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Heimische Wehren üben regelmäßig

Feuerwehren bereit für den Ernstfall: wie historische Gebäude in Schaumburg geschützt werden

LANDKREIS. Brennt eines der kirchlichen Baudenkmäler in Schaumburg, sind die heimischen Wehren vorbereitet. Mit regelmäßigen Übungen und Begehungen bereiten sich die Ehrenamtlichen auf den Ernstfall vor. Ausschließen lässt sich ein verheerendes Feuer wie am Montag in Notre-Dame dennoch nicht. Denn die historischen Gebäude verlangen den heimischen Wehren im Brandfall Höchstleistungen ab.

veröffentlicht am 17.04.2019 um 16:54 Uhr
aktualisiert am 17.04.2019 um 17:32 Uhr

Nur unter dem Einsatz ihres Lebens konnte die Feuerwehr am 12. Dezember 1962 verhindern, dass die Stadtkirche ein Raub der Flammen wurde und einstürzte. Später zahlte die Versicherung eine Million D-Mark als Entschädigung. Foto: Archiv Feuerwehr Bück

Autor:

Frank Westermann, Jakob Gokl, Raimund Cremers,
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Alle drei bis vier Jahre übt man im Kloster Möllenbeck daher den Ernstfall. Zusätzlich sieht sich die Feuerwehr jedes Jahr in den spätmittelalterlichen Klosteranlagen um. Besonders wichtig ist es, da sich im Kloster auch das Jugendfreizeitheim mit teilweise über 100 Gästen sitzt. „Im Ernstfall geht der Personenschutz also vor.“ Zweitrangig gehe es um „Schadensbegrenzung am Kloster.“ Besonders schwierig sind laut Dinter die langen Wege im Kloster, bis man Notausgänge erreichen kann.

Pastorin Ute Schulz erinnert daran, dass der Klosterbau vor Jahrhunderten bereits zweimal abgebrannt ist. 1448 und beim anschließenden Wiederaufbau 1492 wüteten die Flammen. Bei Letzterem brannte insbesondere die wertvolle Bibliothek ab. Dabei starb auch Bibliothekar Arnold von Buckenhausen, er hatte wahrscheinlich versucht, noch wertvolle Bücher zu retten. Im Ernstfall ginge für Pastorin Schulz heute das Retten aller Personen im Kloster vor. „Die wertvollen Wandgemälde kann man leider nicht abnehmen.“ Mit High-Tech versucht man heute, so eine Katastrophe präventiv zu verhindern. Für etwa 20 000 Euro wurde gerade die Brandmeldeanlage in der Jugendfreizeitstätte erneuert.

Bei einem Großbrand im Stift Obernkirchen oder in der Kirche wird es für die Feuerwehr eng, und zwar im Wortsinne: Das Gelände ist zwar sehr weitläufig, erklärt Obernkirchens Stadtbrandmeister Volker Schramm, „aber auch sehr eng und verbaut“. Die Folge im Einsatz für die Männer in Blau: „Sie müsse viel laufen und das kostet Zeit“. Pläne für einen Einsatz gebe es, so Schramm, „wie in jedem Unternehmen, die letzte Übung habe man vor zehn Jahren durchgeführt. Im Brandfall würde Vollalarm ausgelöst, es würde also jede Wehr der Stadt alarmiert, anschließend werde entschieden, ob die Bückeburger Wehr ausrücken müssten, weil sie eine Drehleiter hätte. Mangelnde Drehleitern, so Schramm, wären aber generell kein Problem, denn auch in Rinteln oder Stadthagen würde es entsprechende Feuerwehrfahrzeuge geben. Unter anderem, sagt Schramm: Vier oder fünf kriegen wir schon zusammen.“ Und ganz so hoch wie Notre-Dame in Paris seien Stift und Kirche ja nicht.

Seit dem Großbrand der Stadtkirche Bückeburg am 12. Dezember 1962 um 4.30 Uhr, als die Zerstörung der Kirche nur unter zum Teil lebensgefährlichen Einsatzbedingungen der Feuerwehr gerettet werden konnte, steht das Baudenkmal bei der Stadtkirchengemeinde und der Feuerwehr Bückeburg-Stadt ganz oben auf der Prioritätenliste. Es wurde eine Brandmeldeanlage mit direktem Draht zur Einsatzzentrale installiert, die ständig erneuert und auf den neuesten Stand gebracht wird.

Erst kürzlich wurden nach Angaben von Oberprediger Wieland Kastning die Übertragungssysteme erneuert, ebenso alle elektrischen Leitungen gegen neue ausgetauscht. Vierteljährlich wird der komplette Brandschutz von einer Fachfirma überprüft, ebenso regelmäßig die Feuerwehrzufahrten. Die Feuerwehr führt regelmäßige Begehungen der Kirche insbesondere mit ihren Führungskräften durch. Kastning: „Wir haben alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen und unsere Lehren aus 1962 gezogen.“ Damals hatte ein bis heute unbekannter Brandstifter im Bereich der Orgel gezündelt und erheblichen Schaden angerichtet. Nach dem Brand musste das Kreuzgewölbe über der Orgel mit überputzten Metallbändern stabilisiert werden, ebenso das Gewölbe im Eingangsbereich, wo es 1965 ein zweites Mal brannte.

Auf der Schlossinsel Rodenberg wurde erst vergangenes Jahr nachgerüstet, um für ein Feuer gewappnet zu sein. Das ehemalige Ständehaus, in dem heute das Heimatmuseum der Stadt untergebracht ist, wurde nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla 2018 mit einer hochmodernen Brandschutzanlage ausgerüstet. Die löst nicht bloß Alarmsignale aus, sondern meldet sich im Falle eines Feuers direkt in der Notrufzentrale. So können Feuerwehr und Polizei schnellstmöglich ausrücken.

Obwohl ein anderes städtisches Baudenkmal, die Rodenberger Windmühle, erst 2005 von einem schweren Brand betroffen war, der übrigens ebenso wie bei Notre-Dame tagsüber während laufender Bauarbeiten ausbrach, hatte das Heimatmuseum Priorität, erklärt Hudalla. „Die Schlossinsel ist deutlich isolierter, ein Feuer würde niemand sofort mitbekommen.“ Trotzdem sei bereits in Planung, auch bei der Windmühle nachzubessern.

Aufgrund des Holzgebälks sei ein Brand immer eine große Gefahr für das Mausoleum Stadthagen, sagt Dietmar Weh, Leiter der Bauabteilung der Hofkammer Bückeburg. Die Sicherung von historischen Gebäuden gestalte sich zudem schwierig, weil etwa Löschleitungen nicht sichtbar sein sollen. Dass es besondere Vorkehrungen gebe, um den im Jahr 1627 fertiggestellten Bau zu schützen, sei ihm nicht bekannt. rnk, jak, rc, lht, col




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