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Welpen aus dem Baltikum stehen in Bad Nenndorf und Stadthagen unter Quarantäne / Beim Kauf ist Vorsicht geboten

Hundeschmuggel kostet Steuerzahler 25 000 Euro

BAD NENNDORF. Das Schicksal der 13 Hundewelpen, die Ende Februar wegen einer Autopanne zufällig mit ihren Schleppern an der A 2 im Auetal strandeten, hat viele Schaumburger bewegt. Seitdem sind sechs der Tiere in der Auffangstation Bad Nenndorf untergebracht – und entwickeln sich dort nach Angaben von Kreis-Veterinär Ulf Güber prächtig.
Danach sah es nicht immer aus. „Die Hunde wurden ungesichert in einem vollkommen verschmutzten Auto transportiert“, erinnert sich Güber. Dort hätten die Welpen in ihren eigenen Fäkalien gelegen, viele mit Durchfall. „Einer war so fertig, dass er nicht mehr zu retten war“, sagt der Tierarzt. Der nur wenige Wochen alte Hund musste eingeschläfert werden.

veröffentlicht am 26.04.2019 um 17:31 Uhr

Französische Bulldoggen und Zwergspitze, zwei äußerst beliebte Hunderassen, werden von den Tierschützern um Jutta Schneider aufgepäppelt. foto: lht

Autor:

Lennart Hecht
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Die Schlepper aus dem Baltikum wollten mit den Welpen in die Niederlande. Dahinter steckt ein lukratives Geschäftsmodell – und ein wachsender Markt. Die Leidtragenden sind die Tiere. Eigentlich dürfen Welpen erst nach acht Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. In diesem Fall aber waren die Hundebabys sechs Wochen alt, als sie im Auetal entdeckt wurden – und sie hatten allesamt keine Tollwutimpfung.

Die könnte den Tieren erst nach zwölf Wochen verabreicht werden, erklärt Güber. Weitere drei Wochen vergehen, bis sich Antikörper gebildet haben. Daher gilt in der EU ein Mindestalter von 15 Wochen für die Ausfuhr von Welpen. Bei den Hunden aus dem Auetal und Zehntausenden anderen Tierbabys, die jedes Jahr durch die EU geschmuggelt werden, wird auf Regeln wie diese keine Rücksicht genommen. Das ist für jeden Steuerzahler ärgerlich, der letztlich für die Pflege der Tiere aufkommen muss.

Weil die Hundebabys nicht geimpft sind, müssten sie zwei Monate in Quarantäne. Das kostet pro Tag 34 Euro, erklärt Jutta Schneider von der Tierauffangstation Bad Nenndorf. Für alle zwölf Hunde, die übrigen sechs sind in Stadthagen untergebracht, kommen so fast 25 000 Euro zusammen.

Daher appellieren Schneider und Güber, beim Hundekauf vorsichtig zu sein. „80 Prozent der Angebote im Internet sind unseriös“, sagt Schneider. Wer einen Hund kauft, sollte sich das Muttertier zeigen lassen und einen Tierarzt hinzuziehen. Zudem sollten Händler gemieden werden, die Welpen an der Haustür verkaufen.

Im Fall der Tiere aus dem Auetal sei es der guten Zusammenarbeit von Behörden und Tierschützern zu verdanken, dass die Hunde nun in guter Hand sind. Häufiger aber geraten die Tiere schwer krank und verhaltensgestört zu ihren Besitzern – und schleppen im schlimmsten Fall noch Krankheitserreger ein.




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