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Österreichisches Unternehmen übernimmt 75 Prozent der Helpser Firma / „Standort und Belegschaft sicher“

Hautau verkauft Mehrheitsanteile

HELPSEN. Paukenschlag bei der Firma Hautau. Die Inhaberin des familiengeführten Unternehmens, Petra Hautau, hat 75 Prozent ihrer Anteile an die Mayer & Co Beschläge Unternehmensgruppe (Maco) aus Österreich verkauft. Der erste Schock saß tief bei den rund 320 Mitarbeitern an den Standorten in Helpsen und Kirchhorsten. Doch Petra Hautau betont: „Der Standort und die Belegschaft sind sicher.“

veröffentlicht am 17.06.2018 um 10:37 Uhr

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Autor:

Verena Gehring
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Ebenso die Marke, die Selbstständigkeit der Firma, Produkthoheit und auch alle Abteilungen an den Standorten in der Samtgemeinde Nienstädt. Auf die Nachfrage, wie lange Standort- und Arbeitsplatzgarantie gelten, wollte sich Petra Hautau nicht konkret äußern.

Für die Belegschaft und Abläufe bleibe alles beim Alten, betonen auch die beiden Geschäftsführer, Martin Beißner und Frank Jedamski. Petra Hautau bildet mit den Maco-Inhabern die Gesellschafter von Hautau. Ein Beirat, dem Klaus-Dieter Vehling vorsteht, besteht weiterhin. Er setzt sich aus dem Vorsitzenden sowie einem Hautau-Vertreter und zwei Akteuren des ebenfalls familiengeführten Unternehmens Maco zusammen. Das operative Geschäft leiten auch in Zukunft Beißner und Jedamski.

Hautau und Maco arbeiten nach Angaben der Geschäftsführung bereits seit zehn Jahren eng zusammen. Beide bedienen einen Markt, ergänzen sich allerdings in der Produktpalette. Während das österreichische Unternehmen mit Hauptsitz in Salzburg den großen Bereich Fenster-, Tür-, Großflächen-Beschläge sowie Dichtungen bedient, steht Hautau für Nischen-Produkte – etwa großflächige Schiebeelemente. „Wir ergänzen uns wunderbar“, betont Petra Hautau. Und so wolle man sich auch in Zukunft gegenseitig nichts wegnehmen.

Warum nach 108 Jahren in Familienhand der Zeitpunkt eines Mehrheitsverkaufes gekommen war, hat nach Angaben der Führung drei Gründe: Der Nischen-Markt, in dem sich das Schaumburger Traditionsunternehmen befindet, werde immer schwieriger. Hinzu komme der „unzumutbare Bürokratismus und die Regelungswut, die es mittelständischen Unternehmen immer schwerer machen“, sagt Hautau ganz deutlich und richtet ihre Kritik in Richtung Politik. Im Unternehmensverbund sei dies alles leichter darzustellen. Auch habe sich kein Nachfolger innerhalb der Familie gefunden.

„Von Marktseite und Familienseite war jetzt der richtige Zeitpunkt“, erläutert die Unternehmerin. Sie habe immer im Sinne der Firma gehandelt und wollte Optionen haben. „Es gibt genug Unternehmer familiengeführter Betriebe, die zu lange warten.“ So habe sie sich den Käufer aussuchen können, der „alle wichtigen Kriterien erfüllt“.

Generell fühle man sich eher als Verbundpartner. In der Vergangenheit hätten Abteilungen von Hautau und Maco bereits zusammengearbeitet, Dinge entwickelt, sich ausgetauscht, erläutert Frank Jedamski. Jetzt gehe es darum, die Mitarbeiter noch mehr zusammenzuführen – dabei aber die gegenseitige Selbstständigkeit zu wahren.

Auch die Gewerkschaft IG Metall sieht keinen Grund zur Sorge. „Wie es sich darstellt, geht es darum, das Unternehmen zu sichern“, zeigt sich Sabrina Wirth, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen, beruhigt. Im Wesentlichen gehe es um die Nachfolgefrage. „Wir sehen es als zukunftssichernde Maßnahme.“

Mit Blick auf die negativen Entwicklungen beim Unternehmen Faurecia am Standort Stadthagen sagt Petra Hautau: „Keiner unserer Mitarbeiter darf das Gefühl haben, dass es bei uns jetzt genauso läuft“. Das Gegenteil sei der Fall. Die Zukunft von Hautau sei durch diesen Schritt gesichert – bei allem unternehmerischen Risiko, das immer mitschwinge. Und: „Die Hautau-Entscheidungen werden nicht in Salzburg getroffen, sondern selbstverständlich mit der hiesigen Führung.“




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