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Auswertung der Blutspuren vom Mord an Ines K. / Einzelner Angreifer nicht auszuschließen

Gutachterin tippt auf zweiten Täter

LAUENAU/HILDESHEIM. Überraschende Wende im Prozess gegen Uwe K.: Die Gutachterin, die am Montag den Tathergang vor dem Landgericht Hildesheim rekonstruiert hat, zog einen zweiten Täter für den Mord an Ines K. in Betracht.

veröffentlicht am 17.12.2018 um 17:48 Uhr

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LAUENAU/HILDESHEIM. Hauptaugenmerk legte die Sachverständige Silke Brodbeck auf die Blutspuren. Dafür zog sie Fotos vom Tatort heran und machte sich im September selbst ein Bild von den Räumen. Insgesamt stellte die Sachverständige fest, dass es „sehr wenig Oberflächen gibt, die Spuren dokumentieren“.

Wie berichtet, wurde Ines K. im Trakt zwischen Ausstellungsräumen und Wohnhaus mit zwei Zaunlatten niedergeschlagen und dann mittels Müllsäcken und Expanderband erstickt. Fest steht nach Ansicht der Gutachterin, dass der erste Schlag von einem Angreifer kam, der an der Brandschutztür stand, die ins Wohnhaus führt. Dort ließ Ines K. einige Gegenstände fallen. Der Angriff erfolgte demnach mit einer Holzlatte frontal auf die Stirn.

Brodbeck vermutet, dass als zweites ein Hieb seitlich am Kopf auftraf, weil sich die Geschädigte wegdrehte. Den dritten Stoß verortet sie im rechten Schläfenbereich – allerdings von einer zweiten Person ausgeführt, die Ines K. gegenüberstand, nachdem sie sich vom ersten Angreifer weggedreht hatte. Dieser war so wuchtig, dass sie zu Boden ging. Die weiteren Hiebe auf den Hinterkopf erfolgten nach Ansicht der Gutachterin, als Ines K. schon auf dem Boden lag.

Am Tatort wurden zwei mit Blut behaftete Holzlatten gefunden. Dies ist für die Gutachterin ein Argument für zwei Angreifer. Dass ein einzelner Täter die Waffe gewechselt hat, sei weniger plausibel. Zweiter Grund für die Annahme ist, dass Ines K. nicht durch eine der Türen weggelaufen ist. Sie vermutet, dass das Opfer eingekesselt war.

Auf Nachhaken der Strafkammer erklärte Brodbeck, dass anhand der Verletzungen nicht auf die Größe des Angreifers geschlossen werden könne. Auch eine 1,70 Meter große, schlanke Frau könne die nötige Kraft entfalten, präzisierte sie auf Nachfrage. Beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Bückeburg im Frühjahr 2016 hat K. seine Ex-Geliebte indirekt beschuldigt (wir berichteten).

Verteidiger Christoph Hessel fragte, ob Brodbeck anhand ihrer Ergebnisse auch einen einzelnen Täter in Betracht ziehe. „Das kann ich nicht ausschließen“, entgegnete sie. Welches Szenario wahrscheinlicher ist, sei im marginalen Bereich. Es sei schließlich möglich, überlegte Hessel, dass der Täter die Waffe nach den ersten Schlägen fallen ließ und die Position wechselte. Als er bemerkte, dass das Opfer noch lebte, könnte der Täter sich eine andere Holzlatte gegriffen haben.

Zuletzt begutachteten Kammer, Staatsanwalt und Verteidiger noch einige Aufnahmen vom Tatort und stellten sie in den Kontext der Aussage der Ex-Geliebten. Diese hatte einige Zeit zuvor angegeben, sich in unmittelbarer Nähe versteckt und den Tathergang gehört zu haben. Bei diesem Punkt war die damalige Verhandlung allerdings unterbrochen worden. Ursprünglich war ein weiterer Termin im Dezember anberaumt gewesen, der aber abgesagt wurde. Denn zuvor sollte das Gutachten gehört werden. Im Januar wird die Befragung der Ex-Geliebten fortgesetzt.

Hessel will außerdem eine erneute Begehung des Tatortes beantragen, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung schilderte.göt




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