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Weil der Hauseigentümer Schulden hat, sperren die Stadtwerke die Versorgung

Familien tagelang ohne Wasser

STADTHAGEN. Drei Tage ohne Wasser mussten am vergangenen Wochenende drei Familien mit kleinen Kindern in Stadthagen ausharren – die Stadtwerke hatten die Zufuhr gesperrt. Dabei sind die Mieter unverschuldet in diese Situation geraten, hatten sie ihre Miete mitsamt Nebenkosten doch pünktlich an den Vermieter bezahlt. Der Hauseigentümer hatte das Geld jedoch nicht weitergeleitet.

veröffentlicht am 17.04.2019 um 00:00 Uhr

Drei Tage lang sind drei Familien von der Wasserversorgung abgeschnitten gewesen. Foto: dpa

Autor:

Mira Colic
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Für Rechtsanwalt Bilgin Abaci, der sowohl den Hauseigentümer als auch die Mieter vertritt, ist es vollkommen unverständlich, „warum sich die Stadtwerke Schaumburg-Lippe so stur gestellt haben“. Am Montagmorgen sind die Stadtwerke der einstweiligen Verfügung des Amtsgerichts Stadthagen gefolgt und haben das Wasser wieder aufgedreht.

In einem Eilverfahren vor dem Amtsgericht seien die Stadtwerke zur Weiterversorgung des Objekts mit Wasser verpflichtet worden. Der Beschluss sei schon am Freitag gegen 14.30 Uhr zugestellt worden. „Dennoch blieben die Stadtwerke untätig“, kritisiert Abaci.

Matthias Kreipe, Leiter der Vertragsabrechnung, wehrt sich: „Der Beschluss ist bei uns so spät eingetroffen, dass wir nicht mehr reagieren konnten.“ Außerdem sei den betroffenen Mietern in der Vorwoche angeboten worden, eine sogenannte Mieter-Notgemeinschaft zu gründen, bei der sie ihre Zahlungen direkt an die Stadtwerke leisten. „Auf unser Angebot hat aber niemand reagiert“, so Kreipe.

Deshalb sei ihnen letztlich keine andere Wahl geblieben, als den Anschluss zu sperren. Zumal der Eigentümer die Zahlungen schon im vergangenen Jahr eingestellt habe. Bereits im Mai 2018 sei das Wasser erstmals abgestellt worden. Erst Anfang dieses Jahres habe der Versorger bemerkt, dass sich widerrechtlich wieder Zugang verschafft worden war. Es geht um Forderungen im vierstelligen Bereich. Kreipe spricht von einem Ausnahmefall, dass ein Mehrfamilienhaus von solch einer Maßnahme betroffen ist. „Das ist natürlich sehr bedauerlich.“

In der Vergangenheit haben sich nach Auskunft von Abaci Schulden des Eigentümers angehäuft, nachdem dieser geschäftsunfähig geworden war. „Dafür können aber die Mieter nichts.“ Die Stadtwerke hätten bereits Anfang Februar das Frischwasser gekappt, „ohne die Maßnahme anzukündigen und ohne sich darüber zu informieren, wer das Objekt nutzt“.

Auch damals habe er eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts erwirken können. „Meiner Ansicht nach muss ein Versorger nicht unbedingt abwarten, bis ein Gerichtsvollzieher ihn zum ordnungsmäßigen Handeln auffordert, zumal so viele Kleinkinder in den insgesamt drei Haushalten leben.“




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