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Politisches Nachdenken über besseren Personenverkehr nach Elze und Löhne

Im Bummelzug in die Zukunft

Seit zwei Jahren zeichnet sich ab, dass die Bahnstrecke zwischen Hameln und Elze elektrifiziert wird. Hameln-Pyrmonts Kreisverwaltung hat die Zeit nicht genutzt, um Pflöcke für einen verbesserten Personenverkehr einzuschlagen, dadurch von den kritisch beäugten Güterzugplänen des Bundes indirekt zu profitieren und das Geschehen weiter zu beeinflussen. Erst jetzt kommen der Landrat und die heimischen Politiker langsam in Bewegung.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 11:42 Uhr

An der Süntelstraße in Hameln – direkt am künftigen Bildungs- und Gesundheitscampus – wünscht sich die Stadt einen Haltepunkt der Regionalbahn. Die Elektrifizierung zwischen Hameln und Elze könnte auch dort für den nötigen Spielraum im Fahrplan sorge
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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HAMELN-PYRMONT. Der 9. Dezember 2018 dürfte für Einbeck ein historischer Moment werden: Nach 44 Jahren werden ab dann wieder fahrplanmäßige Personenzüge in die Brauereistadt rollen. Dank der Reaktivierung der 4,5 Kilometer langen Stichstrecke von Salzderhelden an der Hauptachse Hannover–Würzburg kann die Regionalbahn direkt nach Göttingen pendeln – das geht schneller und komfortabler als mit dem Bus. Wohl kaum einer der 15 000 Einwohner in Einbecks Kernstadt hatte in den vergangenen Jahrzehnten noch daran geglaubt, jemals den Anschluss ans Eisenbahnnetz zurückzubekommen.

Ganz ähnlich dürften im Landkreis Hameln-Pyrmont die Menschen zum Beispiel in Fischbeck, Afferde oder Behrensen denken. Doch der Verkehrssektor in Deutschland befindet sich in vielfacher Hinsicht im tiefen Umbruch. Hierzu gehört, sich angesichts überfüllter Straßen und verschmutzter Umwelt auf die Stärken der Bahn als Massenverkehrsmittel zu besinnen. Während anderswo Gleise erneuert und Stationen wiederbelebt und damit Fehleinschätzungen der Vergangenheit korrigiert werden, wird in Hameln-Pyrmont noch vorsichtig rangiert.

Die Hameln-Pyrmonter CDU-Kreistagsfraktion sprach jetzt erstmals über die Folgen des vom Bund initiierten Oberleitungsbaus zwischen Hameln und Elze. Der Vorsitzende Hans-Ulrich Siegmund betonte im Vorfeld: „Die Elektrifizierung ist erst einmal positiv. Wir freuen uns, dass die Strecke erhalten bleibt. Aber auch die Ängste wegen der Güterzüge sind nachvollziehbar.“ Es sei nun zu klären, „ob es wirklich alles so schlimm kommt, wie der Landrat behauptet“. Dazu sei es wichtig, miteinander zu reden – auch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU). Tjark Bartels (SPD) fühlt sich als Chef der Hameln-Pyrmonter Kreisverwaltung von Ferlemann schlecht informiert, sogar hintergangen.

Wie Siegmund mahnt auch die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Joumaah: „Nur im Gespräch können Probleme gelöst werden.“ Sie selbst war nach ihren Angaben zu der Runde regionaler Politiker und Trassenausbaugegner nicht eingeladen, die Bartels kürzlich im Landtagsgebäude in Hannover organisiert hatte; im Kreishaus sagen die Verantwortlichen, die Einladung sei rausgegangen. Joumaah wünscht sich „einen optimierten Personennahverkehr und natürlich nur das absolute Minimum an Güterverkehr“ – konkreter wird aber auch sie nicht.

Da ist die FDP/DU-Kreistagsgruppe etwas weiter. Sie bereitet nach Worten ihres Sprechers Rüdiger Zemlin (FDP) einen Antrag vor, einen kommunalen Schienenbusverkehr zwischen Fischbeck sowie Nordstadt und Bahnhof in Hameln einzurichten. Die Strecke könne die Bundesstraße 83 entlasten, meint Zemlin. Der Liberale möchte die Öffis als Verkehrsgesellschaft des Landkreises verpflichten, eine Lösung zu erarbeiten und Fördergelder einzuwerben. Bei Bedarf ließe sich das Modell bis Hessisch Oldendorf erweitern. Zemlin hat also ein „kleines“ Modell im Auge; Afferde und eventuell das zum Ithtal verkehrsgünstig gelegene Behrensen mit Haltepunkten einzubeziehen, lässt er bislang außer Acht, ebenfalls die Konkurrenz zu den Regionalbahnen, die auf demselbem Gleis im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft von Löhne über Hameln nach Hildesheim fahren. Dort gibt es seit Jahren Beschwerden von Reisenden vor allem wegen verpasster Anschlüsse.

Der Fischbecker Landtagsabgeordnete Dirk Adomat (SPD) betont: „Das Wesertal braucht einen verlässlichen Bahnverkehr und eine bessere Taktung.“ Hier biete sich nun eine große Chance. „Verhindern wäre der falsche Weg“, so Adomat.




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