weather-image
22°

Haft oder Freispruch?

Heute Urteil im Mordprozess gegen Uwe K.

LAUENAU/HILDESHEIM. Im zweiten Mordprozess gegen Uwe K. aus Lauenau wird heute, Freitag, das mit Spannung erwartete Urteil des Hildesheimer Schwurgerichts verkündet. Dabei steht für zwei Menschen viel auf dem Spiel.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 00:00 Uhr

Handwerksmeister Uwe K., der im Mai 2015 seine Frau Ines getötet haben soll, hofft auf einen Freispruch, muss aber befürchten, erneut schuldig gesprochen zu werden. Symbolbild: dpa

Autor:

Stefan Lyrath
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Handwerksmeister Uwe K., der im Mai 2015 seine Frau Ines getötet haben soll, hofft auf einen Freispruch, muss aber befürchten, erneut schuldig gesprochen zu werden.

Falls der Angeklagte diesmal wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt wird, könnte es auch für seine frühere Geliebte Raffaela L. eng werden. „Neue Erkenntnisse in dem Hildesheimer Verfahren würden uns in die Lage versetzen, einen Anfangsverdacht zu begründen, um gegen sie Ermittlungen wegen Mordes einzuleiten“, so Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, auf Anfrage.

Der Hildesheimer Oberstaatsanwalt Oliver Paul geht davon aus, dass der Ofenbauer und seine Geliebte das Opfer gemeinschaftlich ermordet haben, um zu zweit ein neues Leben beginnen zu können. In seinem Plädoyer hatte Paul diese Annahme vor allem auf ein neues Blutspritzer-Gutachten gestützt. Die Ehefrau soll dem Pärchen im Weg gestanden haben.

Ines K., zum Zeitpunkt ihres gewaltsamen Todes 42 Jahre alt, war im Zwischentrakt des Wohn- und Geschäftshauses mit Kanthölzern niedergeschlagen und anschließend mit mehreren Müllsäcken erstickt worden. Oberstaatsanwalt Paul glaubt, dass die Geliebte an der Feuerschutztür gestanden und zuerst zugeschlagen hat.

Dass die frühere Zirkusartistin im Fall einer Verurteilung Uwe K.s wegen gemeinschaftlichen Mordes ebenfalls in Untersuchungshaft kommt, gilt dagegen zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich. Dazu müsste dringender Tatverdacht bestehen. Ein Haftgrund, etwa Fluchtgefahr, ist dagegen nicht unbedingt nötig. Bei Mord und Totschlag kann die U-Haft auch angeordnet werden, wenn keine Haftgründe vorliegen.

Im ersten Prozess, seinerzeit vor dem Schwurgericht in Bückeburg, hatten die Richter der Ex-Geliebten geglaubt und ihre Entscheidung teilweise auf deren belastende Aussage gestützt, zum anderen Teil auf eine Reihe von Indizien, die aus ihrer Sicht gegen Uwe K. sprechen. Raffaela L. behauptet, lediglich Augenzeugin der Tat gewesen zu sein. Zu Beginn ihrer Bückeburger Vernehmung hatte die Frau aus Hannover angegeben, zur Tatzeit auf einem Parkplatz in Bad Nenndorf gewesen zu sein, bevor sie vor Gericht eine Kehrtwende vollzog und erklärte, die Tat aus einem Versteck beobachtet zu haben.

Von der Unschuld seines Mandanten, in Bückeburg wegen Totschlags verurteilt, ist Verteidiger Christoph Hessel überzeugt. Er glaubt, dass die Geliebte das Opfer zusammen mit einem unbekannten Dritten getötet hat.

Falls Uwe K. heute erneut schuldig gesprochen wird, kann er auch gegen diese Entscheidung Revision beim Bundesgerichtshof einlegen lassen, wie er es bereits nach dem Bückeburger Urteil getan hatte. Die erstinstanzlichen Richter hatten elf Jahre und sechs Monate Haft verhängt. Mehr geht nicht. Weil die Staatsanwaltschaft ihre zunächst eingelegte Revision später zurückgezogen hat, darf sich der Angeklagte beim Strafmaß nicht verschlechtern, wohl aber beim Schuldspruch: Ihm könnte eine Verurteilung wegen Mordes drohen. Oder K., der seit Ende September 2015 in U-Haft sitzt, verlässt das Gericht heute als freier Mann.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare