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Neubautrasse durch Schaumburg: Verkehrsministerium ändert heimlich Deutschlandtakt-Pläne

Heimliche Kehrtwende: ICE-Neubautrasse doch nicht durch Stadthagen

LANDKREIS. Groß war das Erstaunen nicht nur bei Politikern und Bahnexperten, als das Bundesverkehrsministerium am 8. Mai den zweiten Entwurf des Zielfahrplans 2030plus für den Deutschland-Takt veröffentlichte, der entgegen aller Erwartungen weiterhin einen Verlauf der Neubautrasse über Stadthagen aufzeigte. Eine solche Route hätte einen Tunnel durch das Wesergebirge sowie durch den Harrl erforderlich gemacht (unsere Zeitung berichtete). Das sieht seit Donnerstag Nacht anders aus: Heimlich, und ohne den Datumsstempel des Plans anzupassen, änderte das Bundesverkehrsministerium den Zielfahrplan innerhalb von nur einer Woche erneut.

veröffentlicht am 22.05.2019 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 22.05.2019 um 19:00 Uhr

Der unter Vorbehalt stehende Entwurf sieht keinen Fernverkehr durch Stadthagen mehr vor. Foto: lht

Autor:

Johannes Pietsch und Jakob Gokl
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In der aktuell veröffentlichten Version der Netzgrafik führen die Linien für den Fernverkehr nicht mehr über Stadthagen, sondern von Bielefeld an Minden, Bückeburg und Stadthagen vorbei direkt nach Hannover.

Konkret könnte das bedeuten, dass sich das Bundesverkehrsministerium von der Vorfestlegung eines Trassenverlaufs über Stadthagen wieder verabschiedet haben könnte. Nach der Veröffentlichung des zweiten Zielfahrplan-Entwurfs am 7. Mai hatte unter anderem der Pressesprecher der Initiative Deutschland-Takt Rainer Engel bei einem Vortrag in Stadthagen deutliche Kritik an einer solchen Festschreibung geäußert und ein ergebnisoffenes Bürgerdialogverfahren gefordert, in dem nur Bielefeld und Seelze als Eckpunkte für den zukünftigen Verlauf einer Neubautrasse festgelegt sind.

Damit rückt auch das Auetal wieder stärker in den Blickpunkt. Zeitgleich mit der erneuten Änderung des Zielfahrplans hatte der für den Bahnausbau zuständige Staatssekretär Enak Ferlemann bei einem Treffen in Berlin mit den Bundestagsabgeordneten aus Schaumburg und Ostwestfalen-Lippe erneut seine Präferenz für einen Neubau entlang der Autobahn A2 bekräftigt.

Auf Anfrage äußerten sich die heimischen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU) und Marja-Liisa Völlers erstaunt. „Ich habe zwar mehrfach mit dem Staatssekretär Ferlemann in den vergangenen Wochen und Monaten gesprochen, aber auf einen konkreten Fahrplan habe ich nicht hingewirkt. Ziel der Gespräche war herauszufinden, was das Ministerium und die Bahn überhaupt gerade wollen. Mit der Behauptung „Stadthagen jetzt nicht mehr Teil der Neubaustrecke“ wäre ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt vorsichtig. Der Entwurf beinhaltet den Hinweis, dass das alles vorbehaltlich detaillierter Planungen sei“, schreibt Beermann.

Völlers äußert sich am Telefon: „Ich habe das Donnerstagnacht auch entdeckt. Plötzlich steht da ein anderer Plan. Und er ist auch noch rückdatiert worden. Das finde ich sehr eigenartig.“ Sie will es aber auch nicht als Erfolg werten, dass das Verkehrsministerium offenbar einen Fehler im Plan erkannt hat. „Die Bürger und die Bürgermeister sind schon lange verunsichert. Und jetzt noch mehr.“ Sie könne zu keiner der bisher diskutierten Varianten Entwarnung geben.

Völlers verurteilt das „völlig intransparente Vorgehen des Verkehrsministeriums“. Vor allem, da man gerade noch in hochkarätiger Besetzung mit Ministeriumsvertretern zusammen gesessen sei. Da kam das Thema aber nicht zur Sprache. Sie jedenfalls setze sich weiter für den trassennahen Ausbau ein.




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