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Mindener Anwalt Peter Jahn in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt – zu Unrecht

Hiller Dreifachmorde: Zu Unrecht gegen Anwalt ermittelt

HILLE/STADTHAGEN. So etwas sei ihm in mehr als 20 Berufsjahren nicht passiert, sagt der Mindener Rechtsanwalt Peter Jahn und schüttelt ungläubig den Kopf. Am Rande des Prozesses um die Dreifachmorde in Hille ist der Verteidiger des Angeklagten Kevin R. in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt – völlig zu Unrecht, wie sich im Laufe des 13. Prozesstages herausstellte. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Anwalt ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung eingeleitet – es ist mittlerweile eingestellt.

veröffentlicht am 21.12.2018 um 18:48 Uhr

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Autor:

Stefanie Dullweber
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Was war passiert? Am zwölften Prozesstag hatte ein Mithäftling von Kevin R. als Zeuge vor dem Landgericht Bielefeld ausgesagt. Der 38-jährige Türke hatte angekündigt, Belastendes über den 24-jährigen Berufssoldaten aussagen zu können, der sich ihm gegenüber im Gefängnis anvertraut haben soll. Der vermeintliche Mitwisser verstrickte sich jedoch während seiner Zeugenaussage immer mehr in Widersprüche und wurde vom Gericht als nicht glaubwürdig eingeschätzt. Über den Verteidiger von Kevin R. hatte der Mithäftling ausgesagt, dass dieser seinem Mandanten dazu geraten habe, Spuren zu beseitigen und Beweisstücke verschwinden zu lassen. Ganz konkret soll es um die gelbe Jacke gegangen sein, auf der sich das Blut des getöteten Libanesen Fadi S. befindet – und die die Polizei im Zimmer von Kevin R. sichergestellt hat.

„Dieser Mann behauptet Dinge, die ich zu einem Zeitpunkt gesagt haben soll, als ich den Angeklagten noch gar nicht kannte“, äußerte sich Peter Jahn jetzt zu den Ermittlungen. Er selber habe, genau wie sein Mandant, mittlerweile selbst Strafanzeige gestellt. So etwas sei unter Umständen rufschädigend, will Jahn die Vorwürfe nicht einfach so stehen lassen, auch wenn das Ermittlungsverfahren inzwischen eingestellt worden ist. Es sei schon verwunderlich, dass die Staatsanwaltschaft so einer Sache nachgehe und anderen Dingen wiederum nicht, erklärte Jahn.

Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann bezeichnete allein den Anfangsverdacht gegen den Mindener Anwalt als „diskussionsfähig“ und machte damit seine Einschätzung zu den Ermittlungen mehr als deutlich. Es könne von keinem dringenden Tatverdacht die Rede sein, so Zimmermann.

Der Vorsitzende Richter nutzte den 13. Prozesstag auch, um Berichte der Spurensicherung zu verlesen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass der Hof von Jörg W. dem eines Waffennarrs glich. Die Ermittler fanden nicht nur dutzende Messer, Gewehre und Munition, sondern auch offenbar scharfe Handgranaten. Am Nachmittag des 23. März musste sogar der Kampfmittelräumdienst in Neuenbaum anrücken, um Handgranaten zu sprengen beziehungsweise fachgerecht zu entsorgen.

Selbst im Küchenschrank lagen Patronen und auch im Schlafzimmer von Doris und Jörg W. fand die Polizei etliche Waffen: Am Kleiderschrank lehnten zwei Gewehre, im und auf dem Nachtschrank des Angeklagten lagen Taschenmesser und zwischen den Sachen im Kleiderschrank 50 Kleinkaliber-Patronen.

Laut Prozessbeobachtern könnte das Grundstück bereits verkauft worden sein. Um wen es sich bei dem möglichen Käufer handelt, ist derzeit noch unbekannt.

Der Prozess wird am 11. Januar 2019 fortgesetzt.mt




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