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Wartezeit bei Steuererklärungen

Finanzamt Stadthagen: Mehr als sechs Monate warten

LANDKREIS. Das Finanzamt Stadthagen bestätigt: Ja, wir haben Probleme. Teilweise müssen Steuerzahler sechs Monate warten, bis sie ihren Steuerbescheid erhalten. Wichtigster Grund sind personelle Probleme. Hat sich das Finanzamt nicht rechtzeitig um neue Beamte gekümmert?

veröffentlicht am 21.01.2019 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 22.01.2019 um 14:06 Uhr

Wer seine Steuererklärung in Stadthagen abgibt, muss sich mitunter gedulden. Foto: rg

Autor:

Jan-Christoph Prüfer
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LANDKREIS. Das Finanzamt Stadthagen bestätigt: Ja, wir haben Probleme. Das Online-Portal lohnsteuer-kompakt.de hatte gemäß einer eigenen Erhebung die hiesige Behörde niedersachsenweit ganz hinten gesehen, wenn es um die Bearbeitungsdauer von Steuererklärungen geht (wir berichteten). Wichtigster Grund sind personelle Probleme.

„Das hört man immer wieder in Gesprächen mit Mitarbeitern, dass einfach die Leute fehlen“, sagt ein Schaumburger Steuerberater, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Da geht es aber um Planstellen, dafür kann das Finanzamt Stadthagen nichts.“

Berthold Bolsewig von der Kanzlei ETL Bahe und Kollegen in Bad Nenndorf kann den Eindruck, in der Kreisstadt dauere es länger als andernorts, nur bedingt bestätigen. „Der VW-Mitarbeiter, bei dem es jedes Jahr gleich aussieht, hat seinen Bescheid in ein oder zwei Wochen“, sagt Bolsewig. Wenn nachgerechnet werde, dauere es entsprechend länger.

„Es kommt auch zu vereinzelten Fällen, in denen Leute mehr als sechs Monate warten“, hat der Nenndorfer Berater die Erfahrung gemacht. Es gebe durchaus Erklärungen, eingereicht im August 2018, zu denen die Antwort noch aussteht. Ein solches Extrem sei ihm aus der Landwirtschaft bekannt. „Und da ging es um eine Nachzahlung, nicht um eine Erstattung.“

Mit dieser Annahme liegen Steuerpflichtige ohnehin nicht richtig, sagt Steuerberater Michael Bock von der Stadthäger Kanzlei Bock, Lutter und Kollegen: Dass sich das Finanzamt Zeit lässt, wenn es Geld rausrücken soll, aber alles ganz schnell gehen muss, wenn jemandem eine Nachzahlung blüht. „Bei manchen dauert es eben länger – egal, ob sie zahlen müssen oder etwas zurückbekommen“, sagt Bock.

Der Stadthäger Steuerberater ist sich relativ sicher, zu wissen, was genau das Problem der im Schloss untergebrachten Behörde ist. Personelle Zuweisungen seien niedersachsenweit gleich, Ausfälle etwa durch Krankheit oder Elternzeit gebe es genauso in Finanzämtern, die schneller arbeiten. Bock: „Ich denke, man hat sich dort einfach nicht rechtzeitig um Nachwuchs gekümmert.“

Ganz falsch scheint Bock damit nicht zu liegen. Tatsächlich scheint das Problem eher ein qualitatives zu sein als ein Mangel an Personal. „Vergangenes Jahr haben uns etliche Leute verlassen“, sagt Jörg Hopfe. Der Vorsteher des hiesigen Finanzamtes sah vier langjährige Mitarbeiter in den vorzeitigen Ruhestand wechseln. „Die wollten sich abschlagfreie Bezüge sichern, so gesehen haben wir das also dem Bund zu verdanken“, erklärt Hopfe.

Die weggefallene Erfahrung habe sich nicht ohne Weiteres ersetzen lassen. „Das waren unsere High-Performer“, sagt Hopfe. Eine Kollegin sei darunter gewesen, die mehr als 3000 Steuererklärungen im Jahr fertiggemacht habe. „Das kann nicht jeder.“

Zwar seien alle vier Stellen inzwischen wieder besetzt, allerdings naturgemäß mit Leuten, die erst eingearbeitet werden mussten. Hinzu komme, dass Stadthagen genau wie andere niedersächsische Finanzämter in der ersten Jahreshälfte 2018 von massiven Softwareproblemen betroffen gewesen sei. Darum sei das Land auch bundesweit in der aktuellen Erhebung an der Spitze und Stadthagen wiederum in Niedersachsen ganz weit vorne.

„Es wird jetzt spürbar wieder schneller“, sagt Hopfe. Ein Eindruck, den Schaumburger Steuerberater teilen. Die Steuererklärungen 2018 sollen von den Verzögerungen nicht mehr betroffen sein, so Hopfe.

Lohnsteuer-kompakt.de hatte 300 000 anonymisierte, über das Portal erstellte Steuererklärungen ausgewertet. Mit 83,7 beziehungsweise 83,2 Tagen Dauer sind Nienburg und Stadthagen Schlusslichter in Niedersachsen. Besonders schnell geht es in Papenburg (44,9 Tage). Bundesweit warten Bürger der Erhebung zufolge durchschnittlich 56 Tage auf ihren Steuerbescheid.




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