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Polizei prüft sonderbare Aussage

Fall „Milo“: Wurde Terrier ausgesetzt, weil er krank war?

HAMELN. Der Jack-Russell-Terrier, der am 8. April im eisigen Wasser eines Bachs am „Rettigs Grund“ in der Hamelner Nordstadt gefunden wurde und wenige Tage später aufgrund seines schlechten Allgemeinzustands eingeschläfert werden musste (wir berichteten), war offenbar schwer herzkrank.

veröffentlicht am 03.06.2019 um 00:00 Uhr

Jack-Russell-Terrier „Milo“ musste eingeschläfert werden. Foto: pr.
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Das habe eine Untersuchung des Tierkörpers im Veterinärinstitut in Hannover ergeben, sagte Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera.

Das vom heimischen Tierheim hinzugezogene Kreisveterinäramt hatte die medizinischen Nachforschungen veranlasst. Bislang gibt es nur ein vorläufiges Autopsie-Ergebnis, das dem 3. Fachkommissariat vorab mündlich übermittelt wurde. Kreissprecherin Sandra Lummitsch teilte auf Anfrage mit, die pathologisch-anatomische Untersuchung des Tierkörpers habe keine Befunde für das Vorliegen eines Straftatbestandes nach dem Tierschutzgesetz zutage gefördert. Soll heißen: Hinweise auf eine Misshandlung des Hundes haben sich nicht ergeben. Dennoch wurden „gegen die tierhaltende Person und eine Betreuungsperson ordnungsbehördliche Maßnahmen nach dem Tierschutzgesetz eingeleitet“. Weshalb, wollte die Sprecherin mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

Das, was ein Mann, der behauptet, ihm sei der Hund bei einem Spaziergang weggelaufen, den Ermittlern gesagt hat, wirft Fragen auf. Der kleine Jack-Russell-Terrier war zuletzt nicht mehr ansprechbar, hatte Blut ausgeschieden und litt unter Krämpfen. Nach mehreren tierärztlichen Untersuchungen war klar: Der Hund wird nicht wieder auf die Beine kommen. Tierarzt Kurt Barz, der versucht hatte, dem abgemagerten Terrier zu helfen, sagte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Der Hund lag nur noch auf der Seite; er zitterte und krampfte. Zuletzt hat er keine Flüssigkeit mehr zu sich genommen.“ Deshalb wurde er von seinem Leid erlöst. Der Rüde hatte einen Chip. Deshalb ist bekannt, dass er Milo hieß. Die Organisation, bei der der Hund registriert wurde, zögerte zunächst aus Gründen des Datenschutzes, den Namen des Halters zu nennen. So war zunächst nur bekannt, dass der Terrier Milo heißt und dass er nicht als vermisst gemeldet worden war.

Kommissarin Anna-Christin Schönewald nahm die Sache in die Hand und stellte ein Auskunftsersuchen. Die Polizei habe jedoch keine Informationen erhalten. „Die Organisation hat sich aber gegenüber dem Veterinäramt geäußert“, sagte die Polizeioberkommissarin. Unbekannt ist nach wie vor, ob der kleine Hund ausgesetzt wurde – womöglich, weil er krank war und hohe Tierarztkosten verursacht hätte – oder ob er tatsächlich ausgebüxt ist. Der körperliche Zustand des kleinen Terriers hatte die Tierpfleger erschreckt: „Einen dermaßen abgemagerten Hund sehen wir hier zum Glück nicht alle Tage. Das ist schon heftig“, sagte Heidi Ballermann, die das Tierheim Hameln gemeinsam mit Claudia Gebhardt leitet. Das Kreisveterinäramt sieht dennoch keine Hinweise auf eine Misshandlung und zweifelt offenbar die Einschätzung der Tierheim-Leiterin an: „Eine pathologisch-anatomische Untersuchung ist wesentlich aussagekräftiger als die bloße Inaugenscheinnahme eines Tieres bezüglich des Ernährungszustandes“, teilte Sandra Lummitsch auf Anfrage mit.

Inzwischen hat die Polizei die Hundehalterin und deren Partner befragt. Der Mann hat angegeben, er sei mit Milo Gassi gegangen. Der Terrier sei weggelaufen, behauptet er. „Weshalb er den Hund nicht als vermisst gemeldet hat, konnte oder wollte er uns nicht mitteilen“, sagte Oberkommissarin Heineking-Kutschera. Angeblich ist der Jack-Russell-Terrier an dem Tag ausgebüxt, an dem er gefunden wurde. Wenn das stimmt, stellt sich die Frage, weshalb sich der Hund da schon nicht mehr auf den Beinen halten konnte (er war schwer krank und völlig entkräftet, konnte nicht gehen).

Die Personen, in deren Obhut sich der Hund befand, waren den Behörden schon im Vorfeld bekannt. Den Kontrolleuren ist nach Angaben der Kreisverwaltung nichts Verdächtiges aufgefallen. „Die in Rede stehende Hundehaltung war bereits aktenkundig – und es hat Vorortkontrollen gegeben.“ Allerdings seien dabei „keine gravierenden Mängel festgestellt worden“. Der Vorgang sei aus Gründen weiterer Ermittlungen an die Polizei weitergeleitet worden, sagte Kreissprecherin Sanda Lummitsch. Der Zentrale Kriminaldienst wird noch Antworten auf offene Fragen finden müssen, bevor der Fall zur weiteren Entscheidung an die Staatsanwaltschaft Hannover abgegeben werden kann.




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