollstes Verständnis für die Kritik der Einwohner“, doch sei „das Problem schwer zu greifen“. Die kurvenreiche Strecke lasse nur schwerlich Tempomessungen zu. Außerdem spreche sich Polizeipräsenz unter den Bikern schnell herum. Aktuell plane das Kommissariat aber Aktionen für die Sommermonate. Wie diese aussehen, wollte der Erste Kriminalhauptkommissar jedoch nicht weiter mitteilen.




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