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„Man muss schnell sein“ / Lieferschwierigkeiten bei Neuwagen sorgen für höhere Preise

Gebrauchtwagen Mangelware in Schaumburg

LANDKREIS. In Schaumburg werden derzeit immer weniger Neuwagen verkauft und die Gebrauchtwagen werden knapp. Die SZ/LZ hat in Autohäusern im Kreisgebiet nachgefragt, wie sie von den Lieferschwierigkeiten betroffen sind:

veröffentlicht am 23.10.2021 um 06:45 Uhr

In Schaumburg werden derzeit immer weniger Neuwagen verkauft und die Gebrauchtwagen werden knapp. So stellt auch Thomas Petri Geschäftsführer des Automobilhauses Heim einen erhöhten Absatz von Gebraucht- und Jahreswagen in seinem Geschäft fest. Er habe derzeit nur noch drei gebrauchte auf dem Hof stehen. Letztes Jahr seien es zur gleichen Zeit doppelt so viele gewesen. Wie Petri erklärt, sei es momentan nicht nur für Endkunden schwierig, an einen Gebrauchtwagen zu kommen, auch für Händler sei es momentan nicht einfach. „Man muss schnell sein“, sagt er. Die geschätzte Lieferzeit eines Hyundai betrage sechs bis acht Monate. Das sei „noch eine der kürzesten“ momentan. Autos, die in Europa gebaut werden, wären schneller verfügbar als Autos aus Asien.

Natürlich sind auch wir von Lieferengpässen betroffen“, meint Oliver Tatge, der in seinem Bückeburger Autohaus Fahrzeuge von Ford und Iveco verkauft. „Ich habe aktuell einen einzigen Neuwagen bei uns stehen.“ Mit Gebrauchtwagen sähe es nicht ganz so schlimm aus. „Aber man bekommt ja auch keine Rückläufer zurück, weil eben insgesamt keine Autos da sind“, sagt er.

Er gehe davon aus, dass die Situation noch lange anhalten werde. „Das zieht sich bis 2023, bis in 2024 durch“, da ist er sich sicher. Wer einen Neuwagen benötige, etwa, weil ein Leasingvertrag auslaufe, solle sich rechtzeitig darum kümmern. Die Kunden müssten zwangsläufig Geduld mitbringen. „Zum Glück muss ich mir keine Sorgen über Beschwerden machen“, so Tatge. „Bei den anderen Autoherstellern sieht es ja genau so aus, es ist überall dasselbe.“

Der Rintelner Autohändler Axel Dohmann kann das nur bestätigen. „Keine Ware auf dem Markt und die Preise gehen durch die Decke“, sagt er. 160 Neuwagen – VW, Seat, Scoda, Kia Opel und weitere Marken – habe er bestellt. „Aber die kommen nicht.“ In ganz Europa seien die Lager leer. Sein Autohaus im Industriegebiet Süd gibt es schon seit 30 Jahren, er verkauft überwiegend Neuwagen und ab und zu auch Jahreswagen. „Gott sei Dank bestellen wir immer Lager-Fahrzeuge und haben noch einige am Hof, wenn auch gerade mal so um die zehn Prozent von dem, was wir normalerweise anbieten.“ Etwa fünfzehn Monate müsse man sogar auf VW oder Scoda warten. „Man fühlt sich fast wie in der DDR.“ Seinen Humor hat Axel Dohmann trotzdem nicht verloren. „Wenn die zwanzig Fahrzeuge, die wir noch stehen haben, verkauft sind, dann schließe ich den Laden ab und mache Urlaub.“

In diesem Jahr sind bisher ein Viertel weniger Neuwagen verkauft worden als vor der Corona-Pandemie. Das teilt der Verband der Autoindustrie mit. Die derzeit langen Lieferzeiten beim Kauf eines Neuwagens, würden die Nachfragen nach gebrauchten Fahrzeugen stark ansteigen lassen und damit stiege auch der Preis.

Besonders Autohersteller, die Teile und Mikrochips aus China beziehen, haben derzeit große Lieferschwierigkeiten. Da kaum Neuwagen auf den Mark kommen, entscheiden sich viele Käufer für einen jungen Gebrauchten. Laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) seien die Preise für einen Gebrauchtwagen bereits 2020 um 18 Prozent gestiegen. So kostete ein gebrauchtes Auto im letzten Jahr durchschnittlich 15 000 Euro. Dieses Jahr gehen die Experten von einer weiteren Preissteigerung aus.

Von Nina Jürgensmeier und Cornelia Kurth




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