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15 Schaumburger Taxibetriebe sind seit 2003 vom Markt verschwunden

Keine Besserung in Sicht

LANDKREIS. Der Höhenflug der Anrufbusse – allein in der Samtgemeinde Nienstädt hat sich die Zahl der Fahrgäste in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt – ist für viele Schaumburger ein Segen. Das Mobilitätsangebot hat sich durch die Busse enorm verbessert. Den Taxiunternehmen im Landkreis aber macht der Trend schwer zu schaffen.

veröffentlicht am 20.02.2018 um 17:50 Uhr

Vor dem Bahnhof in Stadthagen stehen zahlreiche Taxis Schlange. Kein gewöhnliches Bild in Schaumburg, denn die Zahl der Unternehmen ist bereits seit anderthalb Jahrzehnten rückläufig. foto: lht

Autor:

Lennart Hecht
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„Tiefer kann es nicht mehr gehen“, sagt Andreas Jäschke, der das größte Taxiunternehmen Stadthagens führt.

Noch vor 15 Jahren konnten Jäschke und seine Kollegen ihrem Geschäft konkurrenzlos nachgehen. Inzwischen sei die Anzahl der Fahrgäste bereits seit Längerem rückläufig, erklärt der Unternehmer. Gründe für diese Entwicklung gäbe es zuhauf. Da sei zum einen das Firmensterben in der Region, dass sich negativ auf die Kaufkraft der Schaumburger auswirke, so Jäschke.

Dadurch wiederum sinke die Bereitschaft, abends oder an den Wochenenden auszugehen – feiern könne man schließlich auch bei sich zuhause. Auf ein Taxi seien dadurch immer weniger Menschen angewiesen, zumal fast jeder Haushalt heute selbst über zwei bis drei Fahrzeuge verfüge, wie Jäschke erklärt.

Auch Harald Gast, zuständig für Schaumburg beim Gesamtverein Verkehrsgewerbe Niedersachsen, sieht keine rosige Zukunft für die Branche. „Ein Taxiunternehmen zu führen ist wie Kleingeld sammeln“, sagt Gast. „Da wird niemand mit reich.“ Zuletzt hätte der Mindestlohn negativen Einfluss auf die Nachfrage nach Taxifahrten, erläutert der Experte, der allen Widrigkeiten zum Trotz kein Schrumpfen des Schaumburger Taximarktes feststellen kann.

Tatsächlich sind im Landkreis in den vergangenen Jahren nur wenige Unternehmen verschwunden. Betrachtet man jedoch einen längeren Zeitraum, so wird deutlich, dass die Zahl der Betriebe bereits seit anderthalb Jahrzehnten konstant rückläufig ist.

Während kurz nach der Jahrtausendwende noch 39 Unternehmen in Schaumburg Taxifahrten angeboten haben, waren es vergangenes Jahr nur noch 24. Im Schnitt hat also jedes Jahr ein Unternehmen den Betrieb eingestellt.

Für Fahrgäste im Landkreis sei die Situation ungeachtet dieser Entwicklung mehr als komfortabel, betont Harald Gast. „Es gibt ausreichend Unternehmen und Fahrzeuge.“ 2017 waren in Schaumburg 94 Fahrzeuge unterwegs. Allein 30 davon gehörten zu Betrieben, die in Stadthagen ansässig sind. Weitere Spitzenreiter sind Bückeburg, Rinteln sowie die Samtgemeinde Nenndorf.

Jäschke selbst musste seine Flotte infolge der Branchenkrise bisher nicht verkleinern. „Aber wir haben inzwischen weniger Personal“, erklärt er. Aktuell ist der Betrieb mit 13 Fahrzeugen unterwegs und beschäftigt 18 Mitarbeiter.

Einen weiteren Rückgang fürchtet Jäschke zwar nicht. Aber so, wie es aktuell aussieht, wird es dem Unternehmen in absehbarer Zeit auch nicht besser gehen.

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