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Nur neun Schaumburger Landwirte beantragen finanzielle Unterstützung von Bund und Land

Kaum Dürrehilfe für den Landkreis

LANDKREIS. Ernteeinbußen, Bewässerungen, Preiserhöhungen – mit all dem mussten sich Landwirte in diesem Jahr auch in Schaumburg auseinandersetzen. Grund ist die Trockenheit, die sich über viele Monate zog. Von den ausgelobten Dürrehilfen profitieren jedoch nur wenige Betriebe im Kreis.

veröffentlicht am 11.12.2018 um 14:38 Uhr
aktualisiert am 11.12.2018 um 15:20 Uhr

Foto: Silas Stein/dpa

Autor:

Isabell Remmers und Niklas Könner
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LANDKREIS. „Im gesamten Landkreis wurden durchschnittlich rund 20 bis 25 Prozent weniger Naturalerträge geerntet“, bilanziert Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann. Zwar liegen die hiesigen Dürreschäden damit nur knapp unter dem vom Deutschen Bauernverband errechneten bundesweiten Ernterückgang von 26 Prozent. Dennoch seien die Ausfälle im Landkreis „nicht existenzbedrohend“ gewesen, erklärt Wilharm-Lohmann.

Um Bauern, die in ihrer Existenz bedroht sind, zu unterstützen, haben sich Bund und Länder wie berichtet zu der Auszahlung von Dürrehilfen entschlossen. Durchschnittlich 21 000 Euro und maximal 500 000 Euro können Betriebe, mindestens 30 Prozent weniger geerntet haben, erhalten. Insgesamt stehen dem Land 35,6 Millionen Euro zur Verfügung, je eine Hälfte davon ist aus Landes- und Bundesmittel finanziert.

Laut Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast haben in Niedersachsen rund 4000 Betriebe die Unterstützung beantragt. Im Kreis waren es nach Angaben des Landvolkes Weserbergland neun. Wilharm-Lohmann weiß: „In der Region sind die Ernten noch vergleichsweise gut ausgefallen.“

Viele Bauern fallen zudem aus dem Raster, vor allem die, die zusätzlich ihre Felder beregnet haben. Auf diese Weise fiel die Ernte nicht so verheerend aus. Obwohl diese Höfe meist nur knapp über der Einkommensgrenze liegen, haben sie keinen Anspruch auf die staatliche Unterstützung. „Im Einzelfall ist das sicher unglücklich“, weiß auch der Kreislandwirt.

Trotzdem dürfte man nicht pauschal sagen, dass die Vergabe der Gelder unfair ist. „Es ist sicherlich irre schwer für solche Förderprogramme, Kriterien festzulegen und sie gerecht zu gestalten.“ Ein Gießkannenprinzip, in denen an die Regionen ein pauschaler Geldbetrag ausgeschüttet werden würde, hätte kein Bauer im Kreis gewollt. „Dann müssen wir jetzt auch damit umgehen“, betont Wilharm-Lohmann.

Die Trockenheit habe sich im Landkreis vor allem beim Grünland gezeigt. „Der Markt ist in diesem Sektor wie leer gefegt. Entsprechend sind die Preise für Heu und Stroh ins Bedenkliche geschossen“, so der Kreislandwirt.

Diesen Umstand bekommen besonders die Viehhalter zu spüren, die auf jene ertragreichen Grasernten für den Futterbau angewiesen sind. „Der Septemberschnitt ist bei mir zu 100 Prozent ausgefallen“, beklagt sich etwa Lars Meier aus Engern. Für den Landwirt mit Schwerpunkt Milchvieh sei dies „das Schlimmste“, da es bei der Fütterung von Wiederkäuern „nur wenige Alternativen“ gebe. Fast 10 000 Euro habe er deshalb in zusätzliches Futter investieren müssen.

Eine vergleichbare Situation erlebte auch Dirk Blaue. Der Landwirt aus Borstel, ebenfalls mit Schwerpunkt Milchvieh, musste aufgrund einer mehr als halbierten Gras- sowie Maisernte gleichsam Kraftfutter zukaufen. Auch beim Weizen- und Gersten-Ertrag habe er Einbußen von fast 30 Prozent verzeichnet, „die ich jedoch durch höhere Preise wieder eingeholt habe“, so Blaue. Dennoch sei es insgesamt „ein absolutes Extrem-Jahr“, fügt der Landwirt an.

Der Kreislandwirt hofft, dass den Betrieben, die durch das Wetter in diesem Jahr in ihrer Existenz bedroht sind, durch die Fördergelder geholfen werden kann. Ob die Summen ausreichen, könne er aber nicht einschätzen.

Die EU-Direktzahlungen sollen nicht wie sonst üblich zum Jahresende, sondern bereits morgen ausgezahlt werden.




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