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134 Feuerwehrleute aus Schaumburg im Einsatz gegen Moorbrand im Emsland

Kampf gegen die unterirdische Gefahr

MEPPEN/LANDKREIS. Aus einem Waldstück im streng von der Öffentlichkeit abgeschirmten militärischen Sicherheitsbereich eines Testgeländes der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) steigt dichter Rauch zwischen den Baumwipfeln auf. Weiße Schwaden ziehen über das verbrannte Moor, das sich auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern schwarz verfärbt hat.

veröffentlicht am 23.09.2018 um 17:02 Uhr
aktualisiert am 23.09.2018 um 18:50 Uhr

Die Helfer atmen durch: ein seltener Moment der Pause vor dem Zelt der Einsatzleitung. Foto: Kreisfeuerwehr
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Der Geruch von Feuer liegt in der Luft. Feuerwehrleute verlegen Schläuche, bauen mehr als 20 Wasserwerfer auf. Mit Löschwasser erzeugen sie am Waldrand einen schützenden Wassernebel. Die Helfer sind aus dem Schaumburger Land ins Emsland gefahren – sie wollen verhindern, dass sich das Moorfeuer durch den Wald frisst und auf das Dorf Stavern zuläuft. 134 Freiwillige aus dem Kreis Schaumburg am Freitagabend gegen 22 Uhr ins Katastrophengebiet gerufen worden.

„Das, was wir hier in Meppen erleben, ist schon beeindruckend“, sagt Marc-Henning Kommerein. Der Rodenberger führt die Schaumburger Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord, die mit 30 Einsatzfahrzeugen angerückt ist. Auf dem Bundeswehrgelände der, auf dem seit knapp drei Wochen ein Moorbrand schwelt, wird jede helfende Hand gebraucht. Am Freitagnachmittag hatte der Landkreis Emsland Katastrophenalarm ausgelöst und Feuerwehren aus ganz Niedersachsen angefordert. Der Moorbrand drohte sich, angefacht durch den starken Westwind, auf die Gemeinden Groß Stavern und Klein Stavern auszuweiten - das galt es zu verhindern. „Die Schaumburger Feuerwehrleute haben einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, das zu verhindern“, ist sich Kommerein sicher. „Uns wurde von der Einsatzleitung ein Abschnitt bei dem Bunker 1400 zugeteilt. Als wir angekommen sind, hat es dort sehr stark gequalmt“, berichtet Kommerein. Den ganzen Samstag über löschten die Schaumburger, was das Zeug hielt. Das Löschwasser wurde für die Schaumburger Brandschützer von THW-Helfern aus der Ems und der Nordradde über kilometerlange Leitungen ins Moor gepumpt. Über dem Moor ist das Knattern eines großen Transporthubschraubers zu hören. Er wirft aus der Luft Wasser ab und unterstützt die Freiwilligen am Boden. „Wir haben es geschafft, das Feuer in unserem Abschnitt einzudämmen“, sagt Kommerein am Sonntagmorgen zufrieden.

Die Nacht haben die Helfer in Schlafsäcken auf Feldbetten verbracht. „Wir haben unser Notlager in einer Turnhalle der Berufsbildenden Schulen in Meppen aufgebaut. Wir haben tagsüber keinen Schlafplatz zugeteilt bekommen. Deshalb konnten wir uns erst am Abend ausruhen – da waren wir mehr als 30 Stunden auf den Beinen“, sagt Kommerein. Am Sonntagvormittag wurden die Pumpen wieder angestellt, und das Wasser spritzte am Riegel Nord, wie der Einsatzabschnitt heißt, aus allen Rohren. In der Nacht hatte es kräftig gepladdert. Trotzdem flammten immer wieder Glutnester im Moor und im Wald auf.

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Der Einsatz der Helfer ist nicht ungefährlich. Das Gebiet ist munitionsverseucht. An manchen Stellen brennt es sehr tief unter der Erde. „Kaum hat man an einer Stelle das Feuer scheinbar gelöscht, fängt es hinter einem wieder an“, sagt der Kreisbereitschaftsführer. „Es ist für alle eine neue Erfahrung und schon etwas anderes, als bei Flächenbränden im Schaumburger Land, wo Gestrüpp oder Stroh brennen. Wir haben hier viel gelernt“, sagt Kommerein. Die Schaumburger werden von einer Kreisfeuerwehrbereitschaft aus dem Heidekreis abgelöst. Dann heißt es: Heimwärts fahren, duschen – und ab ins Bett.




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