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ProBeweis bietet anonyme Spurensicherung

Gewalt gegen Frauen: Info-Veranstaltung am Agaplesion

LANDKREIS. Ein blaues Auge, Bisswunden und Würgemale sind alles Zeichen dafür, dass jemand Opfer von häuslicher Gewalt geworden ist. Meist sind es Frauen, der Gang zur Polizei fällt vielen schwer. Beim Info-Tag des Klinikums Schaumburg informierten viele Beratungsstellen und Mediziner - auch über anonyme Spurensicherung:

veröffentlicht am 28.11.2019 um 15:47 Uhr

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LANDKREIS. Ein blaues Auge, Bisswunden und Würgemale erkennt man meist direkt als Zeichen häuslicher Gewalt. Das sind jedoch nur die physischen Folgen – oft reicht Missbrauch noch viel tiefer. Der Gang zur Polizei kostet viele Betroffene zu viel Überwindung. Die Folge: Beweise verschwinden, und bei eventuell später stattfindenden Gerichtsprozessen steht ein Wort gegen das andere.

Damit Opfer von häuslicher Gewalt jedoch die Möglichkeit haben, noch nach mehreren Monaten oder Jahren eine Anzeige gegen Täter zu erstatten, die von Beweisen gestützt wird, gründete sich 2012 das Netzwerk „ProBeweis“. Dieses ist, gemeinsam mit 36 Partnerkliniken, darauf spezialisiert, die Spuren von Gewalt anonym und kostenlos aufzunehmen, zu dokumentieren und aufzubewahren.

Im Rahmen des internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt an Frauen fand im Agaplesion Klinikum Schaumburg die Veranstaltung „Gewalt Nein Danke!“ statt. Hier stellten sich neben ProBeweis diverse Anlaufstellen für Gewaltopfer vor: das AWO-Frauenhaus, die Polizei, die BASTA Beratungsstellen, der Weiße Ring, die Opferhilfe Niedersachsen, die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und die AWO-Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS). Sie informierten an ihren Ständen über sämtliche Aspekte des Themas Gewalt gegen Frauen. Begrüßt wurde die Versammlung durch Agaplesion-Geschäftsführerin Diana Fortmann, Schaumburgs Gleichstellungsbeauftragte Nadine Pasel und Landrat Jörg Farr.

Neben der interessierten Öffentlichkeit richtete sich die Veranstaltung auch an niedergelassene Ärzte und die Belegschaft von Krankenhäusern. Der Weg zum Arzt sei, so Dr. Hannah Gauselmann von ProBeweis in der anschließenden Schulung, für Betroffene meist weniger beängstigend, da diese zur Verschwiegenheit verpflichtet sind und die Situation beim Arzt vertrauter sei als auf dem Polizeirevier. Hier würde allerdings meist das spezielle Wissen über Spurensicherung und Dokumentation fehlen. Besonders achten solle man auf Verletzungen hinter den Ohren, am Innenoberschenkel oder in der Lippeninnenseite.

Gerade in der Notaufnahme kommen häufig Fälle von häuslicher Gewalt vor, berichtet deren Leiter Dr. Holger Finkemeier. Diese beschränken sich aber nicht nur auf physische Gewalt: Verbale, psychische, emotionale und ökonomische Gewalt kämen mindestens genau so oft vor und seien auch genau so dramatisch. Für Finkemeier ist die Arbeit mit ProBeweis nicht mehr wegzudenken: Wenn Proben gesichert werden müssen, sei er auch gern bereit, mitten in der Nacht ins Agaplesion zu fahren. Dies würde aber nicht jede Woche vorkommen. Insgesamt wurden im letzten Jahr rund 140 000 Menschen Opfer häuslicher Gewalt, 114 000 davon Frauen.

Für diese Bereitschaft lobt Gauselmann das Agaplesion, so sei es sonst nicht überall. In jeder Partnerklinik stehen Untersuchungskits zur Verfügung, mit der der behandelnde Arzt Verletzungen fotografisch und schriftlich dokumentieren und Abstriche machen kann. Diese Kits werden dann an ProBeweis geschickt, um eingelagert zu werden. Im Falle einer Anzeige meldet sich die Polizei bei ProBeweis, die erst nach der Schweigepflichtsentbindung durch den Patienten Untersuchungen der Beweise vornimmt.

Hinweis: Mehr zur Arbeit von ProBeweis sowie Partnerkliniken gibt es online unter www.probeweis.de.




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