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Agaplesion-Klinikum meldet im März besonders oft fehlende Kapazitäten an Leitstelle

Intensivstation im Klinikum Schaumburg im 1. Quartal 2019 oft voll belegt

LANDKREIS. Das Sana-Klinikum in Hameln steht derzeit öffentlich in der Kritik. Insgesamt elf Mal musste sich das Krankenhaus bei seiner Rettungsleitstelle komplett abmelden. Das heißt: Es war kein Bett beziehungsweise Personal mehr frei, und zwar auf keiner der zahlreichen Stationen. Auch die Notaufnahme war an ihrer Kapazitätsgrenze. Dazu kamen zahlreiche weitere Teilabmeldungen einzelner Stationen innerhalb dieser drei Monate. Wichtig zu wissen: Lebensbedrohliche Notfälle bekommen in Krankenhäusern immer eine Erstversorgung. Ganz so weit wie in Hameln ist es in Schaumburg nicht gekommen. „Eine Abmeldung für das ganze Krankenhaus gab es nie“, erklärt Andrea Stüdemann, Dezernatsleiterin beim Landkreis Schaumburg und zuständig für die Rettungsleitstelle in Stadthagen.

veröffentlicht am 07.05.2019 um 18:02 Uhr

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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Sie hat auf Anfrage dieser Zeitung alle Abmeldungen des Klinikums händisch auswerten lassen. Eine langwierige Arbeit – bis Ende März kamen diese meist per Fax. Seit dem 1. April gibt es ein neues, digitales System.

Zwar war das Schaumburger Klinikum nie komplett abgemeldet, aber insbesondere auf der Intensivstation kam es zu Engpässen. Mehr als 250 Mal war sie in drei Monaten für die Leitstelle nicht verfügbar. Jede Abmeldung gilt für maximal vier Stunden, oft aber auch nur für einen kürzeren Zeitraum. Rein rechnerisch entspricht das etwa drei Mal am Tag. Besonders viele Vorfälle gab es im März: 109 Mal teilte die Intensivstation der Leitstelle fehlende Kapazitäten mit.

„Die Intensivstation ist momentan unser Engpass“, räumt Klinikum-Geschäftsführer Martin Ellerhoff ein. Das liege aber nicht daran, dass man zu klein gebaut habe. Insgesamt habe man beim Neubau in Vehlen 40 Plätze auf der Intensiv- und Überwachungsstation eingeplant. Eine der beiden Intensivstationen mit zwölf Plätzen steht seit der Eröffnung leer.

Derzeit halte man 17 Betten dort vor. Vor einigen Wochen berichteten Krankenschwestern im Gespräch mit dieser Zeitung, dass regelmäßig aber nur 10 oder 11 Betten im Einsatz seien.

Das liegt in erster Linie am Fachkräftemangel, erklärt Ellerhoff. Zwar sei man nicht verpflichtet, ausschließlich Intensivpfleger auf dieser Station einzusetzen, „in der Personalplanung sind wir da relativ frei.“ Dennoch sei es natürlich wünschenswert. Derzeit gebe es einfach viele politische Einflussfaktoren.

Die Auswirkungen sowohl der gesetzlichen Personaluntergrenze, des „Sofortprogramm Pflege“ – durch das jede zusätzlich eingestellte Pflegefachkraft komplett refinanziert wird – als auch die neue Einstufung in der Notfallstruktur der Krankenhäuser befinden sich noch in Verhandlungen. Auch die Auswirkungen des neuen Tarifvertrags seien unklar, möglicherweise gelinge es mit einer höheren Vergütung künftig besser, Fachpersonal ans Krankenhaus zu binden.

Nicht nur auf der Intensivstation war der März ein besonders arbeitsintensiver Monat. Auch die anderen Stationen des Krankenhauses kamen im März öfter an ihre Belastungsgrenze als üblich. Die Chirurgie (39 Mal), die Neurologie (42) und die Urologie (39) meldeten sich im Schnitt doppelt so oft ab wie im Januar und Februar des gleichen Jahres. „Das kennen wir aus fast allen Krankenhäusern“, erklärt Ellerhoff.

Insbesondere die Belastung der Atemwege durch Pollenflug führe gerade bei gebrechlichen oder alten Menschen zu besonderen Beeinträchtigungen. Wer etwa Hilfe beim Atmen braucht, müsse grundsätzlich in der Intensivstation behandelt werden. Das führt dazu, dass mehr Patienten – und diese oft länger als üblich – auf der Intensivstation betreut werden.




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